Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 

http://myblog.de/kanada07

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Ja ich weiß, liebes Tagebuch – aber diesmal habe ich auch einen wirklich guten Grund. Vor gut 10 Tage fing alles mit einem gesunden Magengrummeln an, steigerte sich zu einem leichten aber für den Extremfall noch mit schmerzlindernden Mittelchen beherrschbaren Magenkrämpfchen und endete in einem 7-tägigen Magen-Darm-Fiasko à la Dumm und Dümmer mit den Hauptaufenthaltsorten Klo und Bett. Hatte schon fast vergessen wie das ist, bin nun aber nach gut 36 Stunden „ohne“ und mit stündlich zunehmenden Kräften einfach nur glücklich, dass es sich wahrscheinlich nicht um das inzwischen befürchtete „Beaver fever“ oder auch Giardia, ausgelöst durch trinken von infiziertem Wasser, handelt. Dem beinahe Hungertod also gerade noch einmal von der Schüppe gesprungen, gibt es - ausgenommen den letzten 7 Tagen - einiges Spannendes zu erzählen.
Wie erwähnt ist meine „Familie“ auf einen Zweitagestrip nach Kamloops aufgebrochen, um Besorgungen zu machen, die man in unserem Dorf eben nicht, oder nur unverhältnismäßig teurer machen kann. Nach einem Blick auf die unzuverlässige weather forecast für die nächsten Tage mit vorhergesagter Sonne, entschied ich mich dann am Sonntag Nachmittag, am nächsten morgen gen Jasper für einen Skitag und danach weiter gen Banff aufzubrechen und meinen Kurztrip und „Urlaub“ dieses Praktikums anzutreten. Ist ein etwas seltsames Gefühl von seinem nicht richtigen Zuhause sein Auto zu packen und dann für ein paar Tage raus zu sein – aber durchaus erträglich. Mit etwas Überredungskunst hatte ich tags zuvor auch die Erlaubnis für die Mitnahme der kompletten Kameraausrüstung vom Chef bekommen und somit überstieg der Wert des Gepäcks den des treuen Gefährten SUZUK um ein Vielfaches. Dieser bekam noch einmal einen Liter Öl spendiert, voll getankt, bei Kiwa einen Café „to go“ erstanden und ab ging es. Enorme Freiheit habe ich in diesem Moment gespürt. Das Auto voll getankt und gefüllt mit Utensilien, die es einem erlauben würden auch ein halbes Jahr über diesen riesigen und landschaftlich sehenswerten Kontinent zu steuern. War zwar schon spät unterwegs, aber hatte in Marmot Basin dann doch irgendwie riesiges Glück. Denn den höchstgelegenen Sessellift „Paradise Chair“ erreichte ich erst gegen kurz nach elf, der hatte aber gerade einmal 5 Minuten den Betrieb aufgenommen – recht nett war dann die erste Stunde in 30cm unverspurtem Neuschnee und strahlendem Sonnenschein ;-) Danach konnte der Tag eigentlich nur noch schlechter werden, deswegen war danach auch erst einmal eine Terrassenpause gegönnt, bin danach aber trotzdem noch tapfer weitergefahren und habe den herrlichen Sonnentag mit einigen Seiten meiner Lektüre „ Fast Food Nation“ über die von mir so geliebten Amis bis zum letzten Sonnenstrahl auf der Terrasse ausklingen lassen. Danach ging es zur Übernachtung in das kleine Hi-Hostel in Jasper, in dem Jenny und ich drei Jahre zuvor auf dem gleichen Weg schon einmal eine Nacht verbracht hatten, denn Zeit heilt bei mir eindeutig wunden. Es ist allerdings sehr gemütlich und mit Jugendherbergsausweis kann man eben für 20 kanadische Dollar, also gut 14€ sehr kostengünstig übernachten. Aber irgendwie ist mir da inzwischen ein Zelt lieber, vielleicht bin ich dafür auch zu alt geworden. Zu alt für Gemeinschaftsküchen, Schlafsäle und zu aufdringlich interessiertes und freundliches alternatives Strickpullipublikum. Wäre ich doch nicht auf Entzug gewesen! Möchte auch nur eine kurze Impression der ersten Nacht geben. Gegen 23h und nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen meiner so lieben Mitbewohner mich in ihre Spiele- und Gesprächsrunden zu integrieren, trat ich den Gang in mein Schlafgemach an. Dort steht mein Doppelbett, in dem ich einen der gut 50 Schlafgelegenheiten in diesem verdunkelten Raum in der oberen Etage nutzen werde. Der Raum war leicht zu finden, immer den Schnarchgeräuschen und der Nase nach, 30 Jungs nach einem Skitag eben. Ein kleiner Traum. Ein ebenso kleiner Traum war, dass mein Bett direkt am Ausgang zum Flur stand, dem Flur, wo 24 Stunden die Neonröhren brennen. War also nahezu taghell auf meiner mit Plastikfolie überzogenen Matratze, die zudem direkt unter einem Heizungslüfter lag und das schön unter der Decke. Nun ja, müde war ich ja genug und dass die Matratze am unteren Drittel mit Panzerband geflickt war, fand ich auch gar nicht so schlimm, denn mein Gedächtnis war ja erstaunlicherweise noch gut genug, ein Bettlaken mitnehmen zu lassen. Das erste Mal wurde ich gegen 1h wach, als etwa 4 Jugendliche (empfundene 12) von ihrem Partyabend aus Jasper mehr oder minder angetrunken und undiszipliniert und ungeschickt auf der Suche nach ihren Betten den Schlafsaal durchforsteten. Wieder einmal war ich kurz davor gegen meine Verweigerung zu verstoßen, jedoch erledigte die angemessene nächtliche Ansprache jemand anders für mich mit – es waren ja alle wach. Immerhin schnarchte nun auch niemand mehr und so hieß es nun schnell einschlafen. Leider nutze die junge Dame am die ganze Nacht besetzten Empfang anscheinend die Gelegenheit mit all ihren Freunden aus anderen Zeitzonen zu telefonieren. Für das zweite Erwachen in dieser Nacht ließ sich leider kein Schuldiger finden. Diesmal wunderte ich mich noch im Halbschlaf darüber, wer meinen Unterschenkel denn da festzuhalten schien und zog ihn dann ruckartig weg. Ich war wieder frei, aber meine Beinbehaarung hing am sich gelösten und auf links gedrehten Panzerband der Matratze, meinen Schutz davor das Laken, hatte ich in anbetracht dieser Umstände wohl souverän weggearbeitet. In diesem Moment fragte ich mich viele Fragen aus dem Bereich warum ich, womit habe ich das verdient, bin ich zu alt für so was,…- wie schlafe ich bei dem Schnarchen jetzt wieder ein? Ich nutzte das herrliche Wetter des nächsten Tages vollkommen unverständlicherweise aber noch einmal und schlief auch noch einmal in diesem ansonsten recht netten Hostal. Warum auch immer.
Für die dann anstehende 250 Kilometertour über den Icefields Parkway nach Banff und über Lake Louise brauchte ich für die Photos die ich machen wollte wiederum Kaiserwetter – und das bekam ich auch für einen weiteren Tag geschenkt. Jetzt musste nur noch der SUZUK halten und der hatte schon vor drei Jahren bei Jenny und mir aufgrund von Rauchzeichen schon einige kleine Pausen benötigt. So beschloss ich auf dieser herrlichen alpinen Panoramastraße nie schneller als 70 zu fahren – mehr wäre eh höchstens bergab mal drin gewesen… Um es vorwegzunehmen, der SUZUK kam dem Ruf der zuverlässigen japanischen Automobile vollkommen nach, schnurrte wie ein Kätzchen und rauchte diesmal sogar nicht einmal. Er scheint wohl wie ein guter Wein zu sein. Ich konnte somit also diesen eindruckvollen Tag genießen und kam auch erst gegen halb zehn in Banff an. Zahllose Male bin ich ausgestiegen und habe Fotos gemacht, auch drei 360-Shots, wovon einer demnächst auf unserer neuen Homepage für Panoramaphotographie zu sehen sein wird. Die Natur ist und bleibt für mich immer noch der größte Künstler, einfach grandios, eindruckvoll und unnachahmlich was sie zu bieten hat. Ein großes Glück, so etwas bestaunen und erleben zu dürfen.
In Banff angekommen, hatte ich nach halbstündiger Suche dann auch endlich das Hostal meiner nächsten Übernachtung gefunden. Ja wieder ein Hostal, hatte mir plötzlich in den Kopf gesetzt, mit meinem knappen Bargeld genau hinkommen zu wollen. Wahrscheinlich zu viel frische Luft... An der Rezeption dieser mir ebenfalls bekannten Unterkunft bekam ich diesmal ein Bett in einem 6er Zimmer Nr. 104 zugewiesen – bessere Vorraussetzungen schon einmal. Dachte ich noch so. Jedoch schon beim Versuch in das Zimmer hineinzukommen erinnerte ich mich daran, dass dieses Kartensystem doch schon damals nicht so richtig gut funktioniert hatte und meist die vom Geräusch genervten Mitbewohner die Tür eher von innen geöffnet hatten, als man mit der Karte erfolgreich war und die kleine LED auf „grün“ umsprang. Versuch 12 hatte Erfolg. Direkt mal souverän mit meinem halben Gepäck unter dem Arm das Licht angemacht – war ja erst 22h. Doch mit dem „erst“ lag ich etwas falsch, denn meine restlichen 5 Mitbewohner lagen schon im Bett. Für mich gab es wieder eine obere Etage eines Doppelbettes, worunter ein etwa 50jähriger, mit auf der Brust verschränkten Armen, zu schlafen schien. Nach drei Minuten betont rücksichtsvoll leisem Einräumen mahnte dieser mich aber mit einem „pschhhhhhhht“ zu nicht mehr möglicher Rücksichtnahme, denn die Luft anhalten werde ich bestimmt nicht. Prost Mahlzeit und willkommen im Hostal, warum lerne ich eigentlich nicht aus meinen Fehlern – gerade wenn sie noch so kurz zurückliegen? Egal, dass zieh ich jetzt durch und werde extra noch einmal mehr zur Tür hereinkommen und hoffentlich heute Nacht laut schnarchen! Nach einem wenig spektakulären Abend und denselben Begegnungen wie in den beiden Tagen zuvor, wurde ich diesmal feierlich von meiner gesamten Zimmerbesatzung geweckt, die wohl kollektiv um 6.30h aufzustehen schien. Nach den üblichen Gedanken fiel mein Blick jedoch auf das Fenster und insbesondere die pink-orangen Strahlen die sich am Vorhang vorbeizuquetschen schienen. Sonnenaufgang! So gehörte ich plötzlich auch zum Kollektiv, zog mir schnell ein paar Sachen über, packte die Kamera und rannte raus. Und dieses Aufstehen hatte sich wirklich gelohnt, wiederum ein beeindruckendes Farbschauspiel der Natur, einige der Bilder sind zum Beweis, dass sich frühes Aufstehen in seltenen Fällen auch mal lohnen kann, in meiner Galerie hochgeladen. Den sich anschließenden Vormittag verbrachte ich damit, alle 12 Sportgeschäfte von Banff nach einem gebrauchtem Splitboard, also einem für den Aufstieg quasi in der Mitte längs durchgeschnittenen Snowboard, zu befragen. Ohne Erfolg allerdings, es gab nicht mal ein Neues zu kaufen. Faule Menschen sind wir. Gegen Mittag machte ich mich dann auch schon wieder auf den Heimweg. Einen kleinen Zwischenstop gönnte ich mir noch in Lake Louise, denn vor drei Jahren gab es dort am Fairmont Park Hotel, direkt am Lake Louise, ein Feuer und Hot Chocolate für lau – doch auch hier hatte der Rationalisierungsrotstift anscheinend inzwischen zugeschlagen, es gab nicht mal mehr ein Feuer. Zu allem Überfluss brach ich dann zum Glück nach meinen 360-Shot in Mitte des gefrorenen Sees zwischen Gletscher und Hotel dann auch noch bis zum Knie ein. Nach ein paar Metern Krabbelei, traute ich mich dann wieder in die Fortbewegungsart unseres Evolutionsstands und das Eis hielt. Gut für mich und die Photoausrüstung – auch wenn ich ja seit 2 Monaten eine eigene Haftpflichtversicherung besitze. Zeit also mit diesem nassen Bein die Heimreise anzutreten und es war mir ein größtes Vergnügen, mir auf dem Parkplatz des Hotels vor allen eine trockene Hose anzuziehen. Man hat ja auch einen gewissen Erziehungsauftrag, denn das ein ganzer Kontinent, wie ich aus eigene Erfahrungen zu bestätigen kann, mit Sportshorts und T-Shirt in die ausschließlich nach Geschlechtern getrennten Saunen geht und ebenso duscht, kannte ich zuvor nur von meinen Freunden aus dem Morgenland und von diesem Leiden müssen sie eindeutig befreit werden. Desweiteren verlief meine Rückreise aber glatt, nach gut 1200 Kilometern kam ich