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Verehrtes, aber vernachlässigtes Tagebuch, ich habe oft an Dich gedacht, aber es war ein wenig zu tun die letzten Tage, aber davon werde ich Dir nun berichten. Jetzt habe ich mir mal die Zeit genommen und es mir im gemütlichen KIWA Café in Valemount gemütlich gemacht. Hier starten sie mittlerweile schon bei der Begrüßung mit der Zubereitung des von mir so geschätzten French Vanilla Latte, der auch jetzt hier neben mir in der Tasse dampft. Genau der richtige Tag für ein Heißgetränk, denn der Weg hierhin führte mich durch Regen und etwa 5 Grad, der hier seit dieser Nacht als wohl ernstzunehmender Frühlingsbote eingekehrt ist. Zuverlässige Quellen berichteten mir, dass die Menschen in Deutschland diesen Winter, der eigentlich gar keiner war, sehr viel Café getrunken haben müssen.
Gestern hat ein wohl entscheidender Schritt meiner Selbständigkeit stattgefunden – ich habe mein eigenes Auto angemeldet! Es handelt sich dabei um Kaz und Pascals vorheriges Auto, mit dem Jenny und ich auch schon bei unserem Erstbesuch in Kanada unterwegs waren und der seit nun fast einem Jahr auf dem Hof der Eltern im Wald stand… Ein Suzuki Swift, gut 60PS mit Automatik, fährt des öfteren nur auf drei Pötten, linker Blinker defekt (versuche ich mal zu reparieren), Reifen geht so, neue Batterie und hat definitiv ein Eigenleben – kurz gesagt ein Traum in weiß. Ich hoffe er hält ein paar Kilometer und ich kann mal spontan in die Areale um Valemount vorstoßen, selbständiger arbeiten und spontaner mal gutes Wetter ausnutzen - wenn es denn wiederkommt. Als ich die ersten Meter damit gefahren bin, hat sich sofort ein Gefühl der Freiheit und Freude der Erinnerungen an die 8-tägige Rundtour mit Jenny bei glücklichem Sonnenwetter eingestellt. Ich glaub wenn ich wieder in Ratingen bin, möchte ich diesen Luxus der Unabhängigkeit auch wieder genießen, ist ja schon nett – nett bequem und nett teuer.
In der vierten Woche away from home hatte ich so einen kleinen emotionalen Hänger und konnte die Gefühle meiner Freunde, die mal eine längere Zeit im Ausland verbracht haben gut nachvollziehen. Es sind wirklich richtige Phasen die man durchlebt. Die ersten Tage sind einfach nur von Adrenalin und Vorfreude über den Schritt geprägt und gehen dann in eine gut dreiwöchige Phase über, in der man alles neu entdeckt und sich das ganze eigentlich wie Urlaub anfühlt. Danach wiederholen sich die ersten Dinge, besonders wenn man irgendwo stationär ist und mit anderen Menschen zusammenlebt, die einen geregelten Alltag haben. Irgendwo muss man sich doch auch erst selbst finden in dieser neuen Situation in der eben nichts mehr ist, wie es vorher war. Keine Familie, keine Freundin und Freunde in der Nähe, neues Aufgabenfeld mit vielen neu zu erlernenden Dingen, keine eigenen 4 Wände, andere Sprache, andere Freizeitaktivitäten, keine Partys, keine Ballsportarten, andere Sprache, kein Schumacher und Rotwein, nur eine geschmacksneutrale Käsesorte, Familienbestandteil,… - das ist denke ich auch immer sehr gut und wichtig um sich über vieles klar zu werden was vorher selbstverständlich und unüberdacht war. Aber es kann eben auch anstrengend sein, wenn so eben fast nichts mehr ist, wie es normalerweise ist, jedenfalls für einen so scheinbar sicherheitsbedürftigen Menschen wie ich mir momentan manchmal vorkomme. Spannend aber auf jeden Fall und tut mal gut in ein komplett anderes Leben zu springen.
