Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 

http://myblog.de/kanada07

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Gestern war ein harter Tag für mich. Ein harter Tag, weil in Ratingen die große Geburtstagsfeier von Thomas und Anton stattgefunden hat und ich den ganzen Tag an all die Menschen denken musste, die da gerade mit wahrscheinlich herrlichem Schumacher Alt vom Fass ausgelassen ne Menge Spaß haben. Ja auf Party und einen Abend mit vielen Freunden habe ich wirklich so langsam richtig Schmacht. Das fehlt hier wirklich sehr, die dorfeigene Jugend macht sich nach der High School direkt auf in die Welt und wenn sie wiederkehrt baut sie eine Familie. Partymäßig ist hier also wirklich nichts zu holen, wie gesagt, nicht mal ein Pub…- einziger Vorteil, es gibt keine Katertage, aber auch dieser Schmerz ist ja meistens auch gar nicht soooo schlimm;-)
Sehr erfreut bin ich über meinen SUZUK, der mich bisher tapfer - mal auf vier, mal auf drei Zylindern - durch die Berge schaukelt und dabei nur etwas über sieben Liter verbraucht. Das ist besonders an der Tankstelle immer wieder eine Freude, kein Wunder bei etwa 65 Eurocent der Liter Super. Erst nach der Anmeldung ist mir aufgefallen, was da so alles anders ist als bei uns. Man geht mit den Fahrzeugpapieren einfach zur Versicherung und sagt bitte versichern. Dann bezahlt man den Jahresobulus, bekommt im Gegenzug sein Nummernschild und kann losfahren. Es gibt hier weder einen TÜV (was sich für mich als teilweise irgendwo zwischen beängstigend und leichtsinnig herausgestellt hat) und keine Kraftfahrzeugsteuer (was ökologisch total daneben ist, weil dann auch diejenigen, die keinen riesigen Jeep brauchen einen kaufen und somit ein Durchschnittshubraum von rund 4 Litern Standard ist, selbstverständlich fährt hier keiner außer mir auf meistens 4 Zylindern… Ich genieße neben der zum Glück ja überwiegend sehr flexiblen Arbeit momentan die Nähe zu einem Skigebiet, gepaart mit dem Besitz des Auto“mobil“s. Spontane Skitage nur wenn es entweder Neuschnee gegeben hat, oder die Sonne scheint sind ein bisher noch nicht gekannter und schon antizipiert vermisster Luxus. Besonders reizvoll wird diese täglich Offerte auch noch dadurch, dass ich mit Pascals Ausweis und einer tief ins Gesicht gezogenen Mütze und verspiegelten Sonnenbrille am Ticketcounter eine Tagesskipass für lau bekomme weil er Mitarbeiter bei Mike Wiegele ist… Daran wird deutlich wie bedeutsam dieser Wiegele hier ist und was seine Referenz für die eigene Arbeit und Selbständigkeit von Pascal bedeutet. Habe in den letzten Tagen viel über mich und meine Arbeitssituation nachgedacht. Das ist schon komisch, wenn man das Gefühl hat, in Deutschland wartet arbeitstechnisch einfach niemand auf mich, ganz im Gegenteil, ich muss mich eher fast noch aufdrängen und mich so verbiegen, wie die Herren Personalchefs ihre Berufseinsteiger oder auch Praktikanten haben wollen. Und hier…- die Arbeitgeber fragen suchen besonders Arbeitskräfte aus Deutschland aufgrund ihrer Arbeitsauffassung und qualitativen, zuverlässigen Arbeitweise. Gerade mache ich einen Job, der mir unglaublichen Spaß macht auch wenn die Arbeitszeiten wie letzten Freitag von 17h bis 3 Uhr morgens gehen oder wir nicht selten bis um 22h noch am Rechner sitzen und rumprobieren, wie wir die Qualität noch steigern können. Ich gehe abends fertig ins Bett aber freue mich schon auf den nächsten Tag, auch wenn er lang und anstrengend wird, die Arbeit macht einfach Spaß - das habe ich mir eigentlich immer so gewünscht. Als ich meinem Studienkollegen Benni davon berichtet habe wurde ich in der Antwortemail erstmalig zitiert: “Jetzt macht mir mein aktueller Job so viel Spaß und wofür habe ich mich 6,5 Jahre mit dem BWL-Studium herumgeschlagen? – Ein Photokurs in der Volkshochschule hätte mir mehr weitergeholfen…“ – er empfand das eher als suboptimale Motivation für den Beginn seiner Diplomarbeit. Darum drehen sich Fragen, die jeden Tag beantwortet werden wollen. Habe ich gemessen an meinen Fähigkeiten und Eigenschaften das richtige studiert? Will ich überhaupt in dem Bereich arbeiten, den ich bisher kennen gelernt habe? Warum nicht da arbeiten und leben, wo andere Urlaub machen? – Zumal die Zusammenarbeit mit meinem Chef wirklich sehr gut ist. Wir sind uns charakterlich ähnlich genug, um auch im Stress und vielen gemeinsamen Stunden (24 jeden Tag) noch immer konzentriert, wechselseitig produktiv kritisch und effizient zu arbeiten. Wir haben in der Regel auch eine Menge Spaß und albern mal rum, sind jedoch in der Arbeitsauffassung absolut konform jedem Kunden ein 110% Produkt abzuliefern. Da gibt es nie Diskussionsbedarf, dass was möglich ist, wird realisiert. Gerade bei unserem Pilotprojekt, das gesamte Angebot von Mike Wiegele möglichst realistisch über virtuelle Touren zu präsentieren, versuchen wir permanent die Qualität zu verbessern. Denn mit dieser Referenz lässt sich mindestens in Kanada noch einiges erreichen. Gerade für die gesamte Tourismusindustrie ist doch die Außendarstellung des Ambientes, der oft aufwändigen Architektur, Inszenierung und Gestaltung der Räumlichkeiten sowie der Lage bzw. Umgebung, die Möglichkeit dem potentiellen Kunden über die 360-Grad-Blicke einen viel realistischeren und umfangreicheren Eindruck zu vermitteln und sich damit von der Konkurrenz abzuheben. Bei der Internetrecherche haben wir bisher im Vergleich zu anderen Produzenten eine weitaus höhere Qualität erreichen können, was sich in wenigen Fehlern aus dem Zusammensetzen der Einzelbilder und dem schwierigsten Foto ergibt, eben dem aus exakt demselben Punkt im Raum gerade nach unten, um das Stativ herausschneiden zu können. Andere Anbieter machen es sich damit sehr einfach, sparen sich diesen schwierigsten Teil und knallen unten einfach ein Logo rein – wirkt nicht besonders professionell… Aber auch das haben wir mit diversen kreativen Einfällen und Gängen zum Baumarkt inzwischen mit recht hoher Qualität und Zuverlässigkeit hinbekommen und streben in dem Sektor mal ganz bescheidne die Weltherrschaft an. Zu schade, dass die Kunden dann vorerst Luxushotels und –resorts auf der ganzen Welt wären, oder auch erstmal nur Autohäuser, Kurorte, Restaurants, Freizeitparks, Freizeitbäder,… - so viel zur Theorie und unseren Träumen à la vom Tellerwäscher… Wir arbeiten dran. Wen es interessiert, unter der nicht öffentlichen Webadresse ( http://www.wiegele.com/v3/360/ ) sind unsere ersten 5 Shots in grober Vorfassung zu sehen. Wenn etwas bei Euch an der Navigation nicht funktionieren sollte, schreibt mir bitte mal ne Mail was genau, Danke!
Auch kräftig gearbeitet hat mein Chef an meinen Goldlöckchen (Danke und Gruß an meinen Käsebruder Ralf), natürlich gibt es hier im Dorf keinen Frisör und natürlich eben auch nicht meine Mama, die das ansonsten immer so hingebungsvoll zu meiner vollsten Begeisterung hinbekommt. Und da er sich nun mal schon seit Jahren die Harre mit der Schermaschine… Irgendwann sah ich halt bekanntermaßen aus wie ein Schaaf und das warme Winterfell musste sich der irgendwann doch zu arg gebeugten Eitelkeit - trotz nicht vorhandenen Dorfschönheiten - weichen. War ein Riesenspaß, so viel kann ich vorwegnehmen – allerdings vor allem für Pascal, ich erschrecke mich heute noch wenn ich morgens eine Hand auf den Kopf lege. 18mm eben, aber unglaublich praktisch in der Pflege… Selbstverständlich wurde das Spektakel fotografisch festgehalten, einige Bilder davon sind im neuen Fotoalbum zu sehen.