gegen 22h wieder in Valemount an. Das war schon so ein Gefühl wieder zu Hause zu sein, dass ich bisher nur von nach dem Einbiegen in den Bendenkamp, meiner Heimatstraße in Ratingen, kannte. Und wenn man dann die Tür öffnet und sich Kai nach dem Geräusch umdreht, die Arme hochreißt und Anna ruft, dann ist das schon ein wirklich nettes Gefühl. Ein wenig platt von den wenig erholsamen Nächten, fiel ich dann auch schon recht zeitig in einen ungestörten Schlaf in meinem eigenen Bett, mit meinem eigenen Bad. Schon nett. Geweckt wurde ich dann am nächsten morgen um 9 von Kaz. Die hatte gerade einen Anruf von Bryan erhalten, der mit seiner Familie die Cabin Dave Henry betreibt und wo ich schon einmal für einen Tag mitkommen durfte. Er und seine Frau Liz würden für eine Übernachtung und ein paar Arbeiten eine Tour dahin machen, ob ich mitkommen wollte? - Klar hab ich Lust, wann denn? 10h! – Ein kleiner Traum, aber in meinem Alter ist man bei so etwas ja spontan und da ich grundsätzlich ungern Dinge verpasse, sicherheitshalber mal lieber zugesagt. Außerdem habe ich mich inzwischen an die kanadischen Verabredungen gewöhnt, denn die sind immer plus mindestens 1-2 Stunden zu rechnen, also eine entspannte Vorbereitung. Auf dem Weg zu dem Platz, wo wir mit den Skidoos auf die 20 Kilometer lange Anfahrt zur Hütte starteten, fragte ich dann, was Inhalt meiner zweiten Fahrstunde auf dem Skidoo sein würde. – Beladener Schlitten als Anhänger. Eine kurze, knappe und respekteinflößende Vorschau auf das, was mich gleich erwarten würde. Nachdem dann alles verzurrt war ging die Anreise los, Liz und Bryan fuhren dabei auf einem Skidoo – aus Sicherheitsgründen dachte ich mir. Zum Glück hatten wir diesmal nicht so viel Neuschnee, denn letztes Mal war der Schlitten trotz meiner Einschätzung nach professioneller Steuerung ein gutes halbes Dutzend Mal umgekippt. Ein besonders kraftraubender Spaß, die Biester dann immer wieder umzudrehen. Das waren eineinhalb Stunden höchste Konzentration für mich, mit gerade einer kleinen 180 Gradwende, die nicht vergleichbar waren mit der Fahrt ohne Anhängsel, auf dieser ohnehin anspruchsvollen Waldstrecke. Da muss man schon sehr aufmerksam sein und permanent bei vollem Körpereinsatz mitdenken und –lenken. Aber sehr spannend und der heiße Tee in der Hütte wird zu einer großen Belohnung – empfundene Champagnerdusche.
Am Abend haben wir dann nur noch lecker gekocht – auf Hütten empfindet man ja selbst Spaghetti mit Tomatensoße als Delikatesse – und sind dann in dieser unglaublich friedlichen Stille inmitten der Natur bei stärker werdenden Schneefall, findet man beim nächtlichen Klogang ganz automatisch heraus, Schlafen gegangen. Und wie es kommen musste, am nächsten morgen einen zur Hälfte blauen Himmel und Neuschnee. Der Kanadier an sich ist trotz jahrelangem Leben im Schnee für diesen Fall trotzdem hoch motiviert die Arbeit einfach mal aufzuschieben, sich seine Tourenski anzuschnallen und einen umliegenden Berg hochzusteigen. In diesem Fall war es Liz mit mir, allerdings auf Schneeschuhen und dem Snowboard am Rucksack befestigt, im Schlepptau. Gerne hätte ich mich bei diesem schweißtreibenden Aufstieg schleppen lassen – keine Frage, Tourenski haben gewisse Vorteile. Dafür genießt man jeden Abfahrtsschwung durch meilenweit unberührten Tiefschnee noch viel mehr. Das war schon ein Traum und erweckte mein großes Verständnis für viele Begeisterte, die dies jeden Winter für eine Woche von dieser Hütte aus zelebrieren. Pünktlich mit unserer Rückkehr zog sich der Himmel dann auch wieder zu und es begann erneut zu schneien. Nun war dann aber doch mal angesagt und zwar nicht zu knapp. Die Sauna musste freigeschaufelt werden, weil das Dach unter dem Gewicht des Schnees einzustürzen drohte… das war eine Dreistundenaktion mit der Garantie für den nächsten Tag: ich hab Rücken! Nachdem danach noch ein wenig Holz gespalten wurde, etwa ein Baum, kehrten wir nochmals in die Hütte zurück und es gab noch mal einen wärmenden Tee. Dabei unterhielt mich noch ein wenig mit den beiden Familienvätern aus Alberta, die für eine Woche ihrem Hobby hier oben frönten. Und dann unterhielten wir uns eben auch über meine weiteren Pläne, wie es mir hier in Kanada gefällt und sagte dann diesen Satz, auf der Terrasse mit dem heißen Tee stehend und in die Sonne blinzelnd: Ja warum kommst Du dann nicht mal für länger nach Kanada, wenn es Dir so offensichtlich gut gefällt? Life is too short! Und insbesondere dieses „Life is too short“ bekomme ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf.
Wenig später packten wir dann die Sachen für die Abfahrt, denn wir wollten noch im Hellen am Auto ankommen. Diesmal hatte ich aber nur den kleinen Schlitten als Anhängsel, wollte aber von Bryan noch mal gezeigt bekommen, wie man auf den ebenen Tiefschneefeldern mit den SkiDoos so herrliche endlos-S-Kurven fahren kann. Ganz einfach im 2 Meter Tiefschnee: Ganzes Gewicht auf eine Fußraste, richtig reinlehnen bis das Gerät fast auf einen draufkippt und dabei in die entgegengesetzte Richtung lenken… Dazu muss man erstmal die Synapsen entknoten, denn dahin lenken, wohin man gar nicht fahren will – ist erstmal komisch. Funktionierte nach einigen Versuchen dann aber immer besser und ist einfach genial. Ich mag diese stinkenden Motorräder im Schnee;-) Ich dachte eigentlich auch das wäre schon meine heutige Fahrstunde gewesen, aber dann stoppte Bryan und sagte zu mir, nun nach dem Spaß vorhin, kommt nun Fahrstunde/Level 2.5 und bog kurz darauf ins vollkommen verschneite Bachbett ein. Viele kleine und steile Hügel, oft einen Meter neben einem ein Loch im Schnee wo der Bach drunter gurgelte und das SkiDoo bitte nicht drinnen enden sollte… Diese Lektion kostete mich einiges an Nerven und Angstschweiß, doch wenn man danach wieder auf die alte Route biegt, sind die Herausforderungen dort geradezu lächerlich. Beim nächsten Stop, als wir Liz einsammelten die bis dahin den Weg allein auf Skiern zurückgelegt hatte, kam mir Bryan allerdings zuvor, indem er das Level dieser Fahrstunde auf 2.8 erhöhte.
Später am Auto luden wir die SkiDoos wieder auf, Liz und Bryan brachten mich nach der Einladung zum Essen nach Hause, ich bedankte mich für die große und für diese Gegend wirklich einmalige Gastfreundschaft und wünschte Ihnen viel Spaß in ihrem nun folgenden 5 wöchigen Camping-Trip durch einige amerikanische Nationalparks.
Passend zu den vielen Naturerlebnissen möchte ich nun noch über unsere Erlebnisse bei der Produktion des Kurzvideos für coldfirecreek dogsledding erzählen. Nach derem morgendlichem ok (7h) aufgrund des guten Wetters, machten wir uns auf den Weg zu dem etwa ½ stündigen Weg entfernten Waldstück, in dem die Betreiber mit ihren 87 Schlittenhunden lebten und von dort aus ihre Touren starteten. Schon beim Aussteigen aus dem Auto bekamen wir dann ein lautstarkes Konzert aus vielen Hundekehlen irgendwo zwischen Heulen und Bellen zu hören. Fast alle Hunde sind ehemalige „Profi“-Schlittenhunde, die aber ab einem gewissen Alter nicht mehr genug Kraft haben, für die 2-4 stündigen Rundtouren mit den zahlungswilligen Touristen und auch für meine späteren Erlebnisse noch mehr als ausreichend sind. Auch wenn wir es zunächst nicht so richtig glauben wollten, die Hunde sind trotz ihrer scheinbaren Aggressivität wenn es ums Rennen geht, immer friedlich und jederzeit bereit, Streicheleinheiten zu empfangen. Reinrassige Huskies sind als Schlittenhunde auch eher unüblich, weil sie ganz schlicht einen zu dicken Kopf haben, Huskies gekreuzt mit einer anderen Hunderasse deren Namen ich vergessen habe, sind da robuster, gelehriger und folgsamer. Kann ich für zumindest meine Anfänge als „Musher“ durchaus bestätigen. Die Hunde sind schon beim Anbinden einfach nur „heiß“ darauf loszujagen und dann gibt es kein Halten mehr. Unsere Gespanne hatten gerade einmal 8 Hunde und dabei trotz zweier Personen auf den Schlitten schon eine ganz ordentliche Geschwindigkeit – am Berg allerdings, da bin ich mir sicher, haben sie nicht nur einmal auf meinen prächtigen Ernährungszustand geflucht. Auch hier hieß es wieder sehr aufmerksam zu sein, dass alle Hunde mitkommen, keiner Humpelt, den Schlitten durch Gewichtsverlagerung in der gewünschten Richtung zu halten,… Eine besondere Herausforderung ergibt sich, wenn einer der vorderen Hunde bei voller Fahrt plötzlich meint „to the bathroom“ gehen zu müssen , einfach mal stehen bleibt und dann alle anderen Hunde in ihn hineinlaufen. Dann muss man erstmal sehr aufmerksam sein und sich mit dem ganzen Gewicht auf eine Art Anker stellen, der den Schlitten bremst und ist danach für einige Minuten mit der Entwirrung der Hunde und Schnüre beschäftigt. Das ist schon eine wirklich faszinierende Fortbewegungsart, besonders bei dieser beeindruckenden Landschaft. Unsere Aufgabe in diesem heutigen tag war es, möglichst viel Film- und Fotomaterial zu sammeln, um daraus zum einen, einen Kurzfilm für das Valemount Visitors Center zu drehen und zum anderen die Homepage mit neuen Fotos zu versorgen. Auch hier und wie schon so oft muss ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen erst einmal wieder einer Berufsgruppe meinen größten Respekt aussprechen. Diesmal trifft es die Tierfilmer und -fotografen. Denn grundsätzlich machen Tiere anscheinend extra nie das, was man gerade gerne hätte und geniale, foto- und filmreife Situationen präsentieren sie grundsätzlich nur, wenn man gerade keine Kamera zur Hand hat. Da braucht man schon eine Menge Geduld und Glück. Für viele Aufnahmen hat man eben nur eine Chance und entweder alle Einstellungen sind perfekt, oder aber Pech gehabt. Wiederholungen sind mit Tieren nur selten möglich. So legten wir also unzählige Pausen ein, rannten vor, platzierten uns hinter Bäumen, lagen direkt neben der Route im Schnee und warteten auf die Vorbeifahrt der Hundeschlitten. Denn nur wenn einen die Hunde nicht sehen, reagieren sie auch nicht und gucken alle oder bremsen etwas ab… Viele Filmminuten nahm Pascal entweder in akrobatischer Stellung hinten auf meinem SkiDoo bei voller Fahrt und möglichst optimalem Abstand zum folgenden Hundeschlitten auf, oder lehnte sich direkt aus einem der Schlitten. Über 150 Fotos hatte ich alleine anschließend von Hundeköpfen in Makroaufnahmen, man weiß nie, was gut wird und was man später verwerten kann. Mittagspause und Zeit zum Aufwärmen in dieser Schlucht, in der wir immer wieder den kleinen Fluss querten, war dann an zwei kleinen Hütten bei Lagerfeuer und Barbecue angesagt. Auch Zeit, einmal ein paar sich aufdrängende Fragen beantwortet zu bekommen. So viel als Resumé, der Job als Musher macht eine Menge Spaß, ist nicht zu hart, man ist den ganzen Tag in der Natur mit Hunden zusammen und man verdient in der 6 monatigen Saison so gut, dass man danach 6 Monate Urlaub machen kann. So viel dazu und für uns, ein toller ereignisreicher Tag, der normalerweise schon für 4 Stunden etwa 150€ p.P. kostet. Mein Chef hat damit sogar noch Kohle gemacht, hat schon was, der Job als Fotograf im richtigen Bereich. Auch wenn danach die eigentliche Arbeit beginnt, Material sichten, bearbeiten, schneiden, Musik auswählen und hinterlegen und das alles natürlich noch mit dem Kunden abstimmen. Das war wirklich mal interessant, wie viel Arbeit das ganze ist und auf wie viele Dinge man Acht geben muss. Wen das Kurzfilmergebnis interessiert:

http://www.bollito.net/projects/valemount_area/coldfirecreek_dogsledding.mov

Eine kleine Auswahl an Photos unter:

http://www.kodakgallery.de/Slideshow.jsp?mode=fromshare&Uc=bbnu6q65.chu66isl&Uy=dsfs2y&Ux=0&localeid=de_DE

Ansonsten verabschiede ich mich nun mal in die letzten Tage. Ein komisches Gefühl ist es nach dieser mir wahrscheinlich aufgrund der vielen prägenden Erlebnisse so lang vorkommenden Zeit, dieses Fleckchen Erde und meine so lieb gewonnene Gastfamilie wieder zu verlassen. Aber auch schön zu wissen, was mich alles wieder in Deutschland erwartet. Denn da freue ich mich schon sehr drauf!

21.4.07 16:42


Gestern war ein harter Tag für mich. Ein harter Tag, weil in Ratingen die große Geburtstagsfeier von Thomas und Anton stattgefunden hat und ich den ganzen Tag an all die Menschen denken musste, die da gerade mit wahrscheinlich herrlichem Schumacher Alt vom Fass ausgelassen ne Menge Spaß haben. Ja auf Party und einen Abend mit vielen Freunden habe ich wirklich so langsam richtig Schmacht. Das fehlt hier wirklich sehr, die dorfeigene Jugend macht sich nach der High School direkt auf in die Welt und wenn sie wiederkehrt baut sie eine Familie. Partymäßig ist hier also wirklich nichts zu holen, wie gesagt, nicht mal ein Pub…- einziger Vorteil, es gibt keine Katertage, aber auch dieser Schmerz ist ja meistens auch gar nicht soooo schlimm;-)
Sehr erfreut bin ich über meinen SUZUK, der mich bisher tapfer - mal auf vier, mal auf drei Zylindern - durch die Berge schaukelt und dabei nur etwas über sieben Liter verbraucht. Das ist besonders an der Tankstelle immer wieder eine Freude, kein Wunder bei etwa 65 Eurocent der Liter Super. Erst nach der Anmeldung ist mir aufgefallen, was da so alles anders ist als bei uns. Man geht mit den Fahrzeugpapieren einfach zur Versicherung und sagt bitte versichern. Dann bezahlt man den Jahresobulus, bekommt im Gegenzug sein Nummernschild und kann losfahren. Es gibt hier weder einen TÜV (was sich für mich als teilweise irgendwo zwischen beängstigend und leichtsinnig herausgestellt hat) und keine Kraftfahrzeugsteuer (was ökologisch total daneben ist, weil dann auch diejenigen, die keinen riesigen Jeep brauchen einen kaufen und somit ein Durchschnittshubraum von rund 4 Litern Standard ist, selbstverständlich fährt hier keiner außer mir auf meistens 4 Zylindern… Ich genieße neben der zum Glück ja überwiegend sehr flexiblen Arbeit momentan die Nähe zu einem Skigebiet, gepaart mit dem Besitz des Auto“mobil“s. Spontane Skitage nur wenn es entweder Neuschnee gegeben hat, oder die Sonne scheint sind ein bisher noch nicht gekannter und schon antizipiert vermisster Luxus. Besonders reizvoll wird diese täglich Offerte auch noch dadurch, dass ich mit Pascals Ausweis und einer tief ins Gesicht gezogenen Mütze und verspiegelten Sonnenbrille am Ticketcounter eine Tagesskipass für lau bekomme weil er Mitarbeiter bei Mike Wiegele ist… Daran wird deutlich wie bedeutsam dieser Wiegele hier ist und was seine Referenz für die eigene Arbeit und Selbständigkeit von Pascal bedeutet. Habe in den letzten Tagen viel über mich und meine Arbeitssituation nachgedacht. Das ist schon komisch, wenn man das Gefühl hat, in Deutschland wartet arbeitstechnisch einfach niemand auf mich, ganz im Gegenteil, ich muss mich eher fast noch aufdrängen und mich so verbiegen, wie die Herren Personalchefs ihre Berufseinsteiger oder auch Praktikanten haben wollen. Und hier…- die Arbeitgeber fragen suchen besonders Arbeitskräfte aus Deutschland aufgrund ihrer Arbeitsauffassung und qualitativen, zuverlässigen Arbeitweise. Gerade mache ich einen Job, der mir unglaublichen Spaß macht auch wenn die Arbeitszeiten wie letzten Freitag von 17h bis 3 Uhr morgens gehen oder wir nicht selten bis um 22h noch am Rechner sitzen und rumprobieren, wie wir die Qualität noch steigern können. Ich gehe abends fertig ins Bett aber freue mich schon auf den nächsten Tag, auch wenn er lang und anstrengend wird, die Arbeit macht einfach Spaß - das habe ich mir eigentlich immer so gewünscht. Als ich meinem Studienkollegen Benni davon berichtet habe wurde ich in der Antwortemail erstmalig zitiert: “Jetzt macht mir mein aktueller Job so viel Spaß und wofür habe ich mich 6,5 Jahre mit dem BWL-Studium herumgeschlagen? – Ein Photokurs in der Volkshochschule hätte mir mehr weitergeholfen…“ – er empfand das eher als suboptimale Motivation für den Beginn seiner Diplomarbeit. Darum drehen sich Fragen, die jeden Tag beantwortet werden wollen. Habe ich gemessen an meinen Fähigkeiten und Eigenschaften das richtige studiert? Will ich überhaupt in dem Bereich arbeiten, den ich bisher kennen gelernt habe? Warum nicht da arbeiten und leben, wo andere Urlaub machen? – Zumal die Zusammenarbeit mit meinem Chef wirklich sehr gut ist. Wir sind uns charakterlich ähnlich genug, um auch im Stress und vielen gemeinsamen Stunden (24 jeden Tag) noch immer konzentriert, wechselseitig produktiv kritisch und effizient zu arbeiten. Wir haben in der Regel auch eine Menge Spaß und albern mal rum, sind jedoch in der Arbeitsauffassung absolut konform jedem Kunden ein 110% Produkt abzuliefern. Da gibt es nie Diskussionsbedarf, dass was möglich ist, wird realisiert. Gerade bei unserem Pilotprojekt, das gesamte Angebot von Mike Wiegele möglichst realistisch über virtuelle Touren zu präsentieren, versuchen wir permanent die Qualität zu verbessern. Denn mit dieser Referenz lässt sich mindestens in Kanada noch einiges erreichen. Gerade für die gesamte Tourismusindustrie ist doch die Außendarstellung des Ambientes, der oft aufwändigen Architektur, Inszenierung und Gestaltung der Räumlichkeiten sowie der Lage bzw. Umgebung, die Möglichkeit dem potentiellen Kunden über die 360-Grad-Blicke einen viel realistischeren und umfangreicheren Eindruck zu vermitteln und sich damit von der Konkurrenz abzuheben. Bei der Internetrecherche haben wir bisher im Vergleich zu anderen Produzenten eine weitaus höhere Qualität erreichen können, was sich in wenigen Fehlern aus dem Zusammensetzen der Einzelbilder und dem schwierigsten Foto ergibt, eben dem aus exakt demselben Punkt im Raum gerade nach unten, um das Stativ herausschneiden zu können. Andere Anbieter machen es sich damit sehr einfach, sparen sich diesen schwierigsten Teil und knallen unten einfach ein Logo rein – wirkt nicht besonders professionell… Aber auch das haben wir mit diversen kreativen Einfällen und Gängen zum Baumarkt inzwischen mit recht hoher Qualität und Zuverlässigkeit hinbekommen und streben in dem Sektor mal ganz bescheidne die Weltherrschaft an. Zu schade, dass die Kunden dann vorerst Luxushotels und –resorts auf der ganzen Welt wären, oder auch erstmal nur Autohäuser, Kurorte, Restaurants, Freizeitparks, Freizeitbäder,… - so viel zur Theorie und unseren Träumen à la vom Tellerwäscher… Wir arbeiten dran. Wen es interessiert, unter der nicht öffentlichen Webadresse ( http://www.wiegele.com/v3/360/ ) sind unsere ersten 5 Shots in grober Vorfassung zu sehen. Wenn etwas bei Euch an der Navigation nicht funktionieren sollte, schreibt mir bitte mal ne Mail was genau, Danke!
Auch kräftig gearbeitet hat mein Chef an meinen Goldlöckchen (Danke und Gruß an meinen Käsebruder Ralf), natürlich gibt es hier im Dorf keinen Frisör und natürlich eben auch nicht meine Mama, die das ansonsten immer so hingebungsvoll zu meiner vollsten Begeisterung hinbekommt. Und da er sich nun mal schon seit Jahren die Harre mit der Schermaschine… Irgendwann sah ich halt bekanntermaßen aus wie ein Schaaf und das warme Winterfell musste sich der irgendwann doch zu arg gebeugten Eitelkeit - trotz nicht vorhandenen Dorfschönheiten - weichen. War ein Riesenspaß, so viel kann ich vorwegnehmen – allerdings vor allem für Pascal, ich erschrecke mich heute noch wenn ich morgens eine Hand auf den Kopf lege. 18mm eben, aber unglaublich praktisch in der Pflege… Selbstverständlich wurde das Spektakel fotografisch festgehalten, einige Bilder davon sind im neuen Fotoalbum zu sehen.
Ansonsten war ich recht viel unterwegs in den letzten Tagen. Jetzt Freitag erst haben wir die auswärts gelegene Albreda Lodge vom Wiegele abgelichtet und versucht das Maximum an räumlichen Eindruck herauszuholen. Das war mal ein netter Arbeitstag von 17h bis drei Uhr Nachts, aber das ist eben der Nachteil bei Kunden mit viel Publikumsverkehr, da muss man zeitlich sehr flexibel sein und eben genau dahin die Woche zuvor auch mal um 6.30h da sein, um den fertigen Frühstücksraum noch unangetastet von Gästen aufnehmen zu können. Das Abendshooting war aber recht nett, wir konnten uns richtig austoben um alles möglichst perfekt in Szene setzen zu können: Kamine anzünden, Mobiliar ausrichten, dekorieren, Lichtgestaltung,…- ist im Ergebnis aber recht ansehnlich geworden, wahrscheinlich auch weil wir uns frei in der Küche und der dazugehörigen Speisekammer austoben durften - ein großer Traum ;-)
Doch genau diesen Shot und bedeutende Elemente unserer Weltherrschaft habe ich mit einer Unterschätzung der Naturgewalten am vorherigen Tag arg in Bedrängnis gebracht. Da war ich auf den exponierten Stellen des Skigebiets von Jasper mit dem Fotoequipment unterwegs und beim Versuch, die Lichtverhältnisse bei Sonne und Schnee für unsere 360-Grad-Fotografie, zu ergründen. Da wir dem alten Östereicher Mike vorgeschlagen haben, dass es doch sinnvoll wäre, auch von seinem eigentlichen Kerngeschäft dem Heli-Skiing virtuelle Touren zu haben, müssen wir natürlich vorbereitet sein, wenn es Anfang April mit dem Heli auf die Gipfel der Monashee und Cariboo Mountains geht ;-) Da an diesem Tag aber das Wetter nicht wie vorhergesagt überwiegend sonnig, sondern eher bedeckt und teilweise böig war, reichte eine kleine Unaufmerksamkeit auf einem Bergsattel, um mich aufgrund einer plötzlichen Schneesturmattacke, die Kamera hinter meinem Körper zu schützen - aber eben nicht das Stativ. Und das hat der Wind dann mal eben umgeblasen und beim Aufprall einen Aluträger der empfindlichen Kameraaufhängung verbogen. Noch am Vortag hatte mir Pascal erzählt, wie schwer er es nur bekommen konnte, dass es 300 US $ koste und es aufgrund des Zolls mal eben 6-8 Wochen Lieferzeit aus den USA gebraucht hatte. Danke sehr, das war es dann wohl mit der Weltherrschaft. Denn wie mir der freundliche Verkäufer im Fotoladen von Jasper postwendend verkündete, ist das ja mit Alu zurück biegen so eine Sache. Bricht dann eben in der Regel, great! Mit einem elenden Gefühl fuhr ich dann die 1,5 Stunden nach Valemount zurück, überlegte an Ausreden, Lösungsmöglichkeiten und wie ich es Pascal beibringen würde. Aber er reagierte natürlich wieder einmal absolut entspannt, das bekommen wir schon hin…Haben wir dann auch, nach lächerlichen drei Stunden in der Werkstatt von Kaz Vater und unter Einsatz aller physikalischen Gesetze der plastischen und elastischen Verformung, Hebeln und Kybernetik – aber was war das schon in Anbetracht der Weltherrschaft… Ergebnis für uns aus diesem Versuch war übrigens, dass wir immer zusammen arbeiten sollten. Denn vier Augen sehen immer mehr als zwei, zwei Gehirne kriegen mehr auf die Kette und vor allem: Vier Hände könne mehr halten als zwei.
Am vorherigen tag reichten meine zwei Hände allerdings. Nachdem ich mir morgens um 8h aufgrund des Bonussystems (der 11. Café ist for free) meinen ersten großen Frei - Café Latte French Vanilla abgeholt hatte, ging es mit Bryan und seiner Tochter Cameron zu deren etwa 20 Kilometer von der letzten Straße gelegenen Holzhütte mit gut 30 Meter entferntem Plumpsklo und Außensauna. Eine traumhafte Lage auf einem Plateau direkt an einem See, ringsherum Berge und eben im Radius von gut 20 Kilometern keine Zivilisation – hier muss es auch im Sommer recht nett sein. Die Familie hat die, im ersten Geschoss 8 Personen Schlafplätze bietende Hütte, vor gut 15 Jahren gebaut. Seit dem lebt die Familie ausschließlich von der Vermietung an Tiefschneefreaks, die diese perfekt gelegenen Schutzhütte als Ausgangspunkt täglich variierender Besteigungen und Abfahrten von den umliegenden Bergen nutzen und schätzen. Und wenn so ein Ding einmal steht, dann muss neben der abendlichen Versorgung mit Lawinengefahrenstufen (ein netter Service via Funk), nur noch kleine Reparaturarbeiten und die Versorgung mit Gas und Brennholz sichergestellt werden. Das war also unsere Aufgabe. Eine gute Stunde hat die Hinfahrt mit zwei SkiDoos gedauert und es war schon beeindruckend, wie die beiden diese Maschinen durch den Tiefschnee, steile Anstiege, mitten durch den Wald, über sehr schmale kleine Brücken über Gebirgsbäche samt den Schlitten mit Gasflasche und einem großen Bretterstapel balanciert haben. Oben haben wir dann noch zwei Bäume gefällt und Kaminfertig zerlegt, das Dach von Eis befreit und dann ging es wieder Richtung Anhänger. Aber diesmal saß ich am Steuer. Ein Traum diese Dinger, ich fühlte mich adrenalintechnisch an meine balinesischen JetSki – Erfahrungen erinnert. Die haben einen nie zu enden scheinenden Schub nach vorne und das bei einer Beschleunigung…-sagenhaft;-) Nun konnte ich auch die vielen für mich zuvor scheinbar Verrückten verstehen, die jedes Wochenende des Winters so viele Kilometer zurücklegen und in die Dörfer der Rockies wie Heuschreckenplagen einfallen, um sich dann mit ihren „Sportgeräten“, die sich so laut und stinkend verhalten wie Motocross-Maschinen, um dann inmitten der unberührten Natur herumzutoben. Das balancieren dieser Dinger über Schrägen, bei denen man sich wie auf einem Segelboot und den Füßen auf einer Fußraste weit zu den Seiten legen muss, hoch runter, links und rechts, zwischen den Bäumen durch und immer wieder diese sagenhafte Beschleunigung die einen fast hinten runter reißt…jaaaaaaaa, mehr davon!!!!!
Heute hatte ich mal einen Tag alleine im Haus, denn „meine“ Familie macht ein paar Besorgungen im etwa 3,5 Stunden entfernten Kamloops und übernachtet dann dort. So gerne ich sie mag und so gut wir uns verstehen, mal ohne Menschen um sich herum sein tut irgendwie auch mal gut. Auch wenn ich jetzt schon das morgentliche A-N-N-A in Richtung Keller von Kai vermisse, der dies konsequent wiederholt bis ich mich zeige. Nur selten gibt er sich mit einer einfachen Antwort aus dem Bett zufrieden. Werde trotzdem morgen mal Richtung Jasper und dann weiter nach Banff aufbrechen, der SUZUK hat mich in Hinsicht Zuverlässigkeit inzwischen überzeugt. Auf dem Weg schreien noch ein paar gefrorene Wasserfälle, sowie der riesige Gletscher, das Columbia Icefield danach, vor meine Linse zu kommen. Außerdem haben meine Gastgeber dann auch noch mal ein paar Tage Ruhe vor Monica und das Wetter trägt sein übriges zu dieser Entscheidung bei. Abschließend möchte ich aber noch berichten, was der reizende Sprecher meines Radioweckers heute Morgen von sich gegeben hat. Vorweg, eigentlich interessieren sich die Kanadier in der Regel nicht erheblich für Politik oder den Rest der Welt, es wird auch kaum darüber berichtet. Höchstens mal was über die ungeliebten Amis. Allerdings haben alle ein Herz für die Natur, solche Filme wie „The inconvenience Truth“ von Al Gore werden hier in der Sporthalle auf Großbildleinwand gezeigt. Gleichsam schmeißen sie aber Glas und Batterien in den Normalmüll und produzieren Plastik ohne Ende, abgesehen von den Autos…- und dann kommt folgende wichtige Neuigkeit in den morgentlichen acht Uhr Nachrichten des einzigen empfangbaren Radiosenders hier: In Deutschland wurde eine Pille erfunden, die die Blähungen von Vieh um bis zu 90% verringern kann und damit erheblich zur Reduktion treibhauseffektfördernder Gase beitragen kann und damit einen großen Beitrag zur Verringerung der Klimaerwärmung leisten kann. Insoweit, Gruß in das innovative Deutschland, ich bin dann mal weg.