Seit zwei Wochen bin ich nun auch in Pascals Projekte nach meiner Einarbeitungsphase deutlich mehr und mit mehr selbständigerer Arbeit eingebunden. Von meinem ersten Photo-Shooting für die Ferienhäuschen des Einhändigen habe ich ja schon erzählt, die neue Homepage ist nun online und unter www.willowburlcabins.ca als ersten Nachweis meiner Arbeit abrufbar;-) Letzte Woche eine mal ganz andere Herausforderung, Essen in einem japanischen Restaurant in Valemount ablichten und möglichst appetitlich in Szene setzen. Das hat sehr gut hingehauen, aber es war nicht leicht gut anderthalb Stunden herrlichste Essenplatten zu fotografieren, die direkt aus der Küche kommen und deren Duft einem bei den Makro-Nahaufnahmen so furchtbar gnadenlos permanent in die Nase steigt und man nichts anrühren darf. Klar hatten sie zu diesem Shooting nur die besten und appetitlichsten Dinge aufgefahren, die die japanische Küche zu bieten hat – war Dank ununterbrochenem Speichelfluss glaube ich am Ende auch ein wenig dehydriert. Da sie für die danach kalten Gerichte keine Verwendung mehr hatten und sich wahrscheinlich durch meinen schmachtend bis gierigen Gesichtsausdruck auch ein wenig genötigt fühlten, durfte ich mich anschließend über die Photoobjekte hermachen und mir die Rosinen rauspicken – netter Job kann das sein. Während der Photografie machen die Kunden grundsätzlich alles für dich, bauen um, verrücken, besorgen, beleuchten, halten Dinge, alles auch mehrfach, nach einem Irrtum auch wieder wie ursprünglich und sind trotzdem noch vollkommen dankbar, da ja uneingeschränkt abhängig;-) Das gilt zumindest für alle Projekte, die mit dem Großprojekt für die Präsenz im neuen Touristik-Infozentrum zu tun haben. Hierfür versucht Pascal möglichst alle ortsnahen Gewerbe zu gewinnen um mit einer Photo-Slideshow oder einem Kurzfilm verbunden zu sein. Diese Infoseite wird jedoch zunächst nur im Infocenter zu sehen sein, weswegen ich hier zunächst leider keine Arbeitsnachweise liefern kann. Dafür waren wir letzte Woche auch einen Tag im Schnee unterwegs Filmmaterial sammeln bei, aber eigentlich eher mit den Veranstaltern von Hundeschlittentouren, dafür müssen wir aber noch das Film- und Photomaterial sichten und bearbeiten, deswegen berichte ich über diesen Tag erst beim nächsten Eintrag, dann aber auch vollständig mit Beweis. Diese Woche nun ist unser aufwändigstes Projekt gestartet, das nun auch noch eine umfangreiche Erweiterung bekommen hat. Zwei Tage die Woche arbeitet Pascal als Systemadministrator und Grafik-/Webdesigner für Mike Wiegele in Blue River, das etwa eine Autostunde südlich liegt und bei unserem letzten Besuch Wohnsitz war. Der mittlerweile 70jährige hat vor gut 30 Jahren nach dem schneesichersten Ort auf der Welt gesucht und ihn in Blue River gefunden. Seit dem hat er ein luxuriöses Ambiente für betuchte Gäste geschaffen, die keine Lust auf Piste und Lift, sehr wohl aber auf Tiefschnee und die Beförderung via Helikopter haben und nicht selten prominent von der ganzen Welt zu Besuch kommen. Wir möchten nun für das ganze Dorf und die einzelnen Gebäude/Räumlichkeiten eine virtuelle Tour vergleichbar mit unserem Erstversuch der Willow Burl Cabins machen. Da haben wir ja nur einen Hotspot auf der Treppe, über den man auf die andere Etage gelangt. Dies soll bei www.mikewiegele.com natürlich alles größer werden, genau so wie die gesamte Homepage. Unter anderem sollen eben Lobby, Gym, Essensräume, alles soll zu einer virtuellen Tour mit 360 Grad Blicken verbunden werden. Von der Gymnastikhalle gelangt man über einen Klick auf die Tür in die Lobby, von da wiederum auf den Vorplatz, bei einem Klick auf die Chalets in eine Innenansicht und bei einem Klick auf einen Hubschrauber auf einen Berggipfel mit