Ansonsten war ich recht viel unterwegs in den letzten Tagen. Jetzt Freitag erst haben wir die auswärts gelegene Albreda Lodge vom Wiegele abgelichtet und versucht das Maximum an räumlichen Eindruck herauszuholen. Das war mal ein netter Arbeitstag von 17h bis drei Uhr Nachts, aber das ist eben der Nachteil bei Kunden mit viel Publikumsverkehr, da muss man zeitlich sehr flexibel sein und eben genau dahin die Woche zuvor auch mal um 6.30h da sein, um den fertigen Frühstücksraum noch unangetastet von Gästen aufnehmen zu können. Das Abendshooting war aber recht nett, wir konnten uns richtig austoben um alles möglichst perfekt in Szene setzen zu können: Kamine anzünden, Mobiliar ausrichten, dekorieren, Lichtgestaltung,…- ist im Ergebnis aber recht ansehnlich geworden, wahrscheinlich auch weil wir uns frei in der Küche und der dazugehörigen Speisekammer austoben durften - ein großer Traum ;-)
Doch genau diesen Shot und bedeutende Elemente unserer Weltherrschaft habe ich mit einer Unterschätzung der Naturgewalten am vorherigen Tag arg in Bedrängnis gebracht. Da war ich auf den exponierten Stellen des Skigebiets von Jasper mit dem Fotoequipment unterwegs und beim Versuch, die Lichtverhältnisse bei Sonne und Schnee für unsere 360-Grad-Fotografie, zu ergründen. Da wir dem alten Östereicher Mike vorgeschlagen haben, dass es doch sinnvoll wäre, auch von seinem eigentlichen Kerngeschäft dem Heli-Skiing virtuelle Touren zu haben, müssen wir natürlich vorbereitet sein, wenn es Anfang April mit dem Heli auf die Gipfel der Monashee und Cariboo Mountains geht ;-) Da an diesem Tag aber das Wetter nicht wie vorhergesagt überwiegend sonnig, sondern eher bedeckt und teilweise böig war, reichte eine kleine Unaufmerksamkeit auf einem Bergsattel, um mich aufgrund einer plötzlichen Schneesturmattacke, die Kamera hinter meinem Körper zu schützen - aber eben nicht das Stativ. Und das hat der Wind dann mal eben umgeblasen und beim Aufprall einen Aluträger der empfindlichen Kameraaufhängung verbogen. Noch am Vortag hatte mir Pascal erzählt, wie schwer er es nur bekommen konnte, dass es 300 US $ koste und es aufgrund des Zolls mal eben 6-8 Wochen Lieferzeit aus den USA gebraucht hatte. Danke sehr, das war es dann wohl mit der Weltherrschaft. Denn wie mir der freundliche Verkäufer im Fotoladen von Jasper postwendend verkündete, ist das ja mit Alu zurück biegen so eine Sache. Bricht dann eben in der Regel, great! Mit einem elenden Gefühl fuhr ich dann die 1,5 Stunden nach Valemount zurück, überlegte an Ausreden, Lösungsmöglichkeiten und wie ich es Pascal beibringen würde. Aber er reagierte natürlich wieder einmal absolut entspannt, das bekommen wir schon hin…Haben wir dann auch, nach lächerlichen drei Stunden in der Werkstatt von Kaz Vater und unter Einsatz aller physikalischen Gesetze der plastischen und elastischen Verformung, Hebeln und Kybernetik – aber was war das schon in Anbetracht der Weltherrschaft… Ergebnis für uns aus diesem Versuch war übrigens, dass wir immer zusammen arbeiten sollten. Denn vier Augen sehen immer mehr als zwei, zwei Gehirne kriegen mehr auf die Kette und vor allem: Vier Hände könne mehr halten als zwei.
Am vorherigen tag reichten meine zwei Hände allerdings. Nachdem ich mir morgens um 8h aufgrund des Bonussystems (der 11. Café ist for free) meinen ersten großen Frei - Café Latte French Vanilla abgeholt hatte, ging es mit Bryan und seiner Tochter Cameron zu deren etwa 20 Kilometer von der letzten Straße gelegenen Holzhütte mit gut 30 Meter entferntem Plumpsklo und Außensauna. Eine traumhafte Lage auf einem Plateau direkt an einem See, ringsherum Berge und eben im Radius von gut 20 Kilometern keine Zivilisation – hier muss es auch im Sommer recht nett sein. Die Familie hat die, im ersten Geschoss 8 Personen Schlafplätze bietende Hütte, vor gut 15 Jahren gebaut. Seit dem lebt die Familie ausschließlich von der Vermietung an Tiefschneefreaks, die diese perfekt gelegenen Schutzhütte als Ausgangspunkt täglich variierender Besteigungen und Abfahrten von den umliegenden Bergen nutzen und schätzen. Und wenn so ein Ding einmal steht, dann muss neben der abendlichen Versorgung mit Lawinengefahrenstufen (ein netter Service via Funk), nur noch kleine Reparaturarbeiten und die Versorgung mit Gas und Brennholz sichergestellt werden. Das war also unsere Aufgabe. Eine gute Stunde hat die Hinfahrt mit zwei SkiDoos gedauert und es war schon beeindruckend, wie die beiden diese Maschinen durch den Tiefschnee, steile Anstiege, mitten durch den Wald, über sehr schmale kleine Brücken über Gebirgsbäche samt den Schlitten mit Gasflasche und einem großen Bretterstapel balanciert haben. Oben haben wir dann noch zwei Bäume gefällt und Kaminfertig zerlegt, das Dach von Eis befreit und dann ging es wieder Richtung Anhänger. Aber diesmal saß ich am Steuer. Ein Traum diese Dinger, ich fühlte mich adrenalintechnisch an meine balinesischen JetSki – Erfahrungen erinnert. Die haben einen nie zu enden scheinenden Schub nach vorne und das bei einer Beschleunigung…-sagenhaft;-) Nun konnte ich auch die vielen für mich zuvor scheinbar Verrückten verstehen, die jedes Wochenende des Winters so viele Kilometer zurücklegen und in die Dörfer der Rockies wie Heuschreckenplagen einfallen, um sich dann mit ihren „Sportgeräten“, die sich so laut und stinkend verhalten wie Motocross-Maschinen, um dann inmitten der unberührten Natur herumzutoben. Das balancieren dieser Dinger über Schrägen, bei denen man sich wie auf einem Segelboot und den Füßen auf einer Fußraste weit zu den Seiten legen muss, hoch runter, links und rechts, zwischen den Bäumen durch und immer wieder diese sagenhafte Beschleunigung die einen fast hinten runter reißt…jaaaaaaaa, mehr davon!!!!!
Heute hatte ich mal einen Tag alleine im Haus, denn „meine“ Familie macht ein paar Besorgungen im etwa 3,5 Stunden entfernten Kamloops und übernachtet dann dort. So gerne ich sie mag und so gut wir uns verstehen, mal ohne Menschen um sich herum sein tut irgendwie auch mal gut. Auch wenn ich jetzt schon das morgentliche A-N-N-A in Richtung Keller von Kai vermisse, der dies konsequent wiederholt bis ich mich zeige. Nur selten gibt er sich mit einer einfachen Antwort aus dem Bett zufrieden. Werde trotzdem morgen mal Richtung Jasper und dann weiter nach Banff aufbrechen, der SUZUK hat mich in Hinsicht Zuverlässigkeit inzwischen überzeugt. Auf dem Weg schreien noch ein paar gefrorene Wasserfälle, sowie der riesige Gletscher, das Columbia Icefield danach, vor meine Linse zu kommen. Außerdem haben meine Gastgeber dann auch noch mal ein paar Tage Ruhe vor Monica und das Wetter trägt sein übriges zu dieser Entscheidung bei. Abschließend möchte ich aber noch berichten, was der reizende Sprecher meines Radioweckers heute Morgen von sich gegeben hat. Vorweg, eigentlich interessieren sich die Kanadier in der Regel nicht erheblich für Politik oder den Rest der Welt, es wird auch kaum darüber berichtet. Höchstens mal was über die ungeliebten Amis. Allerdings haben alle ein Herz für die Natur, solche Filme wie „The inconvenience Truth“ von Al Gore werden hier in der Sporthalle auf Großbildleinwand gezeigt. Gleichsam schmeißen sie aber Glas und Batterien in den Normalmüll und produzieren Plastik ohne Ende, abgesehen von den Autos…- und dann kommt folgende wichtige Neuigkeit in den morgentlichen acht Uhr Nachrichten des einzigen empfangbaren Radiosenders hier: In Deutschland wurde eine Pille erfunden, die die Blähungen von Vieh um bis zu 90% verringern kann und damit erheblich zur Reduktion treibhauseffektfördernder Gase beitragen kann und damit einen großen Beitrag zur Verringerung der Klimaerwärmung leisten kann. Insoweit, Gruß in das innovative Deutschland, ich bin dann mal weg.

Leider ist die upload-Geschwindigkeit vom dorfeigenen W-LAN gerade mal wieder ein kleiner Traum, deswegen belasse ich es heute mal auf die wenigen Bilder die schon hochgeladen sind. Wenn ich wieder da bin gibt’s aber nen satten Nachschlag:

http://www.kodakgallery.de/Slideshow.jsp?mode=fromshare&Uc=bbnu6q65.39jrk1bx&Uy=t1bxkk&Ux=0&localeid=de_DE

26.3.07 08:43
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung