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Ja ich weiß, liebes Tagebuch – aber diesmal habe ich auch einen wirklich guten Grund. Vor gut 10 Tage fing alles mit einem gesunden Magengrummeln an, steigerte sich zu einem leichten aber für den Extremfall noch mit schmerzlindernden Mittelchen beherrschbaren Magenkrämpfchen und endete in einem 7-tägigen Magen-Darm-Fiasko à la Dumm und Dümmer mit den Hauptaufenthaltsorten Klo und Bett. Hatte schon fast vergessen wie das ist, bin nun aber nach gut 36 Stunden „ohne“ und mit stündlich zunehmenden Kräften einfach nur glücklich, dass es sich wahrscheinlich nicht um das inzwischen befürchtete „Beaver fever“ oder auch Giardia, ausgelöst durch trinken von infiziertem Wasser, handelt. Dem beinahe Hungertod also gerade noch einmal von der Schüppe gesprungen, gibt es - ausgenommen den letzten 7 Tagen - einiges Spannendes zu erzählen.
Wie erwähnt ist meine „Familie“ auf einen Zweitagestrip nach Kamloops aufgebrochen, um Besorgungen zu machen, die man in unserem Dorf eben nicht, oder nur unverhältnismäßig teurer machen kann. Nach einem Blick auf die unzuverlässige weather forecast für die nächsten Tage mit vorhergesagter Sonne, entschied ich mich dann am Sonntag Nachmittag, am nächsten morgen gen Jasper für einen Skitag und danach weiter gen Banff aufzubrechen und meinen Kurztrip und „Urlaub“ dieses Praktikums anzutreten. Ist ein etwas seltsames Gefühl von seinem nicht richtigen Zuhause sein Auto zu packen und dann für ein paar Tage raus zu sein – aber durchaus erträglich. Mit etwas Überredungskunst hatte ich tags zuvor auch die Erlaubnis für die Mitnahme der kompletten Kameraausrüstung vom Chef bekommen und somit überstieg der Wert des Gepäcks den des treuen Gefährten SUZUK um ein Vielfaches. Dieser bekam noch einmal einen Liter Öl spendiert, voll getankt, bei Kiwa einen Café „to go“ erstanden und ab ging es. Enorme Freiheit habe ich in diesem Moment gespürt. Das Auto voll getankt und gefüllt mit Utensilien, die es einem erlauben würden auch ein halbes Jahr über diesen riesigen und landschaftlich sehenswerten Kontinent zu steuern. War zwar schon spät unterwegs, aber hatte in Marmot Basin dann doch irgendwie riesiges Glück. Denn den höchstgelegenen Sessellift „Paradise Chair“ erreichte ich erst gegen kurz nach elf, der hatte aber gerade einmal 5 Minuten den Betrieb aufgenommen – recht nett war dann die erste Stunde in 30cm unverspurtem Neuschnee und strahlendem Sonnenschein ;-) Danach konnte der Tag eigentlich nur noch schlechter werden, deswegen war danach auch erst einmal eine Terrassenpause gegönnt, bin danach aber trotzdem noch tapfer weitergefahren und habe den herrlichen Sonnentag mit einigen Seiten meiner Lektüre „ Fast Food Nation“ über die von mir so geliebten Amis bis zum letzten Sonnenstrahl auf der Terrasse ausklingen lassen. Danach ging es zur Übernachtung in das kleine Hi-Hostel in Jasper, in dem Jenny und ich drei Jahre zuvor auf dem gleichen Weg schon einmal eine Nacht verbracht hatten, denn Zeit heilt bei mir eindeutig wunden. Es ist allerdings sehr gemütlich und mit Jugendherbergsausweis kann man eben für 20 kanadische Dollar, also gut 14€ sehr kostengünstig übernachten. Aber irgendwie ist mir da inzwischen ein Zelt lieber, vielleicht bin ich dafür auch zu alt geworden. Zu alt für Gemeinschaftsküchen, Schlafsäle und zu aufdringlich interessiertes und freundliches alternatives Strickpullipublikum. Wäre ich doch nicht auf Entzug gewesen! Möchte auch nur eine kurze Impression der ersten Nacht geben. Gegen 23h und nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen meiner so lieben Mitbewohner mich in ihre Spiele- und Gesprächsrunden zu integrieren, trat ich den Gang in mein Schlafgemach an. Dort steht mein Doppelbett, in dem ich einen der gut 50 Schlafgelegenheiten in diesem verdunkelten Raum in der oberen Etage nutzen werde. Der Raum war leicht zu finden, immer den Schnarchgeräuschen und der Nase nach, 30 Jungs nach einem Skitag eben. Ein kleiner Traum. Ein ebenso kleiner Traum war, dass mein Bett direkt am Ausgang zum Flur stand, dem Flur, wo 24 Stunden die Neonröhren brennen. War also nahezu taghell auf meiner mit Plastikfolie überzogenen Matratze, die zudem direkt unter einem Heizungslüfter lag und das schön unter der Decke. Nun ja, müde war ich ja genug und dass die Matratze am unteren Drittel mit Panzerband geflickt war, fand ich auch gar nicht so schlimm, denn mein Gedächtnis war ja erstaunlicherweise noch gut genug, ein Bettlaken mitnehmen zu lassen. Das erste Mal wurde ich gegen 1h wach, als etwa 4 Jugendliche (empfundene 12) von ihrem Partyabend aus Jasper mehr oder minder angetrunken und undiszipliniert und ungeschickt auf der Suche nach ihren Betten den Schlafsaal durchforsteten. Wieder einmal war ich kurz davor gegen meine Verweigerung zu verstoßen, jedoch erledigte die angemessene nächtliche Ansprache jemand anders für mich mit – es waren ja alle wach. Immerhin schnarchte nun auch niemand mehr und so hieß es nun schnell einschlafen. Leider nutze die junge Dame am die ganze Nacht besetzten Empfang anscheinend die Gelegenheit mit all ihren Freunden aus anderen Zeitzonen zu telefonieren. Für das zweite Erwachen in dieser Nacht ließ sich leider kein Schuldiger finden. Diesmal wunderte ich mich noch im Halbschlaf darüber, wer meinen Unterschenkel denn da festzuhalten schien und zog ihn dann ruckartig weg. Ich war wieder frei, aber meine Beinbehaarung hing am sich gelösten und auf links gedrehten Panzerband der Matratze, meinen Schutz davor das Laken, hatte ich in anbetracht dieser Umstände wohl souverän weggearbeitet. In diesem Moment fragte ich mich viele Fragen aus dem Bereich warum ich, womit habe ich das verdient, bin ich zu alt für so was,…- wie schlafe ich bei dem Schnarchen jetzt wieder ein? Ich nutzte das herrliche Wetter des nächsten Tages vollkommen unverständlicherweise aber noch einmal und schlief auch noch einmal in diesem ansonsten recht netten Hostal. Warum auch immer.
Für die dann anstehende 250 Kilometertour über den Icefields Parkway nach Banff und über Lake Louise brauchte ich für die Photos die ich machen wollte wiederum Kaiserwetter – und das bekam ich auch für einen weiteren Tag geschenkt. Jetzt musste nur noch der SUZUK halten und der hatte schon vor drei Jahren bei Jenny und mir aufgrund von Rauchzeichen schon einige kleine Pausen benötigt. So beschloss ich auf dieser herrlichen alpinen Panoramastraße nie schneller als 70 zu fahren – mehr wäre eh höchstens bergab mal drin gewesen… Um es vorwegzunehmen, der SUZUK kam dem Ruf der zuverlässigen japanischen Automobile vollkommen nach, schnurrte wie ein Kätzchen und rauchte diesmal sogar nicht einmal. Er scheint wohl wie ein guter Wein zu sein. Ich konnte somit also diesen eindruckvollen Tag genießen und kam auch erst gegen halb zehn in Banff an. Zahllose Male bin ich ausgestiegen und habe Fotos gemacht, auch drei 360-Shots, wovon einer demnächst auf unserer neuen Homepage für Panoramaphotographie zu sehen sein wird. Die Natur ist und bleibt für mich immer noch der größte Künstler, einfach grandios, eindruckvoll und unnachahmlich was sie zu bieten hat. Ein großes Glück, so etwas bestaunen und erleben zu dürfen.
In Banff angekommen, hatte ich nach halbstündiger Suche dann auch endlich das Hostal meiner nächsten Übernachtung gefunden. Ja wieder ein Hostal, hatte mir plötzlich in den Kopf gesetzt, mit meinem knappen Bargeld genau hinkommen zu wollen. Wahrscheinlich zu viel frische Luft... An der Rezeption dieser mir ebenfalls bekannten Unterkunft bekam ich diesmal ein Bett in einem 6er Zimmer Nr. 104 zugewiesen – bessere Vorraussetzungen schon einmal. Dachte ich noch so. Jedoch schon beim Versuch in das Zimmer hineinzukommen erinnerte ich mich daran, dass dieses Kartensystem doch schon damals nicht so richtig gut funktioniert hatte und meist die vom Geräusch genervten Mitbewohner die Tür eher von innen geöffnet hatten, als man mit der Karte erfolgreich war und die kleine LED auf „grün“ umsprang. Versuch 12 hatte Erfolg. Direkt mal souverän mit meinem halben Gepäck unter dem Arm das Licht angemacht – war ja erst 22h. Doch mit dem „erst“ lag ich etwas falsch, denn meine restlichen 5 Mitbewohner lagen schon im Bett. Für mich gab es wieder eine obere Etage eines Doppelbettes, worunter ein etwa 50jähriger, mit auf der Brust verschränkten Armen, zu schlafen schien. Nach drei Minuten betont rücksichtsvoll leisem Einräumen mahnte dieser mich aber mit einem „pschhhhhhhht“ zu nicht mehr möglicher Rücksichtnahme, denn die Luft anhalten werde ich bestimmt nicht. Prost Mahlzeit und willkommen im Hostal, warum lerne ich eigentlich nicht aus meinen Fehlern – gerade wenn sie noch so kurz zurückliegen? Egal, dass zieh ich jetzt durch und werde extra noch einmal mehr zur Tür hereinkommen und hoffentlich heute Nacht laut schnarchen! Nach einem wenig spektakulären Abend und denselben Begegnungen wie in den beiden Tagen zuvor, wurde ich diesmal feierlich von meiner gesamten Zimmerbesatzung geweckt, die wohl kollektiv um 6.30h aufzustehen schien. Nach den üblichen Gedanken fiel mein Blick jedoch auf das Fenster und insbesondere die pink-orangen Strahlen die sich am Vorhang vorbeizuquetschen schienen. Sonnenaufgang! So gehörte ich plötzlich auch zum Kollektiv, zog mir schnell ein paar Sachen über, packte die Kamera und rannte raus. Und dieses Aufstehen hatte sich wirklich gelohnt, wiederum ein beeindruckendes Farbschauspiel der Natur, einige der Bilder sind zum Beweis, dass sich frühes Aufstehen in seltenen Fällen auch mal lohnen kann, in meiner Galerie hochgeladen. Den sich anschließenden Vormittag verbrachte ich damit, alle 12 Sportgeschäfte von Banff nach einem gebrauchtem Splitboard, also einem für den Aufstieg quasi in der Mitte längs durchgeschnittenen Snowboard, zu befragen. Ohne Erfolg allerdings, es gab nicht mal ein Neues zu kaufen. Faule Menschen sind wir. Gegen Mittag machte ich mich dann auch schon wieder auf den Heimweg. Einen kleinen Zwischenstop gönnte ich mir noch in Lake Louise, denn vor drei Jahren gab es dort am Fairmont Park Hotel, direkt am Lake Louise, ein Feuer und Hot Chocolate für lau – doch auch hier hatte der Rationalisierungsrotstift anscheinend inzwischen zugeschlagen, es gab nicht mal mehr ein Feuer. Zu allem Überfluss brach ich dann zum Glück nach meinen 360-Shot in Mitte des gefrorenen Sees zwischen Gletscher und Hotel dann auch noch bis zum Knie ein. Nach ein paar Metern Krabbelei, traute ich mich dann wieder in die Fortbewegungsart unseres Evolutionsstands und das Eis hielt. Gut für mich und die Photoausrüstung – auch wenn ich ja seit 2 Monaten eine eigene Haftpflichtversicherung besitze. Zeit also mit diesem nassen Bein die Heimreise anzutreten und es war mir ein größtes Vergnügen, mir auf dem Parkplatz des Hotels vor allen eine trockene Hose anzuziehen. Man hat ja auch einen gewissen Erziehungsauftrag, denn das ein ganzer Kontinent, wie ich aus eigene Erfahrungen zu bestätigen kann, mit Sportshorts und T-Shirt in die ausschließlich nach Geschlechtern getrennten Saunen geht und ebenso duscht, kannte ich zuvor nur von meinen Freunden aus dem Morgenland und von diesem Leiden müssen sie eindeutig befreit werden. Desweiteren verlief meine Rückreise aber glatt, nach gut 1200 Kilometern kam ich gegen 22h wieder in Valemount an. Das war schon so ein Gefühl wieder zu Hause zu sein, dass ich bisher nur von nach dem Einbiegen in den Bendenkamp, meiner Heimatstraße in Ratingen, kannte. Und wenn man dann die Tür öffnet und sich Kai nach dem Geräusch umdreht, die Arme hochreißt und Anna ruft, dann ist das schon ein wirklich nettes Gefühl. Ein wenig platt von den wenig erholsamen Nächten, fiel ich dann auch schon recht zeitig in einen ungestörten Schlaf in meinem eigenen Bett, mit meinem eigenen Bad. Schon nett. Geweckt wurde ich dann am nächsten morgen um 9 von Kaz. Die hatte gerade einen Anruf von Bryan erhalten, der mit seiner Familie die Cabin Dave Henry betreibt und wo ich schon einmal für einen Tag mitkommen durfte. Er und seine Frau Liz würden für eine Übernachtung und ein paar Arbeiten eine Tour dahin machen, ob ich mitkommen wollte? - Klar hab ich Lust, wann denn? 10h! – Ein kleiner Traum, aber in meinem Alter ist man bei so etwas ja spontan und da ich grundsätzlich ungern Dinge verpasse, sicherheitshalber mal lieber zugesagt. Außerdem habe ich mich inzwischen an die kanadischen Verabredungen gewöhnt, denn die sind immer plus mindestens 1-2 Stunden zu rechnen, also eine entspannte Vorbereitung. Auf dem Weg zu dem Platz, wo wir mit den Skidoos auf die 20 Kilometer lange Anfahrt zur Hütte starteten, fragte ich dann, was Inhalt meiner zweiten Fahrstunde auf dem Skidoo sein würde. – Beladener Schlitten als Anhänger. Eine kurze, knappe und respekteinflößende Vorschau auf das, was mich gleich erwarten würde. Nachdem dann alles verzurrt war ging die Anreise los, Liz und Bryan fuhren dabei auf einem Skidoo – aus Sicherheitsgründen dachte ich mir. Zum Glück hatten wir diesmal nicht so viel Neuschnee, denn letztes Mal war der Schlitten trotz meiner Einschätzung nach professioneller Steuerung ein gutes halbes Dutzend Mal umgekippt. Ein besonders kraftraubender Spaß, die Biester dann immer wieder umzudrehen. Das waren eineinhalb Stunden höchste Konzentration für mich, mit gerade einer kleinen 180 Gradwende, die nicht vergleichbar waren mit der Fahrt ohne Anhängsel, auf dieser ohnehin anspruchsvollen Waldstrecke. Da muss man schon sehr aufmerksam sein und permanent bei vollem Körpereinsatz mitdenken und –lenken. Aber sehr spannend und der heiße Tee in der Hütte wird zu einer großen Belohnung – empfundene Champagnerdusche.
Am Abend haben wir dann nur noch lecker gekocht – auf Hütten empfindet man ja selbst Spaghetti mit Tomatensoße als Delikatesse – und sind dann in dieser unglaublich friedlichen Stille inmitten der Natur bei stärker werdenden Schneefall, findet man beim nächtlichen Klogang ganz automatisch heraus, Schlafen gegangen. Und wie es kommen musste, am nächsten morgen einen zur Hälfte blauen Himmel und Neuschnee. Der Kanadier an sich ist trotz jahrelangem Leben im Schnee für diesen Fall trotzdem hoch motiviert die Arbeit einfach mal aufzuschieben, sich seine Tourenski anzuschnallen und einen umliegenden Berg hochzusteigen. In diesem Fall war es Liz mit mir, allerdings auf Schneeschuhen und dem Snowboard am Rucksack befestigt, im Schlepptau. Gerne hätte ich mich bei diesem schweißtreibenden Aufstieg schleppen lassen – keine Frage, Tourenski haben gewisse Vorteile. Dafür genießt man jeden Abfahrtsschwung durch meilenweit unberührten Tiefschnee noch viel mehr. Das war schon ein Traum und erweckte mein großes Verständnis für viele Begeisterte, die dies jeden Winter für eine Woche von dieser Hütte aus zelebrieren. Pünktlich mit unserer Rückkehr zog sich der Himmel dann auch wieder zu und es begann erneut zu schneien. Nun war dann aber doch mal angesagt und zwar nicht zu knapp. Die Sauna musste freigeschaufelt werden, weil das Dach unter dem Gewicht des Schnees einzustürzen drohte… das war eine Dreistundenaktion mit der Garantie für den nächsten Tag: ich hab Rücken! Nachdem danach noch ein wenig Holz gespalten wurde, etwa ein Baum, kehrten wir nochmals in die Hütte zurück und es gab noch mal einen wärmenden Tee. Dabei unterhielt mich noch ein wenig mit den beiden Familienvätern aus Alberta, die für eine Woche ihrem Hobby hier oben frönten. Und dann unterhielten wir uns eben auch über meine weiteren Pläne, wie es mir hier in Kanada gefällt und sagte dann diesen Satz, auf der Terrasse mit dem heißen Tee stehend und in die Sonne blinzelnd: Ja warum kommst Du dann nicht mal für länger nach Kanada, wenn es Dir so offensichtlich gut gefällt? Life is too short! Und insbesondere dieses „Life is too short“ bekomme ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf.
Wenig später packten wir dann die Sachen für die Abfahrt, denn wir wollten noch im Hellen am Auto ankommen. Diesmal hatte ich aber nur den kleinen Schlitten als Anhängsel, wollte aber von Bryan noch mal gezeigt bekommen, wie man auf den ebenen Tiefschneefeldern mit den SkiDoos so herrliche endlos-S-Kurven fahren kann. Ganz einfach im 2 Meter Tiefschnee: Ganzes Gewicht auf eine Fußraste, richtig reinlehnen bis das Gerät fast auf einen draufkippt und dabei in die entgegengesetzte Richtung lenken… Dazu muss man erstmal die Synapsen entknoten, denn dahin lenken, wohin man gar nicht fahren will – ist erstmal komisch. Funktionierte nach einigen Versuchen dann aber immer besser und ist einfach genial. Ich mag diese stinkenden Motorräder im Schnee;-) Ich dachte eigentlich auch das wäre schon meine heutige Fahrstunde gewesen, aber dann stoppte Bryan und sagte zu mir, nun nach dem Spaß vorhin, kommt nun Fahrstunde/Level 2.5 und bog kurz darauf ins vollkommen verschneite Bachbett ein. Viele kleine und steile Hügel, oft einen Meter neben einem ein Loch im Schnee wo der Bach drunter gurgelte und das SkiDoo bitte nicht drinnen enden sollte… Diese Lektion kostete mich einiges an Nerven und Angstschweiß, doch wenn man danach wieder auf die alte Route biegt, sind die Herausforderungen dort geradezu lächerlich. Beim nächsten Stop, als wir Liz einsammelten die bis dahin den Weg allein auf Skiern zurückgelegt hatte, kam mir Bryan allerdings zuvor, indem er das Level dieser Fahrstunde auf 2.8 erhöhte.
Später am Auto luden wir die SkiDoos wieder auf, Liz und Bryan brachten mich nach der Einladung zum Essen nach Hause, ich bedankte mich für die große und für diese Gegend wirklich einmalige Gastfreundschaft und wünschte Ihnen viel Spaß in ihrem nun folgenden 5 wöchigen Camping-Trip durch einige amerikanische Nationalparks.
Passend zu den vielen Naturerlebnissen möchte ich nun noch über unsere Erlebnisse bei der Produktion des Kurzvideos für coldfirecreek dogsledding erzählen. Nach derem morgendlichem ok (7h) aufgrund des guten Wetters, machten wir uns auf den Weg zu dem etwa ½ stündigen Weg entfernten Waldstück, in dem die Betreiber mit ihren 87 Schlittenhunden lebten und von dort aus ihre Touren starteten. Schon beim Aussteigen aus dem Auto bekamen wir dann ein lautstarkes Konzert aus vielen Hundekehlen irgendwo zwischen Heulen und Bellen zu hören. Fast alle Hunde sind ehemalige „Profi“-Schlittenhunde, die aber ab einem gewissen Alter nicht mehr genug Kraft haben, für die 2-4 stündigen Rundtouren mit den zahlungswilligen Touristen und auch für meine späteren Erlebnisse noch mehr als ausreichend sind. Auch wenn wir es zunächst nicht so richtig glauben wollten, die Hunde sind trotz ihrer scheinbaren Aggressivität wenn es ums Rennen geht, immer friedlich und jederzeit bereit, Streicheleinheiten zu empfangen. Reinrassige Huskies sind als Schlittenhunde auch eher unüblich, weil sie ganz schlicht einen zu dicken Kopf haben, Huskies gekreuzt mit einer anderen Hunderasse deren Namen ich vergessen habe, sind da robuster, gelehriger und folgsamer. Kann ich für zumindest meine Anfänge als „Musher“ durchaus bestätigen. Die Hunde sind schon beim Anbinden einfach nur „heiß“ darauf loszujagen und dann gibt es kein Halten mehr. Unsere Gespanne hatten gerade einmal 8 Hunde und dabei trotz zweier Personen auf den Schlitten schon eine ganz ordentliche Geschwindigkeit – am Berg allerdings, da bin ich mir sicher, haben sie nicht nur einmal auf meinen prächtigen Ernährungszustand geflucht. Auch hier hieß es wieder sehr aufmerksam zu sein, dass alle Hunde mitkommen, keiner Humpelt, den Schlitten durch Gewichtsverlagerung in der gewünschten Richtung zu halten,… Eine besondere Herausforderung ergibt sich, wenn einer der vorderen Hunde bei voller Fahrt plötzlich meint „to the bathroom“ gehen zu müssen , einfach mal stehen bleibt und dann alle anderen Hunde in ihn hineinlaufen. Dann muss man erstmal sehr aufmerksam sein und sich mit dem ganzen Gewicht auf eine Art Anker stellen, der den Schlitten bremst und ist danach für einige Minuten mit der Entwirrung der Hunde und Schnüre beschäftigt. Das ist schon eine wirklich faszinierende Fortbewegungsart, besonders bei dieser beeindruckenden Landschaft. Unsere Aufgabe in diesem heutigen tag war es, möglichst viel Film- und Fotomaterial zu sammeln, um daraus zum einen, einen Kurzfilm für das Valemount Visitors Center zu drehen und zum anderen die Homepage mit neuen Fotos zu versorgen. Auch hier und wie schon so oft muss ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen erst einmal wieder einer Berufsgruppe meinen größten Respekt aussprechen. Diesmal trifft es die Tierfilmer und -fotografen. Denn grundsätzlich machen Tiere anscheinend extra nie das, was man gerade gerne hätte und geniale, foto- und filmreife Situationen präsentieren sie grundsätzlich nur, wenn man gerade keine Kamera zur Hand hat. Da braucht man schon eine Menge Geduld und Glück. Für viele Aufnahmen hat man eben nur eine Chance und entweder alle Einstellungen sind perfekt, oder aber Pech gehabt. Wiederholungen sind mit Tieren nur selten möglich. So legten wir also unzählige Pausen ein, rannten vor, platzierten uns hinter Bäumen, lagen direkt neben der Route im Schnee und warteten auf die Vorbeifahrt der Hundeschlitten. Denn nur wenn einen die Hunde nicht sehen, reagieren sie auch nicht und gucken alle oder bremsen etwas ab… Viele Filmminuten nahm Pascal entweder in akrobatischer Stellung hinten auf meinem SkiDoo bei voller Fahrt und möglichst optimalem Abstand zum folgenden Hundeschlitten auf, oder lehnte sich direkt aus einem der Schlitten. Über 150 Fotos hatte ich alleine anschließend von Hundeköpfen in Makroaufnahmen, man weiß nie, was gut wird und was man später verwerten kann. Mittagspause und Zeit zum Aufwärmen in dieser Schlucht, in der wir immer wieder den kleinen Fluss querten, war dann an zwei kleinen Hütten bei Lagerfeuer und Barbecue angesagt. Auch Zeit, einmal ein paar sich aufdrängende Fragen beantwortet zu bekommen. So viel als Resumé, der Job als Musher macht eine Menge Spaß, ist nicht zu hart, man ist den ganzen Tag in der Natur mit Hunden zusammen und man verdient in der 6 monatigen Saison so gut, dass man danach 6 Monate Urlaub machen kann. So viel dazu und für uns, ein toller ereignisreicher Tag, der normalerweise schon für 4 Stunden etwa 150€ p.P. kostet. Mein Chef hat damit sogar noch Kohle gemacht, hat schon was, der Job als Fotograf im richtigen Bereich. Auch wenn danach die eigentliche Arbeit beginnt, Material sichten, bearbeiten, schneiden, Musik auswählen und hinterlegen und das alles natürlich noch mit dem Kunden abstimmen. Das war wirklich mal interessant, wie viel Arbeit das ganze ist und auf wie viele Dinge man Acht geben muss. Wen das Kurzfilmergebnis interessiert:

http://www.bollito.net/projects/valemount_area/coldfirecreek_dogsledding.mov

Eine kleine Auswahl an Photos unter:

http://www.kodakgallery.de/Slideshow.jsp?mode=fromshare&Uc=bbnu6q65.chu66isl&Uy=dsfs2y&Ux=0&localeid=de_DE

Ansonsten verabschiede ich mich nun mal in die letzten Tage. Ein komisches Gefühl ist es nach dieser mir wahrscheinlich aufgrund der vielen prägenden Erlebnisse so lang vorkommenden Zeit, dieses Fleckchen Erde und meine so lieb gewonnene Gastfamilie wieder zu verlassen. Aber auch schön zu wissen, was mich alles wieder in Deutschland erwartet. Denn da freue ich mich schon sehr drauf!

21.4.07 16:42
 


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