perfektem Panoramablick. So viel zur Theorie, Pascal programmiert eifrig und ich bemühe mich um verwertbares Photomaterial. Es erfordert eine große Sicherheit mit vielen technischen und physikalischen Details der Photografie, die mir bisher unbekannt waren. Die kurzen Momente in denen die Photos geschossen werden können, erfordern volle Konzentration, denn alles muss ja bei vollem Gäste-/Publikumsverkehr geschehen und zwar so, dass sich kein Gast gestört fühlt und aus urheberrechtlicher Sicht auch möglichst kein Gast drauf ist – denn erfolgreiche Klagen sind hier ähnlich teuer wie in den USA. Entweder scheint nur kurz die Sonne, der Schnee liegt unangetastet frisch, das Büfett ist angerichtet oder das Personal wartet kurz im Nebenraum – will sagen, man hat oft nur eine kurze Möglichkeit unter optimalen Bedingungen eine Photoserie zu schießen, die sich dann noch perfekt zusammenfügen lassen muss. Ist spannend, kreativ, technisch, anspruchsvoll, abwechslungsreich und macht in Summe unglaublichen Spaß. Cheffe will mich bisher eigentlich behalten und hat mich gestern gefragt, warum ich eigentlich BWL studiert habe. Falsche Frage. Das zweite und neue Projekt ist eine neue 60seitige Werbebroschüre für das Unternehmen mit vielen lockenden Fotos und in Abstimmung mit den gewünschten Wirkungen auf Angestellte und Kunden – auch das wird eine spannende Herausforderung und langweilig wird uns in den nächsten Wochen sicherlich nicht werden.
Gut also, dass wir neben den manchmal recht angenehmen Arbeitsinhalten auch mal Wochenende haben, oder die Gunst des Selbständigendaseins zu nutzen und Arbeit auch mal in den Abend oder ins Wochenende verschieben zu können, wenn das Wetter es erfordert;-) Wir waren zwar erst zweimal Skifahren, aber ich genieße momentan den Umstand, mich nur auf Pisten zu bewegen, wenn die Wettervorhersage dies auch als unausweichlich einfordert. Aber auch hier ist es so langsam vorbei mit Champaign-Powder, denn die Temperaturen steigen und der Frühling drängt sich auf. Vor drei Wochen waren mit Gianna ihrem Freund Sebastian eine Freundin aus ehemaligen Judozeiten Pascals für 5 Tage zu Besuch. Sie waren ne Woche zum Skifoan in Lake Louise und Banff und konnten nun die Gelegenheit nutzen, auf einen Besuch vorbeizukommen. An einem Tag haben wir einen Ausflug in den Maligne-Canyon gemacht. Dies ist eine lange, schmale und sehr tiefe Schlucht, in die man am Ende im Winter wenn es lange Zeit kalt genug gewesen ist, vom Ende aus über das Eis hineinlaufen kann. Bei meinem Erstbesuch vor drei Jahren blieb uns dieses Glück leider verwehrt. Dieses Mal jedoch konnten wir die vielen gefrorenen kleinen Bäche die im Sommer von der linken und rechen Seite in die Schlucht fließen aus nächster Nähe beeindruckend bewundern. Das sind richtige Kunstwerke aus Eis, die wenn die Sonne scheint, noch viel prächtiger in Weiß- und Hellblautönen schimmern sollen. War so aber auch schon sehr beeindruckend und vor allem glatt. Eine ebene Ebene aus Eis ist glatt, aber man kann drauf laufen – da jedoch gibt es an mehreren Stellen schiefe Ebenen aus Eis und das ist dann wie eine Folie mit Seife am Hang, für alle anderen lustig, bis auch sie dran sind. Leider war es ein Wochenendtag und so war dort ne Menge los. Nicht zuviel, aber so viel, dass wir leider keine 360-Grad-Aufnahme machen konnten, denn sobald bewegte Objekte auf den einzelnen Fotos sind, lassen sie sich kaum mehr zusammenfügen. Dafür haben wir aber einige Eiskletterer gesehen und uns sehr zwingend auferlegt, uns dafür in den nächsten Tagen mal die restlich notwendige Ausrüstung zu leihen und dies auch mal zu versuchen. Denn damit kommt man an Orte, an die man normalerweise nicht kommt – und schon gar nicht, um dann von da aus Fotos zu machen.
Eine weitere Sache die zwischendurch mal ähnlich dem Boule in Frankreich, oder dem neumodischen Golf zur Entspannung von Männern gespielt wird ist für uns das Bogenschießen. Irgendwie brauchen wir urtriebgesteuerten Wesen das ja noch ein wenig und können solche Dinge mit einer Prise Wettbewerb, Jagen und in der Natur unendlich lange machen, ohne dass es langweilig wird und ohne das man merkt, wie die Zeit vergeht…Als Areal dient uns da der elterliche Wald von Kaz und als Ziele nehmen wir die im Wald aufgestellten Rundstrohballen und befestigen uns ein Blatt Papier mit gemaltem BullsEye. Es ist wirklich enorm, was diese Dinger – und wir haben beide nur Sportbögen mit einer verhältnismäßig geringen Zugkraft schon für eine Durchschlagskraft haben. respekteinflößend ist das, es sind Waffen und es ist nur zu erahnen wie diese früher gefertigt und eingesetzt wurden. Auch hier muss ich wieder einmal Respekt zollen, dieses Mal an unsere Vorfahren, die damit gejagt haben und mit nicht so technischen und präzise gearbeiteten Bögen auch kleine, weit entfernte und vor allem oft auch bewegte Ziele getroffen haben. Aber Achtung, Bogen schießen macht Riesenspaß, die Zeit vergeht wie im Flug und Suchtgefahr!!
Abschließend habe ich nun auch endlich ein paar meiner bisherigen Fotos auf die Kodak-homepage gepackt. Man kann sie sich dort über den link als Diashow, einzeln ansehen und Kommentare schreiben. Ein herunterladen ist leider nicht möglich, ich hoffe bei Euch funzt der Link.

http://www.kodakgallery.de/Slideshow.jsp?mode=fromshare&Uc=bbnu6q65.1m3s0ol9&Uy=7eep25&Ux=0&localeid=de_DE

Wenn nicht, bitte einen kleinen Alarm an mich, mal sehen was ich tun kann und auch über Kontaktaufnahmen außerhalb von Alarmsituationen freue ich mich sehr!
Bis zum nächsten Eintrag nun verehrtes Tagebuch und ein dickes Dankeschön an meine liebe Gastfamilie hier in Valemount, die mir das Gefühl und den Stellenwert eines Familienmitglieds geben und mir die nun schon 5 Wochen in diesem Land sehr einfach und im positiven Sinne unvergesslich machen.

8.3.07 08:47


Gestern war ein harter Tag für mich. Ein harter Tag, weil in Ratingen die große Geburtstagsfeier von Thomas und Anton stattgefunden hat und ich den ganzen Tag an all die Menschen denken musste, die da gerade mit wahrscheinlich herrlichem Schumacher Alt vom Fass ausgelassen ne Menge Spaß haben. Ja auf Party und einen Abend mit vielen Freunden habe ich wirklich so langsam richtig Schmacht. Das fehlt hier wirklich sehr, die dorfeigene Jugend macht sich nach der High School direkt auf in die Welt und wenn sie wiederkehrt baut sie eine Familie. Partymäßig ist hier also wirklich nichts zu holen, wie gesagt, nicht mal ein Pub…- einziger Vorteil, es gibt keine Katertage, aber auch dieser Schmerz ist ja meistens auch gar nicht soooo schlimm;-)
Sehr erfreut bin ich über meinen SUZUK, der mich bisher tapfer - mal auf vier, mal auf drei Zylindern - durch die Berge schaukelt und dabei nur etwas über sieben Liter verbraucht. Das ist besonders an der Tankstelle immer wieder eine Freude, kein Wunder bei etwa 65 Eurocent der Liter Super. Erst nach der Anmeldung ist mir aufgefallen, was da so alles anders ist als bei uns. Man geht mit den Fahrzeugpapieren einfach zur Versicherung und sagt bitte versichern. Dann bezahlt man den Jahresobulus, bekommt im Gegenzug sein Nummernschild und kann losfahren. Es gibt hier weder einen TÜV (was sich für mich als teilweise irgendwo zwischen beängstigend und leichtsinnig herausgestellt hat) und keine Kraftfahrzeugsteuer (was ökologisch total daneben ist, weil dann auch diejenigen, die keinen riesigen Jeep brauchen einen kaufen und somit ein Durchschnittshubraum von rund 4 Litern Standard ist, selbstverständlich fährt hier keiner außer mir auf meistens 4 Zylindern… Ich genieße neben der zum Glück ja überwiegend sehr flexiblen Arbeit momentan die Nähe zu einem Skigebiet, gepaart mit dem Besitz des Auto“mobil“s. Spontane Skitage nur wenn es entweder Neuschnee gegeben hat, oder die Sonne scheint sind ein bisher noch nicht gekannter und schon antizipiert vermisster Luxus. Besonders reizvoll wird diese täglich Offerte auch noch dadurch, dass ich mit Pascals Ausweis und einer tief ins Gesicht gezogenen Mütze und verspiegelten Sonnenbrille am Ticketcounter eine Tagesskipass für lau bekomme weil er Mitarbeiter bei Mike Wiegele ist… Daran wird deutlich wie bedeutsam dieser Wiegele hier ist und was seine Referenz für die eigene Arbeit und Selbständigkeit von Pascal bedeutet. Habe in den letzten Tagen viel über mich und meine Arbeitssituation nachgedacht. Das ist schon komisch, wenn man das Gefühl hat, in Deutschland wartet arbeitstechnisch einfach niemand auf mich, ganz im Gegenteil, ich muss mich eher fast noch aufdrängen und mich so verbiegen, wie die Herren Personalchefs ihre Berufseinsteiger oder auch Praktikanten haben wollen. Und hier…- die Arbeitgeber fragen suchen besonders Arbeitskräfte aus Deutschland aufgrund ihrer Arbeitsauffassung und qualitativen, zuverlässigen Arbeitweise. Gerade mache ich einen Job, der mir unglaublichen Spaß macht auch wenn die Arbeitszeiten wie letzten Freitag von 17h bis 3 Uhr morgens gehen oder wir nicht selten bis um 22h noch am Rechner sitzen und rumprobieren, wie wir die Qualität noch steigern können. Ich gehe abends fertig ins Bett aber freue mich schon auf den nächsten Tag, auch wenn er lang und anstrengend wird, die Arbeit macht einfach Spaß - das habe ich mir eigentlich immer so gewünscht. Als ich meinem Studienkollegen Benni davon berichtet habe wurde ich in der Antwortemail erstmalig zitiert: “Jetzt macht mir mein aktueller Job so viel Spaß und wofür habe ich mich 6,5 Jahre mit dem BWL-Studium herumgeschlagen? – Ein Photokurs in der Volkshochschule hätte mir mehr weitergeholfen…“ – er empfand das eher als suboptimale Motivation für den Beginn seiner Diplomarbeit. Darum drehen sich Fragen, die jeden Tag beantwortet werden wollen. Habe ich gemessen an meinen Fähigkeiten und Eigenschaften das richtige studiert? Will ich überhaupt in dem Bereich arbeiten, den ich bisher kennen gelernt habe? Warum nicht da arbeiten und leben, wo andere Urlaub machen? – Zumal die Zusammenarbeit mit meinem Chef wirklich sehr gut ist. Wir sind uns charakterlich ähnlich genug, um auch im Stress und