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Liebes Tagebuch,

zunächst einmal Danke an Christoph der Dich eingerichtet und mich gelehrt hat, wie man so was als Junge ohne Erfahrungen aus der Pubertät macht. Ich muss mir allerdings direkt eingestehen, dass ich mit meinen Einträgen nicht immer ganz pünktlich sein kann, aber das ist in meinem restlichen Leben wie Du sicher weißt, auch nicht viel anders;-)

Wieso bin ich jetzt eigentlich hier in Vancouver und fahre morgen früh 9,5 Stunden mit dem Greyhound-Bus weiter in dieses kleine Dorf Valemount mitten in den Rockies, nahe dem Mount Robson, dem höchsten Berg Kanadas?
-Weil ich da diese lieben Freunde habe, Kaz und Pascal, sowie inzwischen auch ihren drolligen bald 2 jährigen und bilingualen Sohn Kai, die in Valemount leben. Kaz kommt aus dem Dorf, in dem auch noch ihre Familie lebt und die beiden zwei haben sich auf einem ersten 6-Wochen-Trip von Pascal und seinem Freund Marcel durch Kanada kennen und nach weiteren Treffen dieser Art auch lieben gelernt. Sie war auch mal ein Jahr in Deuschland und hat dort besser sprechen gelernt, als ich es von einigen Menschen in Deutschland kenne, die schon ihr halbes Leben bei uns verbringen. Diese Kleinfamilie war dann über Weihnachten mal wieder für 5 Wochen zu Besuch bei Familie und Freunden und machte auch bei Jenny und mir Station. Und wenn jemand wie Pascal, der gerade so ziemlich nach Kanada ausgewandert ist dann von mir hört, dass ich noch keine Perspektive im Anschluss an mein RunnersPoint Praktikum habe und dringend Englisch lernen muss, damit mich überhaupt jemand haben will, dann lässt der mal eben so einen Spruch raus: Dann mach doch bei mir Praktikum (er ist als Webdesigner selbständig, bringt damit die lokalen Institutionen ganz groß raus und braucht Unterstützung bei der Erstellung von Landschaftsaufnahmen) oder komm einfach vorbei, wir freuen uns! – Ich habe dann noch gefragt ab wann und wie lange denn… Wieder einfache Antwort: Flieg doch mit uns zurück und so ein halbes Jahr könntest Du schon bleiben...Nachdem mich dann viele Freunde davon überzeugt haben, dass ich das unbedingt machen sollte und mir meine Hartzer-Freunde von der ARGE Ratingen ja auch nicht direkt Knüppel zwischen die Beine geworfen haben, blieb mir ja schlicht keine andere Wahl.

So sitze ich jetzt in einem Starbucks in Vancouver Downtown, genieße meinen Vanilla Latte Grande und kriege nun auch langsam auf die Kette was ich hier gerade mache und dass ich jetzt mal weg bin für 3 Monate und versuche mein in der 12.2 schriftlich und danach ganz abgewähltes Lieblingsfach Englisch zu Pimpen.

Wie ihr schon gemerkt habt, ich schreibe oft lange Sätze, bei denen man schon mal den Anfang vergisst, aber das ist eben so, weder Frau Kühn, noch Herr Steup, Brasche oder final mein Prof konnten mir diese Leidenschaft nehmen – da müsst ihr also durch;-)

Jetzt aber mal chronologisch: Starten wollte ich eigentlich am Dienstag den 30.1. mit meiner neuen Lieblingsfluggesellschaft British Airways. Früher fand ich Mitbestimmung, Gewerkschaften und so (immerhin ja auch Thema meiner DA) ja ein wenig gut, aber wenn dann plötzlich der Flug aufgrund streikender Fluglotsen gestrichen wird, dann überdenkt man so einiges… Kurzerhand habe ich dann mal auf den 1.2. umgebucht, da dann der Streik überstanden sein sollte. Natürlich hat das dann super geklappt und natürlich ist es auch super, wenn man dann in einer restlos ausgebuchten 747 sitzt, weil man mit dieser Umbuchung natürlich nicht alleine war. Wäre aber alles nicht so schlimm gewesen, hätte mich die reizende Flugbegleiterin auf dem Zubringerflug nach London nicht so bereitwillig darüber informiert, dass BA und die Gewerkschaft sich doch noch kurzfristig geeinigt hätten, der Streik ausgefallen ist und die Maschinen so leer waren, dass jeder Passagier mindestens 3 Sitzplätze zum Liegen hatte…- ein kleiner Traum, der mich bei dem bisher von niemandem erreichten Ziel beflügelte, die Biervorräte an Bord erschöpfend zu bearbeiten.

Dafür hat der Transfer zu dem ergoogelten Cambie-Hostal „im Herzen von Downtown Vancouver“ reibungslos geklappt, ebenso wie meine Doppelzimmerwahl mit Etagenbett. Steve mein Zimmerkollege aus Ottawa, etwa 40 und eigentlich ganz nett, hat mich echt Nerven gekostet und ich habe in dieser Nacht nicht nur einmal daran gedacht, ob die Inhalte meiner Erklärung zur Verweigerung des Kriegsdienstes, meinen aktuellen Gedanken und Absichten entsprechen. Als ich nach einem kleinen Spaziergang dann gegen 21h Ortszeit ins Bett gehen wollte und ein wenig gerädert war, schlief er schon wie ein baby zusammengerollt in Embryonalstellung und Anziehsachen auf der unteren Etage des Doppelbetts. Einzig die Socken hatte er sich ausgezogen, die waren wohl vom Fußschweiß etwas feucht geworden und so hatte er sie über die Heizung gehängt und diese voll aufgedreht. – So einen Geruch habe ich noch nicht erlebt,unbeschreiblich und das bei gut 30 Grad in dem kleinen Raum in dem ich nun unter der Zimmerdecke schlafen musste (zum Vergleich: der Pumakäfiggeruch bei Carsten, als wir mit 6 Jungs nach einem Tag Oktoberfest eine Nacht verbracht haben, war eine Wohltat dagegen). Herzlichen Glückwunsch und willkommen in Kanada dachte ich mir, aber es gibt Schlimmeres, also Fenster auf, Heizung aus und ab dafür, schläfst eh direkt ein. Denkste!! Kaum nach oben geklettert dreht sich der Kerl durch meine Erschütterung geweckt auf den Rücken und beweist mir, dass er nicht nur stinken kann sondern auch nordamerikanischer Schnarchweltmeister ist. Große Klasse ist das, wenn man sich noch der Abflugsortuhrzeit von 6 Uhr morgens verbunden fühlt, vom tag einerseits total durch den Wolf gedreht, andererseits der Körper aber schon ein wenig denkt, dass er eigentlich schon wieder aufstehen könnte und gar nicht mehr so richtig müde ist…- zu diesem Zeitpunkt fand ich es war definitiv ein großer Traum und eigentlich hätte ich zum Bund gemusst. Als der Typ dann gegen 6h morgens Ortszeit Vancouver dann aufstand, schnarchlaut seine Sachen zusammenpackte und verschwand, war ich, obwohl gerade endlich mal so richtig in einer Tiefschlafphase, einfach nur glücklich.

Nach einem herrlichen Continental Frühstück mit Rührei, Sausages, Bratkartoffeln mit Käse überbacken und ner Menge Ketchup fühlte ich mich aber dann am nächsten morgen wie neu geboren. Katerfrühstück hilft also auch in diesem besonderen Fall, besonders wenn draußen schon die Sonne bei knapp unter 0 Grad scheint und Vancouver mir damit eine kleine Entschädigung für meinen ersten Eindruck entgegenbringen möchte. So war ich dann den ganzen tag über zu Fuß unterwegs. Es ist neben Amsterdam die einzige Großstadt, die mir lebenswert erscheint. Ein ganz interessanter Mix zwischen hochmodernen Glasfassaden-Towern, gemütlichen Cafés und Pubs, Wohlstand, Multi-Kulti durch Schwarze,Weiße und vielen Asiaten, die hier sehr friedlich gemeinsam und nicht nebeneinander leben. Shopping geht hier auch recht gut liebe Frauen, aber der riesige Vorteil Vancouvers ist vor allem seine einmalige Lage. 15 Minuten vom Zentrum ist eine Halbinsel mit Sandstrand und Wald in der Mitte, direkt daran der Yachthafen für die spontane Tour auf den Pazifik und ringsherum die Skyline der schneebedeckten Rockies. Whistler-Blackcomb ist nur 2 Autostunden entfernt, wenn man mal spontan Lust auf ein wenig Wintersport bekommt… Eigentlich wollte ich genau dahin auch zunächst fahren, aber das Wetter ist schlicht zu cloudy und foggy, so werde ich das später mal nachholen und nun morgen früh eben mit dem Fernreisebus dieser tollen Stadt den Rücken kehren und nach Valemount fahren, wo wohl gerade muckelige -20 Grad sind und mich dann mal spontan im Dorf erkundigen wo Kaz und Pascal wohnen, eine Adresse habe ich nämlich nicht – so sind sie die Kanadier, uns in einer entspannten Lebensweise meilenweit voraus.

4.2.07 04:32
 


bisher 8 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Carsten (4.2.07 11:20)
Hau rein, Alter!! Der Anfang hört sich doch vielversprechend an!
Ich bin mir sicher, dass Du eine großartige Zeit haben wirst!
Stay in touch, mate


Benni (4.2.07 11:30)
Hallo Herr Kollege,
klingt genial. Du bist angekommen, freue mich für dich und wünsche dir eine gute Zeit.
Schreib kurze Sätze.
Die liebsten Grüße aus RE.


Christoph (4.2.07 12:21)
...geil ist es dann auch wenn Dein Zimmernachbar dann aufsteht...Licht anmacht...sich kurz am Hinterkopf krazt und fragt: "Hast Du auch so schlecht geschlafen wie ich ?" Ich wünsche Dir viel viel Spaß und eine menge Erfahrungen. NEID ! Und wärst Du beim Bund gewesen wäre Dir dieser Spruch sicher bekannt und ich gebe ihn Dir einfach mit auf Deinem Weg:" Wie ? Ihnen ist kalt? Soldaten wärmen sich an einem Eisblock auf" Alles gute und viel viel alles vom dem was gut tut! Dein Essar !


Henne (4.2.07 13:25)
Tenno , deine kleine Liebesstory von dem Schnarcher kommt mir doch sehr bekannt vor ! Als mir der Blinddarm entfernt wurde, sass ich mit zwei Rentnern in einem Zimmer und einer war der Deutsche Grossmeister des Schnarchens und ich hatte in diesen Nächten auch jegliche Mordgelüste und erst recht, als der Sack am nächsten Morgen uns erzählt wie schlecht er doch geschlafen hätte und immer gehört hätte wie wir uns umgedreht haben. Da lag förmlich hass in der Luft. Also tenno, ich hoffe du hast die Schläger irgendwo hinterlegt , damit ich üben kann und wenn du wieder zurück bist, ein paar Kilos von deinen 30 Kilo zusätzlich angefressenen Muffin Bauch verlieren wirst. Lass von Dir hören Tenno


Jenny (4.2.07 15:25)
Hey Shopping-Queen!

Mein Rennrad hat nen Platten und mein Techniker ist im Urlaub!! Hab schon nen weiteren Schlauch platt gemacht, aber ich werde nicht aufgeben!! Werde mir nicht die Blöße geben in Ein Fahrradgeschäft zu gehen- wegen nem Platten...Hoffe Du hast eine einigermaßen angenehme Fahrt nach Valemount! Knutsch die verrückten Canadier von mir mal ordentlich!! Lieben Gruß, Jenny

Ach, diese Smileys hier sind ja wirklich was Tolles!!!


Filmriss (4.2.07 18:56)
Hui hört sich ja schon mal top an
Viel Spass und viele tolle Erlebnisse noch Effe!
Weltmeister sind wir auch gerade geworden


Markus (5.2.07 10:20)
Hey Andre, da wird man ja direkt neidisch. Mach weiter so und lass immer schön hier von dir hören.
Lieben Gruß Markus


Anton (7.2.07 10:03)
Hi Tünnemann!!Habe soeben gekündigt, Koffer gepackt und bin auf dem Weg zum Flughafen.Treffen uns dann in der Kneipe an der Kingstreet, bestell schonmal 2 Große! Wünsch Dir super viel Spass, lass Dich nicht unterkriegen und mach reichlich Fotos mit Motiven a la Oktoberfest
Bis Baldrian!!

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