Leider ist die upload-Geschwindigkeit vom dorfeigenen W-LAN gerade mal wieder ein kleiner Traum, deswegen belasse ich es heute mal auf die wenigen Bilder die schon hochgeladen sind. Wenn ich wieder da bin gibt’s aber nen satten Nachschlag:

http://www.kodakgallery.de/Slideshow.jsp?mode=fromshare&Uc=bbnu6q65.39jrk1bx&Uy=t1bxkk&Ux=0&localeid=de_DE

26.3.07 08:43


Verehrtes, aber vernachlässigtes Tagebuch, ich habe oft an Dich gedacht, aber es war ein wenig zu tun die letzten Tage, aber davon werde ich Dir nun berichten. Jetzt habe ich mir mal die Zeit genommen und es mir im gemütlichen KIWA Café in Valemount gemütlich gemacht. Hier starten sie mittlerweile schon bei der Begrüßung mit der Zubereitung des von mir so geschätzten French Vanilla Latte, der auch jetzt hier neben mir in der Tasse dampft. Genau der richtige Tag für ein Heißgetränk, denn der Weg hierhin führte mich durch Regen und etwa 5 Grad, der hier seit dieser Nacht als wohl ernstzunehmender Frühlingsbote eingekehrt ist. Zuverlässige Quellen berichteten mir, dass die Menschen in Deutschland diesen Winter, der eigentlich gar keiner war, sehr viel Café getrunken haben müssen.
Gestern hat ein wohl entscheidender Schritt meiner Selbständigkeit stattgefunden – ich habe mein eigenes Auto angemeldet! Es handelt sich dabei um Kaz und Pascals vorheriges Auto, mit dem Jenny und ich auch schon bei unserem Erstbesuch in Kanada unterwegs waren und der seit nun fast einem Jahr auf dem Hof der Eltern im Wald stand… Ein Suzuki Swift, gut 60PS mit Automatik, fährt des öfteren nur auf drei Pötten, linker Blinker defekt (versuche ich mal zu reparieren), Reifen geht so, neue Batterie und hat definitiv ein Eigenleben – kurz gesagt ein Traum in weiß. Ich hoffe er hält ein paar Kilometer und ich kann mal spontan in die Areale um Valemount vorstoßen, selbständiger arbeiten und spontaner mal gutes Wetter ausnutzen - wenn es denn wiederkommt. Als ich die ersten Meter damit gefahren bin, hat sich sofort ein Gefühl der Freiheit und Freude der Erinnerungen an die 8-tägige Rundtour mit Jenny bei glücklichem Sonnenwetter eingestellt. Ich glaub wenn ich wieder in Ratingen bin, möchte ich diesen Luxus der Unabhängigkeit auch wieder genießen, ist ja schon nett – nett bequem und nett teuer.
In der vierten Woche away from home hatte ich so einen kleinen emotionalen Hänger und konnte die Gefühle meiner Freunde, die mal eine längere Zeit im Ausland verbracht haben gut nachvollziehen. Es sind wirklich richtige Phasen die man durchlebt. Die ersten Tage sind einfach nur von Adrenalin und Vorfreude über den Schritt geprägt und gehen dann in eine gut dreiwöchige Phase über, in der man alles neu entdeckt und sich das ganze eigentlich wie Urlaub anfühlt. Danach wiederholen sich die ersten Dinge, besonders wenn man irgendwo stationär ist und mit anderen Menschen zusammenlebt, die einen geregelten Alltag haben. Irgendwo muss man sich doch auch erst selbst finden in dieser neuen Situation in der eben nichts mehr ist, wie es vorher war. Keine Familie, keine Freundin und Freunde in der Nähe, neues Aufgabenfeld mit vielen neu zu erlernenden Dingen, keine eigenen 4 Wände, andere Sprache, andere Freizeitaktivitäten, keine Partys, keine Ballsportarten, andere Sprache, kein Schumacher und Rotwein, nur eine geschmacksneutrale Käsesorte, Familienbestandteil,… - das ist denke ich auch immer sehr gut und wichtig um sich über vieles klar zu werden was vorher selbstverständlich und unüberdacht war. Aber es kann eben auch anstrengend sein, wenn so eben fast nichts mehr ist, wie es normalerweise ist, jedenfalls für einen so scheinbar sicherheitsbedürftigen Menschen wie ich mir momentan manchmal vorkomme. Spannend aber auf jeden Fall und tut mal gut in ein komplett anderes Leben zu springen.
Seit zwei Wochen bin ich nun auch in Pascals Projekte nach meiner Einarbeitungsphase deutlich mehr und mit mehr selbständigerer Arbeit eingebunden. Von meinem ersten Photo-Shooting für die Ferienhäuschen des Einhändigen habe ich ja schon erzählt, die neue Homepage ist nun online und unter www.willowburlcabins.ca als ersten Nachweis meiner Arbeit abrufbar;-) Letzte Woche eine mal ganz andere Herausforderung, Essen in einem japanischen Restaurant in Valemount ablichten und möglichst appetitlich in Szene setzen. Das hat sehr gut hingehauen, aber es war nicht leicht gut anderthalb Stunden herrlichste Essenplatten zu fotografieren, die direkt aus der Küche kommen und deren Duft einem bei den Makro-Nahaufnahmen so furchtbar gnadenlos permanent in die Nase steigt und man nichts anrühren darf. Klar hatten sie zu diesem Shooting nur die besten und appetitlichsten Dinge aufgefahren, die die japanische Küche zu bieten hat – war Dank ununterbrochenem Speichelfluss glaube ich am Ende auch ein wenig dehydriert. Da sie für die danach kalten Gerichte keine Verwendung mehr hatten und sich wahrscheinlich durch meinen schmachtend bis gierigen Gesichtsausdruck auch ein wenig genötigt fühlten, durfte ich mich anschließend über die Photoobjekte hermachen und mir die Rosinen rauspicken – netter Job kann das sein. Während der Photografie machen die Kunden grundsätzlich alles für dich, bauen um, verrücken, besorgen, beleuchten, halten Dinge, alles auch mehrfach, nach einem Irrtum auch wieder wie ursprünglich und sind trotzdem noch vollkommen dankbar, da ja uneingeschränkt abhängig;-) Das gilt zumindest für alle Projekte, die mit dem Großprojekt für die Präsenz im neuen Touristik-Infozentrum zu tun haben. Hierfür versucht Pascal möglichst alle ortsnahen Gewerbe zu gewinnen um mit einer Photo-Slideshow oder einem Kurzfilm verbunden zu sein. Diese Infoseite wird jedoch zunächst nur im Infocenter zu sehen sein, weswegen ich hier zunächst leider keine Arbeitsnachweise liefern kann. Dafür waren wir letzte Woche auch einen Tag im Schnee unterwegs Filmmaterial sammeln bei, aber eigentlich eher mit den Veranstaltern von Hundeschlittentouren, dafür müssen wir aber noch das Film- und Photomaterial sichten und bearbeiten, deswegen berichte ich über diesen Tag erst beim nächsten Eintrag, dann aber auch vollständig mit Beweis. Diese Woche nun ist unser aufwändigstes Projekt gestartet, das nun auch noch eine umfangreiche Erweiterung bekommen hat. Zwei Tage die Woche arbeitet Pascal als Systemadministrator und Grafik-/Webdesigner für Mike Wiegele in Blue River, das etwa eine Autostunde südlich liegt und bei unserem letzten Besuch Wohnsitz war. Der mittlerweile 70jährige hat vor gut 30 Jahren nach dem schneesichersten Ort auf der Welt gesucht und ihn in Blue River gefunden. Seit dem hat er ein luxuriöses Ambiente für betuchte Gäste geschaffen, die keine Lust auf Piste und Lift, sehr wohl aber auf Tiefschnee und die Beförderung via Helikopter haben und nicht selten prominent von der ganzen Welt zu Besuch kommen. Wir möchten nun für das ganze Dorf und die einzelnen Gebäude/Räumlichkeiten eine virtuelle Tour vergleichbar mit unserem Erstversuch der Willow Burl Cabins machen. Da haben wir ja nur einen Hotspot auf der Treppe, über den man auf die andere Etage gelangt. Dies soll bei www.mikewiegele.com natürlich alles größer werden, genau so wie die gesamte Homepage. Unter anderem sollen eben Lobby, Gym, Essensräume, alles soll zu einer virtuellen Tour mit 360 Grad Blicken verbunden werden. Von der Gymnastikhalle gelangt man über einen Klick auf die Tür in die Lobby, von da wiederum auf den Vorplatz, bei einem Klick auf die Chalets in eine Innenansicht und bei einem Klick auf einen Hubschrauber auf einen Berggipfel mit perfektem Panoramablick. So viel zur Theorie, Pascal programmiert eifrig und ich bemühe mich um verwertbares Photomaterial. Es erfordert eine große Sicherheit mit vielen technischen und physikalischen Details der Photografie, die mir bisher unbekannt waren. Die kurzen Momente in denen die Photos geschossen werden können, erfordern volle Konzentration, denn alles muss ja bei vollem Gäste-/Publikumsverkehr geschehen und zwar so, dass sich kein Gast gestört fühlt und aus urheberrechtlicher Sicht auch möglichst kein Gast drauf ist – denn erfolgreiche Klagen sind hier ähnlich teuer wie in den USA. Entweder scheint nur kurz die Sonne, der Schnee liegt unangetastet frisch, das Büfett ist angerichtet oder das Personal wartet kurz im Nebenraum – will sagen, man hat oft nur eine kurze Möglichkeit unter optimalen Bedingungen eine Photoserie zu schießen, die sich dann noch perfekt zusammenfügen lassen muss. Ist spannend, kreativ, technisch, anspruchsvoll, abwechslungsreich und macht in Summe unglaublichen Spaß. Cheffe will mich bisher eigentlich behalten und hat mich gestern gefragt, warum ich eigentlich BWL studiert habe. Falsche Frage. Das zweite und neue Projekt ist eine neue 60seitige Werbebroschüre für das Unternehmen mit vielen lockenden Fotos und in Abstimmung mit den gewünschten Wirkungen auf Angestellte und Kunden – auch das wird eine spannende Herausforderung und langweilig wird uns in den nächsten Wochen sicherlich nicht werden.
Gut also, dass wir neben den manchmal recht angenehmen Arbeitsinhalten auch mal Wochenende haben, oder die Gunst des Selbständigendaseins zu nutzen und Arbeit auch mal in den Abend oder ins Wochenende verschieben zu können, wenn das Wetter es erfordert;-) Wir waren zwar erst zweimal Skifahren, aber ich genieße momentan den Umstand, mich nur auf Pisten zu bewegen, wenn die Wettervorhersage dies auch als unausweichlich einfordert. Aber auch hier ist es so langsam vorbei mit Champaign-Powder, denn die Temperaturen steigen und der Frühling drängt sich auf. Vor drei Wochen waren mit Gianna ihrem Freund Sebastian eine Freundin aus ehemaligen Judozeiten Pascals für 5 Tage zu Besuch. Sie waren ne Woche zum Skifoan in Lake Louise und Banff und konnten nun die Gelegenheit nutzen, auf einen Besuch vorbeizukommen. An einem Tag haben wir einen Ausflug in den Maligne-Canyon gemacht. Dies ist eine lange, schmale und sehr tiefe Schlucht, in die man am Ende im Winter wenn es lange Zeit kalt genug gewesen ist, vom Ende aus über das Eis hineinlaufen kann. Bei meinem Erstbesuch vor drei Jahren blieb uns dieses Glück leider verwehrt. Dieses Mal jedoch konnten wir die vielen gefrorenen kleinen Bäche die im Sommer von der linken und rechen Seite in die Schlucht fließen aus nächster Nähe beeindruckend bewundern. Das sind richtige Kunstwerke aus Eis, die wenn die Sonne scheint, noch viel prächtiger in Weiß- und Hellblautönen schimmern sollen. War so aber auch schon sehr beeindruckend und vor allem glatt. Eine ebene Ebene aus Eis ist glatt, aber man kann drauf laufen – da jedoch gibt es an mehreren Stellen schiefe Ebenen aus Eis und das ist dann wie eine Folie mit Seife am Hang, für alle anderen lustig, bis auch sie dran sind. Leider war es ein Wochenendtag und so war dort ne Menge los. Nicht zuviel, aber so viel, dass wir leider keine 360-Grad-Aufnahme machen konnten, denn sobald bewegte Objekte auf den einzelnen Fotos sind, lassen sie sich kaum mehr zusammenfügen. Dafür haben wir aber einige Eiskletterer gesehen und uns sehr zwingend auferlegt, uns dafür in den nächsten Tagen mal die restlich notwendige Ausrüstung zu leihen und dies auch mal zu versuchen. Denn damit kommt man an Orte, an die man normalerweise nicht kommt – und schon gar nicht, um dann von da aus Fotos zu machen.
Eine weitere Sache die zwischendurch mal ähnlich dem Boule in Frankreich, oder dem neumodischen Golf zur Entspannung von Männern gespielt wird ist für uns das Bogenschießen. Irgendwie brauchen wir urtriebgesteuerten Wesen das ja noch ein wenig und können solche Dinge mit einer Prise Wettbewerb, Jagen und in der Natur unendlich lange machen, ohne dass es langweilig wird und ohne das man merkt, wie die Zeit vergeht…Als Areal dient uns da der elterliche Wald von Kaz und als Ziele nehmen wir die im Wald aufgestellten Rundstrohballen und befestigen uns ein Blatt Papier mit gemaltem BullsEye. Es ist wirklich enorm, was diese Dinger – und wir haben beide nur Sportbögen mit einer verhältnismäßig geringen Zugkraft schon für eine Durchschlagskraft haben. respekteinflößend ist das, es sind Waffen und es ist nur zu erahnen wie diese früher gefertigt und eingesetzt wurden. Auch hier muss ich wieder einmal Respekt zollen, dieses Mal an unsere Vorfahren, die damit gejagt haben und mit nicht so technischen und präzise gearbeiteten Bögen auch kleine, weit entfernte und vor allem oft auch bewegte Ziele getroffen haben. Aber Achtung, Bogen schießen macht Riesenspaß, die Zeit vergeht wie im Flug und Suchtgefahr!!
Abschließend habe ich nun auch endlich ein paar meiner bisherigen Fotos auf die Kodak-homepage gepackt. Man kann sie sich dort über den link als Diashow, einzeln ansehen und Kommentare schreiben. Ein herunterladen ist leider nicht möglich, ich hoffe bei Euch funzt der Link.

http://www.kodakgallery.de/Slideshow.jsp?mode=fromshare&Uc=bbnu6q65.1m3s0ol9&Uy=7eep25&Ux=0&localeid=de_DE

Wenn nicht, bitte einen kleinen Alarm an mich, mal sehen was ich tun kann und auch über Kontaktaufnahmen außerhalb von Alarmsituationen freue ich mich sehr!
Bis zum nächsten Eintrag nun verehrtes Tagebuch und ein dickes Dankeschön an meine liebe Gastfamilie hier in Valemount, die mir das Gefühl und den Stellenwert eines Familienmitglieds geben und mir die nun schon 5 Wochen in diesem Land sehr einfach und im positiven Sinne unvergesslich machen.

8.3.07 08:47


Da bin ich am dritten kanadischen Abend doch tatsächlich rückfällig geworden. Wir sind mit dem Auto zu Kaz Eltern gefahren, die auf einem kleinen Bauernhof am Hang des Mount McKirdy leben und dort wartete Tanaka, ein Freund des ebenfalls aus Japan stammenden Vaters von Kaz der diesen Monat zu Besuch ist, strahlend am Tisch sitzend auf mich –und zwar weil er mit mir ein Bier trinken wollte. Somit sind Tanaka und ich die einzigen mir momentan hier bekannten Personen, die überhaupt hin und wieder mal dieses Laster pflegen. Wir wollten eigentlich schon früher dort angekommen sein, aber die kanadische Entspanntheit lässt einen schon mal zu spät kommen – was hier aber nicht so empfunden wird. Mein großer Respekt gebührt nun aber Tanakas asiatische Höflichkeit, die ihn anderthalb Stunden tapfer warten ließ seine eine kleine Flasche Bier zu trinken, ohne zu wissen, ob ich überhaupt mit ihm anstoßen würde. Kurzum, ich habe mich dann sehr gerne erbarmt und ihn damit sehr glücklich gemacht. Ein Bier trinken und andere Menschen damit glücklich machen, das hört sich eigentlich recht gut an.
Familie Herowe bewohnt diesen Bauernhof nahezu autark. Wasser entnehmen sie dem nahe gelegenen Bach in herrlichster Qualität und elektrische Energie speisen sie aus einem kleinen privaten Wasserkraftwerk von weiteren Verwandten am Fuße des Bergs. Sie halten ein paar Hühner und Kühe, die restlichen naturbelassenen Lebensmittel kommen aus dem Garten. Das wenige Geld was darüber hinaus für Werkzeug, Anziehsachen, Sprit, etc. benötigt wird, verdient der Vater mit Shiatsu-Massagen an Begeisterten und Bedürftigen im Dorf. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie sie das mit wenig Geld zur Unterstützung des gesellschaftlichen Konsumdrucks mit vier wahrlich glücklichen Kindern hinbekommen haben. Dabei haben diese meiner Einschätzung nach ausnahmslos nichts wirklich Wichtiges in ihrem Leben verpasst. Vielleicht haben sie sogar die wirklich wichtigen Dinge des Lebens viel intensiver erlebt und leben sie heute auch noch genauso weiter. Familie, Freunde und die Natur machen Spaß und sind das am wichtigsten zu schützende und pflegende Gut.
Viel von dem, was wir in unserer Kindheit und Jugend anscheinend gebraucht und für soooo wichtig gehalten haben war hier und auch bei anderen Familien des Dorfes, die ich inzwischen kennen gelernt habe, nie da. Trotzdem zieht es die Kinder alle aus dem kleinen Dorf nach der Schule weg, die Welt zu erkunden – aber sie bleiben sich immer treu, nur eben teilweise später woanders.
Kaz war gestern Abend arbeiten, in einem Restaurant namens „Caribou Grill“ mit leckerer Küche und einer fürsorglichen Familie, die jeden Tag ab 17h Einheimische, Holzarbeiter, Skee-Doo-Touristen und Durchreisende gastfreundlich in ihr gemütliches Holzblockhaus einlädt. Dort gibt es als besondere Spezialität Steaks in hervorragender Qualität von allen Tieren die hier in den Wäldern so ihr Unwesen treiben. Nur die wenigsten Kanadier haben hier überhaupt eine Ausbildung, geschweige denn ein abgeschlossenes Studium, doch haben sie mit Einsatz und learning-by-doing unbegrenzte Möglichkeiten trotzdem angenehme, interessante Jobs zu machen und die obendrein noch mit deutlich höheren Verdiensten versüßt sind. Kaz beispielsweise bedient in dem Restaurant und bekommt etwa 5€ die Stunde von den Inhabern als festen Lohn. Den viel größeren Teil aber machen die „Tips“ (Trinkgelder) hier aus, sie findet es also nicht mehr eine besondere Erwähnung wert, wenn sie an einem normalen Abend in ihren 6 Stunden Arbeitszeit bis 24h etwa 140€ zusätzlich an Tips bekommen hat – ist natürlich unversteuert und so bleiben durchschnittlich für diese Arbeit etwa 25€/h übrig. Punkt. Damit geht es auch ganz gut eine Familie zu haben, man kommt hier wirklich recht leicht über die Runden und es gibt hier noch so viele Möglichkeiten sich selbständig zu machen und Dinge nach vorne zu bringen. Sogar für mich nach dieser kurzen Zeit sehr offensichtliche Marktlücken die nur so darauf warten genutzt zu werden und Menschen nicht nur in Lohn und Brot zu bringen. Allerdings muss man auch sagen, dass die Lebensmittel hier deutlich teurer sind als in Europa, hier „auf dem Land“ kostet alles verglichen mit Deutschland durchschnittlich etwa das Doppelte. Wobei mir wieder einmal aufgefallen ist, dass im von einer schlechten Regierung nach der anderen heruntergewirtschafteten Land des Sommer- und Wintermärchens, die Preise und Qualität der Lebensmittel, verglichen mit anderen erste Welt-Staaten unschlagbar sind. Wenn sie es jetzt noch hinbekommen, den Alkohol nicht nur in den, mit einer vom Staat ausgestatteten Lizenz privilegierten „Liquor Stores“ zu verkaufen, muss auch nicht mehr jeder 3. Kanadier in seinem Keller eine kleine Hanf-Farm unterhalten. Aber die hiesigen Energieversorger arbeiten hier sehr eng mit der Drogenfahndung zusammen und geben dann über extrem hohe Energieverbräuche von möglichen „Bauern“ und „Taschengeldaufbesserern“ bereitwillig Auskunft. Am Donnerstag hat Kaz von ihrer Chefin noch einige Kilo feines Moose-Fleisch (Elch) mitbekommen. Inzwischen haben wir schon zweimal davon gegessen und ich muss sagen – sehr lecker. Ein sehr zartes Fleisch mit etwas schwächerem Wildgeschmack, sehr zart und macht Spaß zu essen weil man weiß, wie und wo dieses Tier lange Zeit glücklich gelebt hat. Was ist sonst noch so passiert in den ersten Tagen, ich bleibe auch hier in Valemount nicht von den herrlichen Köstlichkeiten wie Blueberry-Muffins und Blueberry-Pancakes verschont, denn Kaz kann sie einfach auch gerne täglich einfach viel zu lecker zubereiten.
Als Familienmitglied genieße ich die vielen schönen Momente mit einem 21 Monate alten Kind im Haus und bin irgendwo zwischen erstaunt und eifersüchtig, wie schnell Kai Deutsch und Englisch lernt und ich mir bei meinen Englischversuchen manchmal doch recht unbeholfen vorkomme. In einem noch fast leeren Gehirn ist wahrscheinlich einfach noch viel mehr Platz;-) Ist aber auch mal sehr interessant so hautnah mitzubekommen, wie sehr ein Kind den Alltag bestimmt und manchmal nur noch sehr wenig Platz für eigene Interessen lässt. Für die letzte Woche gilt das übrigens auch einschließlich der Nächte, weil Kai da unter einer ordentlichen Erkältung zu leiden hatte, eigentlich ungefähr genau 24 Stunden täglich, sehr spaßig wenn die Mama selbst krank ist und selbst einfach nur fertig ist und schlafen will. An dieser Stelle möchte ich, vielleicht ist es etwas ungewöhnlich aber mir sehr bewusst geworden und mir sehr wichtig, meinen Eltern, vor allem aber meiner Mama für ihre Geduld und Ruhe bei meiner Erziehung danken. Für das Zurückstecken eigener Wünsche, Hobbys ,Aktivitäten und die Aufgabe ihrer beruflichen Tätigkeit. Wenn man mal nur so ein paar Stunden ein Kind gewissenhaft betreut, erzieht und parallel noch Aufräumen, Einkaufen, Kochen und dabei noch gut aussehen soll, dann kommt man sehr schnell an seine organisatorischen Grenzen. Familienmanager/in trifft die Sache sehr gut denke ich und denjenigen sollte mehr Anerkennung und Respekt entgegengebracht werden, meinen haben sie jetzt jedenfalls. Schade dass man so was manchmal erst selbst erleben muss.
Getz aba mal zur Maloche, dem Grund warum ich neben der englischen Sprache eigentlich hier eingeflogen bin. Weil der Pascal eben so ein erfolgreicher Webdesigner ist und aufgrund des Kapitals dieser Gegend hier - der Natur – sehr viel mit Landschafts-, Tier-, Sportaktions-, und Immobilienaufnahmen zu tun hat, die er selbst kaum bewältigen kann, fühlte ich mich ja bekanntlich verpflichtet, ihm ein wenig unter die Arme zu greifen. Eine seiner aktuell noch in der Probephase steckenden Phototechnik liegt in der 360 Grad Photografie, die insbesondere mein Aufgabengebiet darstellt. Hier werden von einem bestimmten Punkt mit guter Rundumsicht knapp 20 Fotos geschossen und anschließend mit einem Programm namens „Stitcher“ bearbeitet und zusammengefügt. Als Ergebnis erhält man einen perfekten Rundumblick in alle Richtungen, was auf Berggipfeln, in repräsentativen Räumlichkeiten, etc. eben einen sehr guten Eindruck geben kann. Ein Kunde eines Hotels kann dann schon auf der jeweiligen Homepage einen sehr vollständigen Eindruck über  beispielsweise die Präsidentensuite, die Sonnenterrasse oder den Fitnessbereich gewinnen. Und genau dies ist momentan vornehmlich meine sehr anspruchsvolle Arbeit, denn diese virtuellen Graphiken sind in ihrer Erstellung sehr aufwendig, damit auch teuer und schließlich Aushängeschild eines Unternehmens. Damit sind auch viele Korrekturarbeiten an den Photos verbunden, die mit Photoshop gemacht werden. Bin gerade noch bei der Einarbeitung und spiele mit den unendlichen Möglichkeiten (erster Versuch ist ja auch als Header auf dieser Seite gelandet, wird aber noch verbessert&hellip dieses tollen Programms herum um dann mehr und mehr Arbeiten selbständig übernehmen zu können. Überhaupt macht die Arbeit mit hervorragendem Material wie es Pascal gerade dafür angeschafft hat einfach ne Menge Spaß. Eine sehr edle digitale Spiegelreflex ( bei der ich täglich überlege, nicht mal nen kleinen Versicherungsbetrug über meine frisch abgeschlossene Haftpflichtversicherung zu starten&hellip, das spezielle Stativ und natürlich der Mac. Für Laien auch Apple PC, mit dem alles einfacher und schneller geht, mein nächster wird einer, kann ich ja hoffentlich bald auch von der Steuer absetzen;-) Mein erster Auftrag ist letzten Freitag glücklicherweise sehr reibungslos gelaufen, die Photos waren sehr gut und ließen sich sehr gut verarbeiten. Die neue Homepage mit den Ergebnissen geht diese Woche online, der Link wird nachgereicht. Quasi als Beweis liebes Tagebuch, dass ich hier durchaus sehr tätig bin! Habe da eine kleine Cabin (Ferienhaus) abgelichtet, von einem unglaublichen Typen. Er ist selbst Holzfäller gewesen und hat nun sechs von diesen Häuschen in kompletter Eigenarbeit mit viel Spaß und Detailverliebtheit aus Holz erstellt. Dann waren es insgesamt 3 Jahre Bauzeit - auch hier großen Respekt, besonders wenn man bedenkt, dass ihm seit einem Unfall vor einigen Jahren die linke Hand fehlt!
Ansonsten, lebensgefährliches Rodeln haben Pascal und ich betrieben, das geht hier recht gut. Wahlweise benutzen wir dafür unsere blauen etwa 50cm durchmessenden Rodelteller namens „Twister“, wobei hier der Name Programm ist und ein rückwärtiges, kontrolliertes Ausweichen bei doppelter Lichtgeschwindigkeit manchmal unnötig erschwert, oder dem „GT“, einem Lenkschlitten mit Sitz und zwei Kufen. Auch darauf, zu zweit und mit einem Seil hinter dem Auto mit deutlich über 35km/h auf der verschneiten Straße gezogen, erlebt man so einige atemberaubende Momente, besonders im Dunkeln (Gruß an Mama, bleib cool). Solche Aktionen sind immer mal zum spontanen Austoben sehr willkommen und dank fußläufig fünfminütiger Entfernung der Berge eine willkommene Abwechslung vom Bildschirm. Jetzt geht’s aber mal ab ins Bett, morgen versuchen wir mal ein Auto für mich fit zu bekommen und dieses Mal hoffe ich liebes Tagebuch, wird es bis zum nächsten Eintrag nicht so lange dauern, denn ich muss Dir noch dringend von den Erlebnissen mit unseren Gästen aus Bochum in den letzten 4 Tagen berichten und dann hoffentlich auch endlich mit Photobeweis!!

21.2.07 09:00


Während ich nun gerade gemütlich durch die Rockies geschaukelt werde und sehr angenehm überrascht davon war, wie gut ich heute morgen um 5.15h aufstehen konnte um den Bus zu bekommen – 9 Stunden Zeitverschiebung müssen ja auch irgendeinen Vorteil haben – habe ich die vielen Bilder und Eindrücke von Vancouver weiter versucht zu verarbeiten. Diese wirklich inmitten atemberaubender Natur gelegene Stadt hat trotz ihres Großstadtdaseins eine beruhigende und entspannende Wirkung. Sonst fühle ich mich in Großstädten allein durch die vielen Menschen, den Verkehr, die Enge, den Lärm und allen anderen Einflüsse in der Koordination meiner Sinneswahrnehmungen schnell überfordert – hier war das anders und ich denke es liegt an dem Ausgleich zwischen Stadt und Natur, der allgegenwärtig ist und in fast jeder Blickperspektive erfüllt ist. Das gilt auch für die hier lebenden Menschen, die nicht großstadttypisch hauptsächlich auf ihr eigenes Überleben programmiert sind: hier ein nettes Lächeln, da hält jemand die Tür auf, jeder so hatte ich das Gefühl nimmt sich trotz oder gerade aufgrund meiner sprachlich schlecht gestellten Fragen gerne Zeit, sie sogar für mich verständlich zu beantworten.
Viele Pärchen sind hier unterwegs – und zwar mit Kindern!! – die scheinen hier also nicht nur wie wir Spaß am vermeintlichen Kinder machen zu haben, sondern die bekommen sie hier sogar tatsächlich und scheinen damit rechtl glücklich zu sein… Und diese Pärchen sind auch mindestens zur Hälfte ein Mix aus den benannten Hautfarben und dementsprechend sehen hier auch viele Kinder und Jugendliche aus – eine richtige Multi-Kulti-Stadt eben. Nur einen Partner-Mix habe ich nie gesehen: Schwarze Frau mit Asia Mann – warum auch immer, vielleicht weißt Du die Antwort liebes Tagebuch, wahrscheinlich haben die sich immer nur vor mir versteckt;-)
Eins muss man den Amerikanern ja lassen, diese übertriebene und aufgesetzte Höflichkeit und Freundlichkeit geht einem zwar irgendwie auf den Keks, gerade wenn man fast minütlich auf sie trifft, aber wenn an zum 50. mal am Tag sagen muss, dass es einem „very fine, thank you“ geht – dann glaubt man irgendwann selbst dran. Auch wenn man mal müde oder einfach etwas schlechtlaunig ist – die Einheimischen lassen das einfach nicht zu in ihrem Land, muffig zurückraunzen geht einfach nicht. Also alles etwa so wie nach einem Wal-Mart Besuch bei uns.
Viele Dinge, die unter die Kategorie amerikanische Dekadenz fallen, sind hier selbstverständlich auch am Start. Alles ist auch mit den typisch übergroßen und Benzinfressern zu erreichen, ohne Aussteigen versteht sich, vor jedem Café und Restaurant kann man auch im Winter draußen essen, denn die fest installierten Elektro-Heizstrahler laufen ja ständig und in en Supermärkten sind Lebensmittel so teuer, dass Fast-Food morgens, mittags, abends und noch mal zwischendurch, als Königsweg zum Geld sparen einlädt - kind a strange irgendwie. Aber auch das ist in der Folge für die meisten Vancouverianer offensichtlich kein großes Problem, denn sie lieben wohl Sport und Laufen, Walken, Inlinen oder haben einen Eishockey-, Tennis-, oder Badmintonschläger in ihrer Sporttasche. Figuren sind also etwa so attraktiv wie die von Westeuropäern und für die Gesichter ergeben sch durch die erfolgreichen intercolour-Kopulationen sehr reizvolle Neukreationen.
Es ist aber auch eine Stadt die immer weiter expandiert und zumindest in Downtown fast keine Wohnung mehr unter rund 300.000€ zu bekommen ist – hier lebt auch wirklich nur die Kö-Population Kanadas. Viele Baustellen und sich im Bau befindende weitere Glaspaläste die in den Himmel regen sind Zeuge einer ungebrochenen Nachfrage, hier seinen Lebensmittelpunkt haben zu wollen und weiteres Zeichen der nationalen und internationalen Popularität dieser Stadt. Mir sind aber auch eine unglaublich hohe Anzahl an Obdachlosen aufgefallen, die bei Temperaturen um den Gefrierpunkt - und nachts deutlich darunter – fast überall einen Platz zum Schlafen und Betteln suchen und finden. Abends im Hostal habe ich mit einem Streetworker aus Vancouver darüber diskutiert und er erklärte mir, dass dies fast alle Obdachlosen aus ganz Kanada seien und sie nur im Winter hier sind, weil dann hier das Klima verglichen mit dem restlichen Land am mildesten ist. Für diesen Fall sind es dann auch verhältnismäßig wenige „Obdachlosenzugvögel“.

Aber irgendwie sehnte ich mich nun nach dem beschaulichen Leben in einem kleinen Dorf ohne all diesen Trubel und bin eben aus Wetter- und diesen Gründen abgereist.
Es fahren ganz unterschiedliche Menschen im Greyhound mit. Erwachsene Einheimische, die bei diesem Schneetreiben ihr Auto aus Sicherheitsgründen nicht mehr selbst bedienen wollen und sich dafür aber vermutlich ehemaligen Rallyfahrern ohne materielle Erbmasse und Familie, verkleidet als Busfahrer ausliefern. Oder Weltreisende von allen Kontinenten, bis hin zu einheimischen Jugendlichen die ausnahmsweise dann von den Rallybusfahrern vor der Haustür abgesetzt werden. Einen davon mit Schultasche und Snowboard fand ich besonders beeindruckend, weil er eine dicke Daunenjacke anhatte, dazu aber eine kurze Hose. Und zwar über dem Knie kurz.
Die Schneelandschaft rauscht also vorbei, der lebensmüde Busfahrer macht Überholmanöver auf dem völlig verschneiten, vereisten und dadurch nur noch 1,5-spurigen Highway. Auf der bergigen und kurvigen Strecke werden aber seltenst Autos überholt, meist handelt es sich um diese niedlichen, aber zu Recht auch Road-Trains genannten 60t LKWs mit zwei Anhängern – sehr spaßig. Ich dachte nicht nur nach einem Manöver darüber nach, einen dieser Anerkennungsklatscher zu starten, die im Flugzeug nach der Landung ja nur noch ältere Frauen zelebrieren (Anmerkung: Der Pilot ist in einer geschlossenen Kabine) und das obwohl ich eigentlich der Meinung war, diesbezüglich schon auch aufgrund meiner eigenen Fahrweise einigermaßen hart im Nehmen zu sein.
Während der Fahrt und mit zunehmender Fahrtdauer stellte sich bei mir bezüglich meines Gepäcks traditionell (als ich vor drei Jahren mit Jenny dieselbe Route zweimal befuhr war es exakt genau so) ein leichtes Unwohlsein, und trotz meines großen und häufig zu großen Urvertrauens in andere Menschen, in Form von finanziell schmerzhaften Verlustängsten ein. Denn an jeder Station wird so viel Gepäck (auch Post, Lieferungen, etc.) ein- und ausgeladen und eigentlich kann sich jeder fast nehmen was er möchte. Nach der Hälfte der Strecke in Kamloops habe ich dann mal einen Blick in die Gepäckstauräume unten im Bus gewagt, der mich beruhigen sollte. Meinen Rucksack und meine große Tasche konnte ich hinter anderem Gepäck erahnen und in Erinnerung an alte zu Unrecht gemachte Sorgen, musste mein Snowboardbag dann sicher auch noch dort irgendwo drunter sein. Ein so richtig entspanntes Weiterreisen erlaubte mir dieser Einblick jedoch nicht und selbst die sonst so von mir geliebten Bluberry-Bagels (für alle Nicht-Nordamerikaner, das sind runde Teigwaren ähnlich wie Donuts, aber etwas größer, meist herzhaft, manchmal sogar mit Körnern und der beste Brot/Brötchenersatz für uns diesbezüglich sehr verwöhnte Deutsche) konnten nur wenig Abhilfe schaffen. Dazu trägt auch die Angabe der Gesellschaft bei, für einen Gepäckverlust nur mit maximal 100 Kanadischen Dollar zu haften, was etwa 65€ entspricht und im Normalfall gerade mal für die Tasche selbst reichen dürfte. An der letzten Station Blue River vor meinem Ziel Valemount, habe ich wiederum in das nun schon deutlich geleerte Gepäckfach Einblick gehalten und dann mein Snowboardback als einziges der drei Gepäckstücke wiederum nicht entdecken können. Hab dann mal den Rally-Busfahrer gefragt, ob er mal alle Fächer öffnen konnte, tat er auch etwas mürrisch, doch auch da war es leider nicht zu sehen. Da war es dann mit meiner Vorfreude und sehr guten Laune vorbei. Ich war einfach nur sauer, enttäuscht und traurig – aber besser aufpassen kann man auf die Sachen einfach nicht und so habe ich zumindest von Selbstvorwürfen abgesehen. Meine kanadischen Freunde nannten diese Tasche später mein Kanada-Fun-Bag, weil dort nicht nur meine komplette Snowboardausrüstung mit Schuhen, Bindung und Board, sondern auch noch meine Kletterausrüstung, Turnschuhe, neue Gamaschen, die gute Isomatte und der sehr hochwertige Daunenschlafsack aus Albatros-Zeiten war. Verdammt, Gesamtwert etwa das 15-fache des Erstattungsbetrags – ein kleiner Traum.
Der Busfahrer hatte als einzigen Kommentar in mein Canadian-Powder-weißes Gesicht übrig: „Ich kann da nichts machen, rufen Sie später in Valemount in der Zentrale an.“ Vielen Dank – wieso ist nun hier erstmalig und ausgerechnet genau in dieser Situation eine Dienstleistungswüste so groß wie die Sahara?
Die restlichen anderthalb Stunden der Fahrt nach Valemount hab ich mich dann hauptsächlich damit beschäftigt, meine Wut unter Kontrolle zu halten und nicht wieder beinahe gegen meine Verweigerungsgründe zu verstoßen und vor allem meine gute Laune und eigentliche 8Vor-)Freude des Morgens wieder zu erlangen. Aber was sollte ich gleich meinen Freunden einen vorjammern, wenn die vor drei Monaten nach dem Niederbrand ihres Hauses mit sehr, sehr wenig Gepäck nach Deutschland gereist kamen und die haben nicht nur ein paar wieder beschaffbare Sportsachen verloren. Ich habs um es vorwegzunehmen einigermaßen hinbekommen, netterweise haben sie mich an der Greyhound-Station mit dem Auto abgeholt und sich genau wie ich dann riesig gefreut – besonders weil sie bis zuletzt nicht an mein Kommen geglaubt haben, hatte es zuvor schon zu oft angedroht. Kaz hat dann auch direkt den Kontakt, eine ehrlichere Beschreibung wäre die Konfrontation mit dem Busfahrer aufgenommen und diese am Abend und dem nächsten Morgen telefonisch mit für mich anscheinend dem halben Unternehmen weitergeführt. Die Resonanz war allerdings sehr ernüchternd, frühestens in 5 Tagen wäre mit einer Antwort zu rechnen – Willkommen in den Rockies, dann eben hauptsächlich arbeiten und eben no Fun ohne Fun-Bag.

Weil das alte Zuhause meiner Gastfamilie wie beschrieben in Flammen aufgegangen ist, haben sie den Januar über bei Kaz Eltern in einem Haus direkt am Berg gewohnt und konnten erst jetzt Anfang Februar in das neu und noch nicht ganz fertig ausgebaute Holzhaus eines Freundes zur Miete einziehen. Es ist aus massiven Holzstämmen gebaut und sehr gemütlich, leider hat es keinen Kamin oder Holzofen, das morgige Holzhacken musste also auch hier der kanadischen Bequemlichkeit weichen. Ich bewohne einen ausgebauten Raum im Keller. Der ist zwar noch komplett leer, wird nun aber nach und nach mit Mobiliar bestückt, dafür habe ich unten ein nur von mir genutztes und wohlbemerkt nagelneues Bad.
Der erste Tag verging sehr entspannt mit Tasche auspacken, Kochen und Essen, Einkaufen gehen – als Pascal und ich wiederkamen blinkte der AB und Pascal hörte ihn ab, ich war grad in der Küche. Lass mal zur Greyhound-Station fahren, die haben vielleicht dein Bag gefunden, hier ist so einen Nachricht drauf sagte er dann plötzlich breit grinsend. Den Tag über hatte ich den Verlust schon versucht so gut es geht zu verdrängen und mich mit der Situation abzufinden versucht. Wenn es wieder auftaucht, sieh es als ein Geschenk, denn zu erwarten ist es nicht, erst recht nicht nach den Eindrücken die Kaz Telefonate von diesem Chaosunternehmen ergeben hatten. Also ab zur Station und ich hab mich schon sooo gefreut und war gespannt, wie ein Kind am heiligen Abend. Pascal meinte er würde es erst glauben wenn er es vor sich sehen würde – hat eben schon mehr Erfahrungen mit Kanadiern und Greyhound. Doch es war tatsächlich da, vollkommen unversehrt und ich wollte irgendwie die ganze Welt umarmen. Da aber grad nur Pascal da war hat er die volle Ladung Freude abbekommen;-) Es war für mich wirklich wie Geburtstag und FCB-Meisterschaft in einem und bei nun notwendigem Feiern fiel mir seltsamerweise nur ein herrlicher Überkonsum Alkohol ein – leider, zumindest in diesem Moment der endorphinüberdosisgeschwängerten Glückseeligkeit, trinken weder Kaz noch Pascal Alkohol und so sind wir ein richtig dickes Eis essen gegangen,herrlich, berauscht vor Freude und Erleichterung war ich trotzdem den ganzen Abend über. Und die größte Belohnung war eh schon das Snowboardbag zu öffnen und sich über jeden einzelnen so sorgfältig zusammengekauften Gegenstand zu freuen, als hätte man ihn gerade neu geschenkt bekommen. Also alles wieder da, der Spaß kann nun endgültig beginnen. Auch hier haben mich die Kanadier als pessimistischen und überkritischen Europäer also wieder durchschaut und haben es geschafft, dass ich mich glücklicher und dankbarer fühle, als wenn alles einfach langweilig glatt gegangen wäre.
Liebes Tagebuch wunder dich bitte nicht, ich bin es immer noch: André – mache grad nur viel Sport, orientiere mich an den Grundbedürfnissen des Menschen, ernähre mich vernünftig und trinke keinen Alkohol und komme etwas innerlich zur Ruhe…

9.2.07 20:44


Liebes Tagebuch,

zunächst einmal Danke an Christoph der Dich eingerichtet und mich gelehrt hat, wie man so was als Junge ohne Erfahrungen aus der Pubertät macht. Ich muss mir allerdings direkt eingestehen, dass ich mit meinen Einträgen nicht immer ganz pünktlich sein kann, aber das ist in meinem restlichen Leben wie Du sicher weißt, auch nicht viel anders;-)

Wieso bin ich jetzt eigentlich hier in Vancouver und fahre morgen früh 9,5 Stunden mit dem Greyhound-Bus weiter in dieses kleine Dorf Valemount mitten in den Rockies, nahe dem Mount Robson, dem höchsten Berg Kanadas?
-Weil ich da diese lieben Freunde habe, Kaz und Pascal, sowie inzwischen auch ihren drolligen bald 2 jährigen und bilingualen Sohn Kai, die in Valemount leben. Kaz kommt aus dem Dorf, in dem auch noch ihre Familie lebt und die beiden zwei haben sich auf einem ersten 6-Wochen-Trip von Pascal und seinem Freund Marcel durch Kanada kennen und nach weiteren Treffen dieser Art auch lieben gelernt. Sie war auch mal ein Jahr in Deuschland und hat dort besser sprechen gelernt, als ich es von einigen Menschen in Deutschland kenne, die schon ihr halbes Leben bei uns verbringen. Diese Kleinfamilie war dann über Weihnachten mal wieder für 5 Wochen zu Besuch bei Familie und Freunden und machte auch bei Jenny und mir Station. Und wenn jemand wie Pascal, der gerade so ziemlich nach Kanada ausgewandert ist dann von mir hört, dass ich noch keine Perspektive im Anschluss an mein RunnersPoint Praktikum habe und dringend Englisch lernen muss, damit mich überhaupt jemand haben will, dann lässt der mal eben so einen Spruch raus: Dann mach doch bei mir Praktikum (er ist als Webdesigner selbständig, bringt damit die lokalen Institutionen ganz groß raus und braucht Unterstützung bei der Erstellung von Landschaftsaufnahmen) oder komm einfach vorbei, wir freuen uns! – Ich habe dann noch gefragt ab wann und wie lange denn… Wieder einfache Antwort: Flieg doch mit uns zurück und so ein halbes Jahr könntest Du schon bleiben...Nachdem mich dann viele Freunde davon überzeugt haben, dass ich das unbedingt machen sollte und mir meine Hartzer-Freunde von der ARGE Ratingen ja auch nicht direkt Knüppel zwischen die Beine geworfen haben, blieb mir ja schlicht keine andere Wahl.

So sitze ich jetzt in einem Starbucks in Vancouver Downtown, genieße meinen Vanilla Latte Grande und kriege nun auch langsam auf die Kette was ich hier gerade mache und dass ich jetzt mal weg bin für 3 Monate und versuche mein in der 12.2 schriftlich und danach ganz abgewähltes Lieblingsfach Englisch zu Pimpen.

Wie ihr schon gemerkt habt, ich schreibe oft lange Sätze, bei denen man schon mal den Anfang vergisst, aber das ist eben so, weder Frau Kühn, noch Herr Steup, Brasche oder final mein Prof konnten mir diese Leidenschaft nehmen – da müsst ihr also durch;-)

Jetzt aber mal chronologisch: Starten wollte ich eigentlich am Dienstag den 30.1. mit meiner neuen Lieblingsfluggesellschaft British Airways. Früher fand ich Mitbestimmung, Gewerkschaften und so (immerhin ja auch Thema meiner DA) ja ein wenig gut, aber wenn dann plötzlich der Flug aufgrund streikender Fluglotsen gestrichen wird, dann überdenkt man so einiges… Kurzerhand habe ich dann mal auf den 1.2. umgebucht, da dann der Streik überstanden sein sollte. Natürlich hat das dann super geklappt und natürlich ist es auch super, wenn man dann in einer restlos ausgebuchten 747 sitzt, weil man mit dieser Umbuchung natürlich nicht alleine war. Wäre aber alles nicht so schlimm gewesen, hätte mich die reizende Flugbegleiterin auf dem Zubringerflug nach London nicht so bereitwillig darüber informiert, dass BA und die Gewerkschaft sich doch noch kurzfristig geeinigt hätten, der Streik ausgefallen ist und die Maschinen so leer waren, dass jeder Passagier mindestens 3 Sitzplätze zum Liegen hatte…- ein kleiner Traum, der mich bei dem bisher von niemandem erreichten Ziel beflügelte, die Biervorräte an Bord erschöpfend zu bearbeiten.

Dafür hat der Transfer zu dem ergoogelten Cambie-Hostal „im Herzen von Downtown Vancouver“ reibungslos geklappt, ebenso wie meine Doppelzimmerwahl mit Etagenbett. Steve mein Zimmerkollege aus Ottawa, etwa 40 und eigentlich ganz nett, hat mich echt Nerven gekostet und ich habe in dieser Nacht nicht nur einmal daran gedacht, ob die Inhalte meiner Erklärung zur Verweigerung des Kriegsdienstes, meinen aktuellen Gedanken und Absichten entsprechen. Als ich nach einem kleinen Spaziergang dann gegen 21h Ortszeit ins Bett gehen wollte und ein wenig gerädert war, schlief er schon wie ein baby zusammengerollt in Embryonalstellung und Anziehsachen auf der unteren Etage des Doppelbetts. Einzig die Socken hatte er sich ausgezogen, die waren wohl vom Fußschweiß etwas feucht geworden und so hatte er sie über die Heizung gehängt und diese voll aufgedreht. – So einen Geruch habe ich noch nicht erlebt,unbeschreiblich und das bei gut 30 Grad in dem kleinen Raum in dem ich nun unter der Zimmerdecke schlafen musste (zum Vergleich: der Pumakäfiggeruch bei Carsten, als wir mit 6 Jungs nach einem Tag Oktoberfest eine Nacht verbracht haben, war eine Wohltat dagegen). Herzlichen Glückwunsch und willkommen in Kanada dachte ich mir, aber es gibt Schlimmeres, also Fenster auf, Heizung aus und ab dafür, schläfst eh direkt ein. Denkste!! Kaum nach oben geklettert dreht sich der Kerl durch meine Erschütterung geweckt auf den Rücken und beweist mir, dass er nicht nur stinken kann sondern auch nordamerikanischer Schnarchweltmeister ist. Große Klasse ist das, wenn man sich noch der Abflugsortuhrzeit von 6 Uhr morgens verbunden fühlt, vom tag einerseits total durch den Wolf gedreht, andererseits der Körper aber schon ein wenig denkt, dass er eigentlich schon wieder aufstehen könnte und gar nicht mehr so richtig müde ist…- zu diesem Zeitpunkt fand ich es war definitiv ein großer Traum und eigentlich hätte ich zum Bund gemusst. Als der Typ dann gegen 6h morgens Ortszeit Vancouver dann aufstand, schnarchlaut seine Sachen zusammenpackte und verschwand, war ich, obwohl gerade endlich mal so richtig in einer Tiefschlafphase, einfach nur glücklich.

Nach einem herrlichen Continental Frühstück mit Rührei, Sausages, Bratkartoffeln mit Käse überbacken und ner Menge Ketchup fühlte ich mich aber dann am nächsten morgen wie neu geboren. Katerfrühstück hilft also auch in diesem besonderen Fall, besonders wenn draußen schon die Sonne bei knapp unter 0 Grad scheint und Vancouver mir damit eine kleine Entschädigung für meinen ersten Eindruck entgegenbringen möchte. So war ich dann den ganzen tag über zu Fuß unterwegs. Es ist neben Amsterdam die einzige Großstadt, die mir lebenswert erscheint. Ein ganz interessanter Mix zwischen hochmodernen Glasfassaden-Towern, gemütlichen Cafés und Pubs, Wohlstand, Multi-Kulti durch Schwarze,Weiße und vielen Asiaten, die hier sehr friedlich gemeinsam und nicht nebeneinander leben. Shopping geht hier auch recht gut liebe Frauen, aber der riesige Vorteil Vancouvers ist vor allem seine einmalige Lage. 15 Minuten vom Zentrum ist eine Halbinsel mit Sandstrand und Wald in der Mitte, direkt daran der Yachthafen für die spontane Tour auf den Pazifik und ringsherum die Skyline der schneebedeckten Rockies. Whistler-Blackcomb ist nur 2 Autostunden entfernt, wenn man mal spontan Lust auf ein wenig Wintersport bekommt… Eigentlich wollte ich genau dahin auch zunächst fahren, aber das Wetter ist schlicht zu cloudy und foggy, so werde ich das später mal nachholen und nun morgen früh eben mit dem Fernreisebus dieser tollen Stadt den Rücken kehren und nach Valemount fahren, wo wohl gerade muckelige -20 Grad sind und mich dann mal spontan im Dorf erkundigen wo Kaz und Pascal wohnen, eine Adresse habe ich nämlich nicht – so sind sie die Kanadier, uns in einer entspannten Lebensweise meilenweit voraus.

4.2.07 04:32





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung