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Verehrtes, aber vernachlässigtes Tagebuch, ich habe oft an Dich gedacht, aber es war ein wenig zu tun die letzten Tage, aber davon werde ich Dir nun berichten. Jetzt habe ich mir mal die Zeit genommen und es mir im gemütlichen KIWA Café in Valemount gemütlich gemacht. Hier starten sie mittlerweile schon bei der Begrüßung mit der Zubereitung des von mir so geschätzten French Vanilla Latte, der auch jetzt hier neben mir in der Tasse dampft. Genau der richtige Tag für ein Heißgetränk, denn der Weg hierhin führte mich durch Regen und etwa 5 Grad, der hier seit dieser Nacht als wohl ernstzunehmender Frühlingsbote eingekehrt ist. Zuverlässige Quellen berichteten mir, dass die Menschen in Deutschland diesen Winter, der eigentlich gar keiner war, sehr viel Café getrunken haben müssen.
Gestern hat ein wohl entscheidender Schritt meiner Selbständigkeit stattgefunden – ich habe mein eigenes Auto angemeldet! Es handelt sich dabei um Kaz und Pascals vorheriges Auto, mit dem Jenny und ich auch schon bei unserem Erstbesuch in Kanada unterwegs waren und der seit nun fast einem Jahr auf dem Hof der Eltern im Wald stand… Ein Suzuki Swift, gut 60PS mit Automatik, fährt des öfteren nur auf drei Pötten, linker Blinker defekt (versuche ich mal zu reparieren), Reifen geht so, neue Batterie und hat definitiv ein Eigenleben – kurz gesagt ein Traum in weiß. Ich hoffe er hält ein paar Kilometer und ich kann mal spontan in die Areale um Valemount vorstoßen, selbständiger arbeiten und spontaner mal gutes Wetter ausnutzen - wenn es denn wiederkommt. Als ich die ersten Meter damit gefahren bin, hat sich sofort ein Gefühl der Freiheit und Freude der Erinnerungen an die 8-tägige Rundtour mit Jenny bei glücklichem Sonnenwetter eingestellt. Ich glaub wenn ich wieder in Ratingen bin, möchte ich diesen Luxus der Unabhängigkeit auch wieder genießen, ist ja schon nett – nett bequem und nett teuer.
In der vierten Woche away from home hatte ich so einen kleinen emotionalen Hänger und konnte die Gefühle meiner Freunde, die mal eine längere Zeit im Ausland verbracht haben gut nachvollziehen. Es sind wirklich richtige Phasen die man durchlebt. Die ersten Tage sind einfach nur von Adrenalin und Vorfreude über den Schritt geprägt und gehen dann in eine gut dreiwöchige Phase über, in der man alles neu entdeckt und sich das ganze eigentlich wie Urlaub anfühlt. Danach wiederholen sich die ersten Dinge, besonders wenn man irgendwo stationär ist und mit anderen Menschen zusammenlebt, die einen geregelten Alltag haben. Irgendwo muss man sich doch auch erst selbst finden in dieser neuen Situation in der eben nichts mehr ist, wie es vorher war. Keine Familie, keine Freundin und Freunde in der Nähe, neues Aufgabenfeld mit vielen neu zu erlernenden Dingen, keine eigenen 4 Wände, andere Sprache, andere Freizeitaktivitäten, keine Partys, keine Ballsportarten, andere Sprache, kein Schumacher und Rotwein, nur eine geschmacksneutrale Käsesorte, Familienbestandteil,… - das ist denke ich auch immer sehr gut und wichtig um sich über vieles klar zu werden was vorher selbstverständlich und unüberdacht war. Aber es kann eben auch anstrengend sein, wenn so eben fast nichts mehr ist, wie es normalerweise ist, jedenfalls für einen so scheinbar sicherheitsbedürftigen Menschen wie ich mir momentan manchmal vorkomme. Spannend aber auf jeden Fall und tut mal gut in ein komplett anderes Leben zu springen.
Seit zwei Wochen bin ich nun auch in Pascals Projekte nach meiner Einarbeitungsphase deutlich mehr und mit mehr selbständigerer Arbeit eingebunden. Von meinem ersten Photo-Shooting für die Ferienhäuschen des Einhändigen habe ich ja schon erzählt, die neue Homepage ist nun online und unter www.willowburlcabins.ca als ersten Nachweis meiner Arbeit abrufbar;-) Letzte Woche eine mal ganz andere Herausforderung, Essen in einem japanischen Restaurant in Valemount ablichten und möglichst appetitlich in Szene setzen. Das hat sehr gut hingehauen, aber es war nicht leicht gut anderthalb Stunden herrlichste Essenplatten zu fotografieren, die direkt aus der Küche kommen und deren Duft einem bei den Makro-Nahaufnahmen so furchtbar gnadenlos permanent in die Nase steigt und man nichts anrühren darf. Klar hatten sie zu diesem Shooting nur die besten und appetitlichsten Dinge aufgefahren, die die japanische Küche zu bieten hat – war Dank ununterbrochenem Speichelfluss glaube ich am Ende auch ein wenig dehydriert. Da sie für die danach kalten Gerichte keine Verwendung mehr hatten und sich wahrscheinlich durch meinen schmachtend bis gierigen Gesichtsausdruck auch ein wenig genötigt fühlten, durfte ich mich anschließend über die Photoobjekte hermachen und mir die Rosinen rauspicken – netter Job kann das sein. Während der Photografie machen die Kunden grundsätzlich alles für dich, bauen um, verrücken, besorgen, beleuchten, halten Dinge, alles auch mehrfach, nach einem Irrtum auch wieder wie ursprünglich und sind trotzdem noch vollkommen dankbar, da ja uneingeschränkt abhängig;-) Das gilt zumindest für alle Projekte, die mit dem Großprojekt für die Präsenz im neuen Touristik-Infozentrum zu tun haben. Hierfür versucht Pascal möglichst alle ortsnahen Gewerbe zu gewinnen um mit einer Photo-Slideshow oder einem Kurzfilm verbunden zu sein. Diese Infoseite wird jedoch zunächst nur im Infocenter zu sehen sein, weswegen ich hier zunächst leider keine Arbeitsnachweise liefern kann. Dafür waren wir letzte Woche auch einen Tag im Schnee unterwegs Filmmaterial sammeln bei, aber eigentlich eher mit den Veranstaltern von Hundeschlittentouren, dafür müssen wir aber noch das Film- und Photomaterial sichten und bearbeiten, deswegen berichte ich über diesen Tag erst beim nächsten Eintrag, dann aber auch vollständig mit Beweis. Diese Woche nun ist unser aufwändigstes Projekt gestartet, das nun auch noch eine umfangreiche Erweiterung bekommen hat. Zwei Tage die Woche arbeitet Pascal als Systemadministrator und Grafik-/Webdesigner für Mike Wiegele in Blue River, das etwa eine Autostunde südlich liegt und bei unserem letzten Besuch Wohnsitz war. Der mittlerweile 70jährige hat vor gut 30 Jahren nach dem schneesichersten Ort auf der Welt gesucht und ihn in Blue River gefunden. Seit dem hat er ein luxuriöses Ambiente für betuchte Gäste geschaffen, die keine Lust auf Piste und Lift, sehr wohl aber auf Tiefschnee und die Beförderung via Helikopter haben und nicht selten prominent von der ganzen Welt zu Besuch kommen. Wir möchten nun für das ganze Dorf und die einzelnen Gebäude/Räumlichkeiten eine virtuelle Tour vergleichbar mit unserem Erstversuch der Willow Burl Cabins machen. Da haben wir ja nur einen Hotspot auf der Treppe, über den man auf die andere Etage gelangt. Dies soll bei www.mikewiegele.com natürlich alles größer werden, genau so wie die gesamte Homepage. Unter anderem sollen eben Lobby, Gym, Essensräume, alles soll zu einer virtuellen Tour mit 360 Grad Blicken verbunden werden. Von der Gymnastikhalle gelangt man über einen Klick auf die Tür in die Lobby, von da wiederum auf den Vorplatz, bei einem Klick auf die Chalets in eine Innenansicht und bei einem Klick auf einen Hubschrauber auf einen Berggipfel mit perfektem Panoramablick. So viel zur Theorie, Pascal programmiert eifrig und ich bemühe mich um verwertbares Photomaterial. Es erfordert eine große Sicherheit mit vielen technischen und physikalischen Details der Photografie, die mir bisher unbekannt waren. Die kurzen Momente in denen die Photos geschossen werden können, erfordern volle Konzentration, denn alles muss ja bei vollem Gäste-/Publikumsverkehr geschehen und zwar so, dass sich kein Gast gestört fühlt und aus urheberrechtlicher Sicht auch möglichst kein Gast drauf ist – denn erfolgreiche Klagen sind hier ähnlich teuer wie in den USA. Entweder scheint nur kurz die Sonne, der Schnee liegt unangetastet frisch, das Büfett ist angerichtet oder das Personal wartet kurz im Nebenraum – will sagen, man hat oft nur eine kurze Möglichkeit unter optimalen Bedingungen eine Photoserie zu schießen, die sich dann noch perfekt zusammenfügen lassen muss. Ist spannend, kreativ, technisch, anspruchsvoll, abwechslungsreich und macht in Summe unglaublichen Spaß. Cheffe will mich bisher eigentlich behalten und hat mich gestern gefragt, warum ich eigentlich BWL studiert habe. Falsche Frage. Das zweite und neue Projekt ist eine neue 60seitige Werbebroschüre für das Unternehmen mit vielen lockenden Fotos und in Abstimmung mit den gewünschten Wirkungen auf Angestellte und Kunden – auch das wird eine spannende Herausforderung und langweilig wird uns in den nächsten Wochen sicherlich nicht werden.
