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Da bin ich am dritten kanadischen Abend doch tatsächlich rückfällig geworden. Wir sind mit dem Auto zu Kaz Eltern gefahren, die auf einem kleinen Bauernhof am Hang des Mount McKirdy leben und dort wartete Tanaka, ein Freund des ebenfalls aus Japan stammenden Vaters von Kaz der diesen Monat zu Besuch ist, strahlend am Tisch sitzend auf mich –und zwar weil er mit mir ein Bier trinken wollte. Somit sind Tanaka und ich die einzigen mir momentan hier bekannten Personen, die überhaupt hin und wieder mal dieses Laster pflegen. Wir wollten eigentlich schon früher dort angekommen sein, aber die kanadische Entspanntheit lässt einen schon mal zu spät kommen – was hier aber nicht so empfunden wird. Mein großer Respekt gebührt nun aber Tanakas asiatische Höflichkeit, die ihn anderthalb Stunden tapfer warten ließ seine eine kleine Flasche Bier zu trinken, ohne zu wissen, ob ich überhaupt mit ihm anstoßen würde. Kurzum, ich habe mich dann sehr gerne erbarmt und ihn damit sehr glücklich gemacht. Ein Bier trinken und andere Menschen damit glücklich machen, das hört sich eigentlich recht gut an.
Familie Herowe bewohnt diesen Bauernhof nahezu autark. Wasser entnehmen sie dem nahe gelegenen Bach in herrlichster Qualität und elektrische Energie speisen sie aus einem kleinen privaten Wasserkraftwerk von weiteren Verwandten am Fuße des Bergs. Sie halten ein paar Hühner und Kühe, die restlichen naturbelassenen Lebensmittel kommen aus dem Garten. Das wenige Geld was darüber hinaus für Werkzeug, Anziehsachen, Sprit, etc. benötigt wird, verdient der Vater mit Shiatsu-Massagen an Begeisterten und Bedürftigen im Dorf. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie sie das mit wenig Geld zur Unterstützung des gesellschaftlichen Konsumdrucks mit vier wahrlich glücklichen Kindern hinbekommen haben. Dabei haben diese meiner Einschätzung nach ausnahmslos nichts wirklich Wichtiges in ihrem Leben verpasst. Vielleicht haben sie sogar die wirklich wichtigen Dinge des Lebens viel intensiver erlebt und leben sie heute auch noch genauso weiter. Familie, Freunde und die Natur machen Spaß und sind das am wichtigsten zu schützende und pflegende Gut.
Viel von dem, was wir in unserer Kindheit und Jugend anscheinend gebraucht und für soooo wichtig gehalten haben war hier und auch bei anderen Familien des Dorfes, die ich inzwischen kennen gelernt habe, nie da. Trotzdem zieht es die Kinder alle aus dem kleinen Dorf nach der Schule weg, die Welt zu erkunden – aber sie bleiben sich immer treu, nur eben teilweise später woanders.
Kaz war gestern Abend arbeiten, in einem Restaurant namens „Caribou Grill“ mit leckerer Küche und einer fürsorglichen Familie, die jeden Tag ab 17h Einheimische, Holzarbeiter, Skee-Doo-Touristen und Durchreisende gastfreundlich in ihr gemütliches Holzblockhaus einlädt. Dort gibt es als besondere Spezialität Steaks in hervorragender Qualität von allen Tieren die hier in den Wäldern so ihr Unwesen treiben. Nur die wenigsten Kanadier haben hier überhaupt eine Ausbildung, geschweige denn ein abgeschlossenes Studium, doch haben sie mit Einsatz und learning-by-doing unbegrenzte Möglichkeiten trotzdem angenehme, interessante Jobs zu machen und die obendrein noch mit deutlich höheren Verdiensten versüßt sind. Kaz beispielsweise bedient in dem Restaurant und bekommt etwa 5€ die Stunde von den Inhabern als festen Lohn. Den viel größeren Teil aber machen die „Tips“ (Trinkgelder) hier aus, sie findet es also nicht mehr eine besondere Erwähnung wert, wenn sie an einem normalen Abend in ihren 6 Stunden Arbeitszeit bis 24h etwa 140€ zusätzlich an Tips bekommen hat – ist natürlich unversteuert und so bleiben durchschnittlich für diese Arbeit etwa 25€/h übrig. Punkt. Damit geht es auch ganz gut eine Familie zu haben, man kommt hier wirklich recht leicht über die Runden und es gibt hier noch so viele Möglichkeiten sich selbständig zu machen und Dinge nach vorne zu bringen. Sogar für mich nach dieser kurzen Zeit sehr offensichtliche Marktlücken die nur so darauf warten genutzt zu werden und Menschen nicht nur in Lohn und Brot zu bringen. Allerdings muss man auch sagen, dass die Lebensmittel hier deutlich teurer sind als in Europa, hier „auf dem Land“ kostet alles verglichen mit Deutschland durchschnittlich etwa das Doppelte. Wobei mir wieder einmal aufgefallen ist, dass im von einer schlechten Regierung nach der anderen heruntergewirtschafteten Land des Sommer- und Wintermärchens, die Preise und Qualität der Lebensmittel, verglichen mit anderen erste Welt-Staaten unschlagbar sind. Wenn sie es jetzt noch hinbekommen, den Alkohol nicht nur in den, mit einer vom Staat ausgestatteten Lizenz privilegierten „Liquor Stores“ zu verkaufen, muss auch nicht mehr jeder 3. Kanadier in seinem Keller eine kleine Hanf-Farm unterhalten. Aber die hiesigen Energieversorger arbeiten hier sehr eng mit der Drogenfahndung zusammen und geben dann über extrem hohe Energieverbräuche von möglichen „Bauern“ und „Taschengeldaufbesserern“ bereitwillig Auskunft. Am Donnerstag hat Kaz von ihrer Chefin noch einige Kilo feines Moose-Fleisch (Elch) mitbekommen. Inzwischen haben wir schon zweimal davon gegessen und ich muss sagen – sehr lecker. Ein sehr zartes Fleisch mit etwas schwächerem Wildgeschmack, sehr zart und macht Spaß zu essen weil man weiß, wie und wo dieses Tier lange Zeit glücklich gelebt hat. Was ist sonst noch so passiert in den ersten Tagen, ich bleibe auch hier in Valemount nicht von den herrlichen Köstlichkeiten wie Blueberry-Muffins und Blueberry-Pancakes verschont, denn Kaz kann sie einfach auch gerne täglich einfach viel zu lecker zubereiten.
Als Familienmitglied genieße ich die vielen schönen Momente mit einem 21 Monate alten Kind im Haus und bin irgendwo zwischen erstaunt und eifersüchtig, wie schnell Kai Deutsch und Englisch lernt und ich mir bei meinen Englischversuchen manchmal doch recht unbeholfen vorkomme. In einem noch fast leeren Gehirn ist wahrscheinlich einfach noch viel mehr Platz;-) Ist aber auch mal sehr interessant so hautnah mitzubekommen, wie sehr ein Kind den Alltag bestimmt und manchmal nur noch sehr wenig Platz für eigene Interessen lässt. Für die letzte Woche gilt das übrigens auch einschließlich der Nächte, weil Kai da unter einer ordentlichen Erkältung zu leiden hatte, eigentlich ungefähr genau 24 Stunden täglich, sehr spaßig wenn die Mama selbst krank ist und selbst einfach nur fertig ist und schlafen will. An dieser Stelle möchte ich, vielleicht ist es etwas ungewöhnlich aber mir sehr bewusst geworden und mir sehr wichtig, meinen Eltern, vor allem aber meiner Mama für ihre Geduld und Ruhe bei meiner Erziehung danken. Für das Zurückstecken eigener Wünsche, Hobbys ,Aktivitäten und die Aufgabe ihrer beruflichen Tätigkeit. Wenn man mal nur so ein paar Stunden ein Kind gewissenhaft betreut, erzieht und parallel noch Aufräumen, Einkaufen, Kochen und dabei noch gut aussehen soll, dann kommt man sehr schnell an seine organisatorischen Grenzen. Familienmanager/in trifft die Sache sehr gut denke ich und denjenigen sollte mehr Anerkennung und Respekt entgegengebracht werden, meinen haben sie jetzt jedenfalls. Schade dass man so was manchmal erst selbst erleben muss.
Getz aba mal zur Maloche, dem Grund warum ich neben der englischen Sprache eigentlich hier eingeflogen bin. Weil der Pascal eben so ein erfolgreicher Webdesigner ist und aufgrund des Kapitals dieser Gegend hier - der Natur – sehr viel mit Landschafts-, Tier-, Sportaktions-, und Immobilienaufnahmen zu tun hat, die er selbst kaum bewältigen kann, fühlte ich mich ja bekanntlich verpflichtet, ihm ein wenig unter die Arme zu greifen. Eine seiner aktuell noch in der Probephase steckenden Phototechnik liegt in der 360 Grad Photografie, die insbesondere mein Aufgabengebiet darstellt. Hier werden von einem bestimmten Punkt mit guter Rundumsicht knapp 20 Fotos geschossen und anschließend mit einem Programm namens „Stitcher“ bearbeitet und zusammengefügt. Als Ergebnis erhält man einen perfekten Rundumblick in alle Richtungen, was auf Berggipfeln, in repräsentativen Räumlichkeiten, etc. eben einen sehr guten Eindruck geben kann. Ein Kunde eines Hotels kann dann schon auf der jeweiligen Homepage einen sehr vollständigen Eindruck über  beispielsweise die Präsidentensuite, die Sonnenterrasse oder den Fitnessbereich gewinnen. Und genau dies ist momentan vornehmlich meine sehr anspruchsvolle Arbeit, denn diese virtuellen Graphiken sind in ihrer Erstellung sehr aufwendig, damit auch teuer und schließlich Aushängeschild eines Unternehmens. Damit sind auch viele Korrekturarbeiten an den Photos verbunden, die mit Photoshop gemacht werden. Bin gerade noch bei der Einarbeitung und spiele mit den unendlichen Möglichkeiten (erster Versuch ist ja auch als Header auf dieser Seite gelandet, wird aber noch verbessert&hellip dieses tollen Programms herum um dann mehr und mehr Arbeiten selbständig übernehmen zu können. Überhaupt macht die Arbeit mit hervorragendem Material wie es Pascal gerade dafür angeschafft hat einfach ne Menge Spaß. Eine sehr edle digitale Spiegelreflex ( bei der ich täglich überlege, nicht mal nen kleinen Versicherungsbetrug über meine frisch abgeschlossene Haftpflichtversicherung zu starten&hellip, das spezielle Stativ und natürlich der Mac. Für Laien auch Apple PC, mit dem alles einfacher und schneller geht, mein nächster wird einer, kann ich ja hoffentlich bald auch von der Steuer absetzen;-) Mein erster Auftrag ist letzten Freitag glücklicherweise sehr reibungslos gelaufen, die Photos waren sehr gut und ließen sich sehr gut verarbeiten. Die neue Homepage mit den Ergebnissen geht diese Woche online, der Link wird nachgereicht. Quasi als Beweis liebes Tagebuch, dass ich hier durchaus sehr tätig bin! Habe da eine kleine Cabin (Ferienhaus) abgelichtet, von einem unglaublichen Typen. Er ist selbst Holzfäller gewesen und hat nun sechs von diesen Häuschen in kompletter Eigenarbeit mit viel Spaß und Detailverliebtheit aus Holz erstellt. Dann waren es insgesamt 3 Jahre Bauzeit - auch hier großen Respekt, besonders wenn man bedenkt, dass ihm seit einem Unfall vor einigen Jahren die linke Hand fehlt!
Ansonsten, lebensgefährliches Rodeln haben Pascal und ich betrieben, das geht hier recht gut. Wahlweise benutzen wir dafür unsere blauen etwa 50cm durchmessenden Rodelteller namens „Twister“, wobei hier der Name Programm ist und ein rückwärtiges, kontrolliertes Ausweichen bei doppelter Lichtgeschwindigkeit manchmal unnötig erschwert, oder dem „GT“, einem Lenkschlitten mit Sitz und zwei Kufen. Auch darauf, zu zweit und mit einem Seil hinter dem Auto mit deutlich über 35km/h auf der verschneiten Straße gezogen, erlebt man so einige atemberaubende Momente, besonders im Dunkeln (Gruß an Mama, bleib cool). Solche Aktionen sind immer mal zum spontanen Austoben sehr willkommen und dank fußläufig fünfminütiger Entfernung der Berge eine willkommene Abwechslung vom Bildschirm. Jetzt geht’s aber mal ab ins Bett, morgen versuchen wir mal ein Auto für mich fit zu bekommen und dieses Mal hoffe ich liebes Tagebuch, wird es bis zum nächsten Eintrag nicht so lange dauern, denn ich muss Dir noch dringend von den Erlebnissen mit unseren Gästen aus Bochum in den letzten 4 Tagen berichten und dann hoffentlich auch endlich mit Photobeweis!!

21.2.07 09:00
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Filmriss (21.2.07 10:01)
Wenn es dich beruhigt, wir sind in den letzten 5 Karnevalstagen auch hin und wieder rückfällig geworden
Viel Spass noch Andre

Filmriss

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