vielen gemeinsamen Stunden (24 jeden Tag) noch immer konzentriert, wechselseitig produktiv kritisch und effizient zu arbeiten. Wir haben in der Regel auch eine Menge Spaß und albern mal rum, sind jedoch in der Arbeitsauffassung absolut konform jedem Kunden ein 110% Produkt abzuliefern. Da gibt es nie Diskussionsbedarf, dass was möglich ist, wird realisiert. Gerade bei unserem Pilotprojekt, das gesamte Angebot von Mike Wiegele möglichst realistisch über virtuelle Touren zu präsentieren, versuchen wir permanent die Qualität zu verbessern. Denn mit dieser Referenz lässt sich mindestens in Kanada noch einiges erreichen. Gerade für die gesamte Tourismusindustrie ist doch die Außendarstellung des Ambientes, der oft aufwändigen Architektur, Inszenierung und Gestaltung der Räumlichkeiten sowie der Lage bzw. Umgebung, die Möglichkeit dem potentiellen Kunden über die 360-Grad-Blicke einen viel realistischeren und umfangreicheren Eindruck zu vermitteln und sich damit von der Konkurrenz abzuheben. Bei der Internetrecherche haben wir bisher im Vergleich zu anderen Produzenten eine weitaus höhere Qualität erreichen können, was sich in wenigen Fehlern aus dem Zusammensetzen der Einzelbilder und dem schwierigsten Foto ergibt, eben dem aus exakt demselben Punkt im Raum gerade nach unten, um das Stativ herausschneiden zu können. Andere Anbieter machen es sich damit sehr einfach, sparen sich diesen schwierigsten Teil und knallen unten einfach ein Logo rein – wirkt nicht besonders professionell… Aber auch das haben wir mit diversen kreativen Einfällen und Gängen zum Baumarkt inzwischen mit recht hoher Qualität und Zuverlässigkeit hinbekommen und streben in dem Sektor mal ganz bescheidne die Weltherrschaft an. Zu schade, dass die Kunden dann vorerst Luxushotels und –resorts auf der ganzen Welt wären, oder auch erstmal nur Autohäuser, Kurorte, Restaurants, Freizeitparks, Freizeitbäder,… - so viel zur Theorie und unseren Träumen à la vom Tellerwäscher… Wir arbeiten dran. Wen es interessiert, unter der nicht öffentlichen Webadresse ( http://www.wiegele.com/v3/360/ ) sind unsere ersten 5 Shots in grober Vorfassung zu sehen. Wenn etwas bei Euch an der Navigation nicht funktionieren sollte, schreibt mir bitte mal ne Mail was genau, Danke!
Auch kräftig gearbeitet hat mein Chef an meinen Goldlöckchen (Danke und Gruß an meinen Käsebruder Ralf), natürlich gibt es hier im Dorf keinen Frisör und natürlich eben auch nicht meine Mama, die das ansonsten immer so hingebungsvoll zu meiner vollsten Begeisterung hinbekommt. Und da er sich nun mal schon seit Jahren die Harre mit der Schermaschine… Irgendwann sah ich halt bekanntermaßen aus wie ein Schaaf und das warme Winterfell musste sich der irgendwann doch zu arg gebeugten Eitelkeit - trotz nicht vorhandenen Dorfschönheiten - weichen. War ein Riesenspaß, so viel kann ich vorwegnehmen – allerdings vor allem für Pascal, ich erschrecke mich heute noch wenn ich morgens eine Hand auf den Kopf lege. 18mm eben, aber unglaublich praktisch in der Pflege… Selbstverständlich wurde das Spektakel fotografisch festgehalten, einige Bilder davon sind im neuen Fotoalbum zu sehen.
Ansonsten war ich recht viel unterwegs in den letzten Tagen. Jetzt Freitag erst haben wir die auswärts gelegene Albreda Lodge vom Wiegele abgelichtet und versucht das Maximum an räumlichen Eindruck herauszuholen. Das war mal ein netter Arbeitstag von 17h bis drei Uhr Nachts, aber das ist eben der Nachteil bei Kunden mit viel Publikumsverkehr, da muss man zeitlich sehr flexibel sein und eben genau dahin die Woche zuvor auch mal um 6.30h da sein, um den fertigen Frühstücksraum noch unangetastet von Gästen aufnehmen zu können. Das Abendshooting war aber recht nett, wir konnten uns richtig austoben um alles möglichst perfekt in Szene setzen zu können: Kamine anzünden, Mobiliar ausrichten, dekorieren, Lichtgestaltung,…- ist im Ergebnis aber recht ansehnlich geworden, wahrscheinlich auch weil wir uns frei in der Küche und der dazugehörigen Speisekammer austoben durften - ein großer Traum ;-)
Doch genau diesen Shot und bedeutende Elemente unserer Weltherrschaft habe ich mit einer Unterschätzung der Naturgewalten am vorherigen Tag arg in Bedrängnis gebracht. Da war ich auf den exponierten Stellen des Skigebiets von Jasper mit dem Fotoequipment unterwegs und beim Versuch, die Lichtverhältnisse bei Sonne und Schnee für unsere 360-Grad-Fotografie, zu ergründen. Da wir dem alten Östereicher Mike vorgeschlagen haben, dass es doch sinnvoll wäre, auch von seinem eigentlichen Kerngeschäft dem Heli-Skiing virtuelle Touren zu haben, müssen wir natürlich vorbereitet sein, wenn es Anfang April mit dem Heli auf die Gipfel der Monashee und Cariboo Mountains geht ;-) Da an diesem Tag aber das Wetter nicht wie vorhergesagt überwiegend sonnig, sondern eher bedeckt und teilweise böig war, reichte eine kleine Unaufmerksamkeit auf einem Bergsattel, um mich aufgrund einer plötzlichen Schneesturmattacke, die Kamera hinter meinem Körper zu schützen - aber eben nicht das Stativ. Und das hat der Wind dann mal eben umgeblasen und beim Aufprall einen Aluträger der empfindlichen Kameraaufhängung verbogen. Noch am Vortag hatte mir Pascal erzählt, wie schwer er es nur bekommen konnte, dass es 300 US $ koste und es aufgrund des Zolls mal eben 6-8 Wochen Lieferzeit aus den USA gebraucht hatte. Danke sehr, das war es dann wohl mit der Weltherrschaft. Denn wie mir der freundliche Verkäufer im Fotoladen von Jasper postwendend verkündete, ist das ja mit Alu zurück biegen so eine Sache. Bricht dann eben in der Regel, great! Mit einem elenden Gefühl fuhr ich dann die 1,5 Stunden nach Valemount zurück, überlegte an Ausreden, Lösungsmöglichkeiten und wie ich es Pascal beibringen würde. Aber er reagierte natürlich wieder einmal absolut entspannt, das bekommen wir schon hin…Haben wir dann auch, nach lächerlichen drei Stunden in der Werkstatt von Kaz Vater und unter Einsatz aller physikalischen Gesetze der plastischen und elastischen Verformung, Hebeln und Kybernetik – aber was war das schon in Anbetracht der Weltherrschaft… Ergebnis für uns aus diesem Versuch war übrigens, dass wir immer zusammen arbeiten sollten. Denn vier Augen sehen immer mehr als zwei, zwei Gehirne kriegen mehr auf die Kette und vor allem: Vier Hände könne mehr halten als zwei.
Am vorherigen tag reichten meine zwei Hände allerdings. Nachdem ich mir morgens um 8h aufgrund des Bonussystems (der 11. Café ist for free) meinen ersten großen Frei - Café Latte French Vanilla abgeholt hatte, ging es mit Bryan und seiner Tochter Cameron zu deren etwa 20 Kilometer von der letzten Straße gelegenen Holzhütte mit gut 30 Meter entferntem Plumpsklo und Außensauna. Eine traumhafte Lage auf einem Plateau direkt an einem See, ringsherum Berge und eben im Radius von gut 20 Kilometern keine Zivilisation – hier muss es auch im Sommer recht nett sein. Die Familie hat die, im ersten Geschoss 8 Personen Schlafplätze bietende Hütte, vor gut 15 Jahren gebaut. Seit dem lebt die Familie ausschließlich von der Vermietung an Tiefschneefreaks, die diese perfekt gelegenen Schutzhütte als Ausgangspunkt täglich variierender Besteigungen und Abfahrten von den umliegenden Bergen nutzen und schätzen. Und wenn so ein Ding einmal steht, dann muss neben der abendlichen Versorgung mit Lawinengefahrenstufen (ein netter Service via Funk), nur noch kleine Reparaturarbeiten und die Versorgung mit Gas und Brennholz sichergestellt werden. Das war also unsere Aufgabe. Eine gute Stunde hat die Hinfahrt mit zwei SkiDoos gedauert und es war schon beeindruckend, wie die beiden diese Maschinen durch den Tiefschnee, steile Anstiege, mitten durch den Wald, über sehr schmale kleine Brücken über Gebirgsbäche samt den Schlitten mit Gasflasche und einem großen Bretterstapel balanciert haben. Oben haben wir dann noch zwei Bäume gefällt und Kaminfertig zerlegt, das Dach von Eis befreit und dann ging es wieder Richtung Anhänger. Aber diesmal saß ich am Steuer. Ein Traum diese Dinger, ich fühlte mich adrenalintechnisch an meine balinesischen JetSki – Erfahrungen erinnert. Die haben einen nie zu enden scheinenden Schub nach vorne und das bei einer Beschleunigung…-sagenhaft;-) Nun konnte ich auch die vielen für mich zuvor scheinbar Verrückten verstehen, die jedes Wochenende des Winters so viele Kilometer zurücklegen und in die Dörfer der Rockies wie Heuschreckenplagen einfallen, um sich dann mit ihren „Sportgeräten“, die sich so laut und stinkend verhalten wie Motocross-Maschinen, um dann inmitten der unberührten Natur herumzutoben. Das balancieren dieser Dinger über Schrägen, bei denen man sich wie auf einem Segelboot und den Füßen auf einer Fußraste weit zu den Seiten legen muss, hoch runter, links und rechts, zwischen den Bäumen durch und immer wieder diese sagenhafte Beschleunigung die einen fast hinten runter reißt…jaaaaaaaa, mehr davon!!!!!
Heute hatte ich mal einen Tag alleine im Haus, denn „meine“ Familie macht ein paar Besorgungen im etwa 3,5 Stunden entfernten Kamloops und übernachtet dann dort. So gerne ich sie mag und so gut wir uns verstehen, mal ohne Menschen um sich herum sein tut irgendwie auch mal gut. Auch wenn ich jetzt schon das morgentliche A-N-N-A in Richtung Keller von Kai vermisse, der dies konsequent wiederholt bis ich mich zeige. Nur selten gibt er sich mit einer einfachen Antwort aus dem Bett zufrieden. Werde trotzdem morgen mal Richtung Jasper und dann weiter nach Banff aufbrechen, der SUZUK hat mich in Hinsicht Zuverlässigkeit inzwischen überzeugt. Auf dem Weg schreien noch ein paar gefrorene Wasserfälle, sowie der riesige Gletscher, das Columbia Icefield danach, vor meine Linse zu kommen. Außerdem haben meine Gastgeber dann auch noch mal ein paar Tage Ruhe vor Monica und das Wetter trägt sein übriges zu dieser Entscheidung bei. Abschließend möchte ich aber noch berichten, was der reizende Sprecher meines Radioweckers heute Morgen von sich gegeben hat. Vorweg, eigentlich interessieren sich die Kanadier in der Regel nicht erheblich für Politik oder den Rest der Welt, es wird auch kaum darüber berichtet. Höchstens mal was über die ungeliebten Amis. Allerdings haben alle ein Herz für die Natur, solche Filme wie „The inconvenience Truth“ von Al Gore werden hier in der Sporthalle auf Großbildleinwand gezeigt. Gleichsam schmeißen sie aber Glas und Batterien in den Normalmüll und produzieren Plastik ohne Ende, abgesehen von den Autos…- und dann kommt folgende wichtige Neuigkeit in den morgentlichen acht Uhr Nachrichten des einzigen empfangbaren Radiosenders hier: In Deutschland wurde eine Pille erfunden, die die Blähungen von Vieh um bis zu 90% verringern kann und damit erheblich zur Reduktion treibhauseffektfördernder Gase beitragen kann und damit einen großen Beitrag zur Verringerung der Klimaerwärmung leisten kann. Insoweit, Gruß in das innovative Deutschland, ich bin dann mal weg.

Leider ist die upload-Geschwindigkeit vom dorfeigenen W-LAN gerade mal wieder ein kleiner Traum, deswegen belasse ich es heute mal auf die wenigen Bilder die schon hochgeladen sind. Wenn ich wieder da bin gibt’s aber nen satten Nachschlag:

http://www.kodakgallery.de/Slideshow.jsp?mode=fromshare&Uc=bbnu6q65.39jrk1bx&Uy=t1bxkk&Ux=0&localeid=de_DE

26.3.07 08:43





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