Gut also, dass wir neben den manchmal recht angenehmen Arbeitsinhalten auch mal Wochenende haben, oder die Gunst des Selbständigendaseins zu nutzen und Arbeit auch mal in den Abend oder ins Wochenende verschieben zu können, wenn das Wetter es erfordert;-) Wir waren zwar erst zweimal Skifahren, aber ich genieße momentan den Umstand, mich nur auf Pisten zu bewegen, wenn die Wettervorhersage dies auch als unausweichlich einfordert. Aber auch hier ist es so langsam vorbei mit Champaign-Powder, denn die Temperaturen steigen und der Frühling drängt sich auf. Vor drei Wochen waren mit Gianna ihrem Freund Sebastian eine Freundin aus ehemaligen Judozeiten Pascals für 5 Tage zu Besuch. Sie waren ne Woche zum Skifoan in Lake Louise und Banff und konnten nun die Gelegenheit nutzen, auf einen Besuch vorbeizukommen. An einem Tag haben wir einen Ausflug in den Maligne-Canyon gemacht. Dies ist eine lange, schmale und sehr tiefe Schlucht, in die man am Ende im Winter wenn es lange Zeit kalt genug gewesen ist, vom Ende aus über das Eis hineinlaufen kann. Bei meinem Erstbesuch vor drei Jahren blieb uns dieses Glück leider verwehrt. Dieses Mal jedoch konnten wir die vielen gefrorenen kleinen Bäche die im Sommer von der linken und rechen Seite in die Schlucht fließen aus nächster Nähe beeindruckend bewundern. Das sind richtige Kunstwerke aus Eis, die wenn die Sonne scheint, noch viel prächtiger in Weiß- und Hellblautönen schimmern sollen. War so aber auch schon sehr beeindruckend und vor allem glatt. Eine ebene Ebene aus Eis ist glatt, aber man kann drauf laufen – da jedoch gibt es an mehreren Stellen schiefe Ebenen aus Eis und das ist dann wie eine Folie mit Seife am Hang, für alle anderen lustig, bis auch sie dran sind. Leider war es ein Wochenendtag und so war dort ne Menge los. Nicht zuviel, aber so viel, dass wir leider keine 360-Grad-Aufnahme machen konnten, denn sobald bewegte Objekte auf den einzelnen Fotos sind, lassen sie sich kaum mehr zusammenfügen. Dafür haben wir aber einige Eiskletterer gesehen und uns sehr zwingend auferlegt, uns dafür in den nächsten Tagen mal die restlich notwendige Ausrüstung zu leihen und dies auch mal zu versuchen. Denn damit kommt man an Orte, an die man normalerweise nicht kommt – und schon gar nicht, um dann von da aus Fotos zu machen.
Eine weitere Sache die zwischendurch mal ähnlich dem Boule in Frankreich, oder dem neumodischen Golf zur Entspannung von Männern gespielt wird ist für uns das Bogenschießen. Irgendwie brauchen wir urtriebgesteuerten Wesen das ja noch ein wenig und können solche Dinge mit einer Prise Wettbewerb, Jagen und in der Natur unendlich lange machen, ohne dass es langweilig wird und ohne das man merkt, wie die Zeit vergeht…Als Areal dient uns da der elterliche Wald von Kaz und als Ziele nehmen wir die im Wald aufgestellten Rundstrohballen und befestigen uns ein Blatt Papier mit gemaltem BullsEye. Es ist wirklich enorm, was diese Dinger – und wir haben beide nur Sportbögen mit einer verhältnismäßig geringen Zugkraft schon für eine Durchschlagskraft haben. respekteinflößend ist das, es sind Waffen und es ist nur zu erahnen wie diese früher gefertigt und eingesetzt wurden. Auch hier muss ich wieder einmal Respekt zollen, dieses Mal an unsere Vorfahren, die damit gejagt haben und mit nicht so technischen und präzise gearbeiteten Bögen auch kleine, weit entfernte und vor allem oft auch bewegte Ziele getroffen haben. Aber Achtung, Bogen schießen macht Riesenspaß, die Zeit vergeht wie im Flug und Suchtgefahr!!
Abschließend habe ich nun auch endlich ein paar meiner bisherigen Fotos auf die Kodak-homepage gepackt. Man kann sie sich dort über den link als Diashow, einzeln ansehen und Kommentare schreiben. Ein herunterladen ist leider nicht möglich, ich hoffe bei Euch funzt der Link.

http://www.kodakgallery.de/Slideshow.jsp?mode=fromshare&Uc=bbnu6q65.1m3s0ol9&Uy=7eep25&Ux=0&localeid=de_DE

Wenn nicht, bitte einen kleinen Alarm an mich, mal sehen was ich tun kann und auch über Kontaktaufnahmen außerhalb von Alarmsituationen freue ich mich sehr!
Bis zum nächsten Eintrag nun verehrtes Tagebuch und ein dickes Dankeschön an meine liebe Gastfamilie hier in Valemount, die mir das Gefühl und den Stellenwert eines Familienmitglieds geben und mir die nun schon 5 Wochen in diesem Land sehr einfach und im positiven Sinne unvergesslich machen.

8.3.07 08:47
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Benni (8.3.07 11:29)
Ich liebe deine Texte! :-)
Schön das es dir immer noch gefällt und du dich in die Arbeit stürzt.
Dein Header gefällt mir ausgesprochen gut, das Fotoalbum funktioniert auch.
Die "Willow Burl Cabins" Site - Kompliment.
Liebe Grüße
Benni


Jenny (9.3.07 08:27)
Hey Du!

Finde, Du könntest langsam wieder zurückkommen und mich betreuen !! Naja, die 7 Wochen werden jetzt auch noch fix vergehen, ne? Wünsche Dir viel Spaß und gutes Ankommen mit suzuk und der Frühling kommt manchmal dann doch gar nicht so schnell wie er sich ankündigt. Ein paar schöne Abfahrten werden bestimmt noch drin sein (Neid!).

Liebe Grüße, Jenny


Filmriss (10.3.07 14:02)
Schön,schön, schön!
Wenn man den Text liest könnte man meinen du würdest fast wirklich arbeiten da
Ich könnt auch noch mal ne Woche Skifahren aber hier gibt es ja gar kein Schnee mehr.
Ist der Frühling mit 5 Grad im März in Canada auch viel zu warm?
Viel Spass noch!
Filmriss

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